Auswahl der Paten

  • 1
hameau
Mitglied seit
13.04.2017

3 Beiträge

Hallo,
mich erstaunt, daß in den für mich relevanten Kirchenbüchern aus Baden & Württemberg bei den Kindstaufen der jeweiligen Familien ständig die gleichen Paten bestellt wurden. Diese Vorgehensweise ist mir als rheinischem Katholiken gänzlich unbekannt. Kann mich jemand über den Hintergrund dieser Praxis aufklären? Nach welchen Kriterien wurden die Paten bestellt?
Dank vorab.

mismid
Mitglied seit
08.01.2015

71 Beiträge

Wenn es bei allen die gleichen Paten sind, dann sind dies entweder Gemeindemitarbeiter (Bürgermeister, usw.) oder Personal des Pfarrers.

hameau
Mitglied seit
13.04.2017

3 Beiträge

Danke mismid,
das wäre plausibel, würden bei sämtlichen Familien die gleichen Paten in Erscheinung treten. Dies ist aber nicht der Fall. Vielmehr bestellt jede Familie für sich exquisit die jeweils gleichen Paten.
hameau

Eva64
Mitglied seit
04.01.2015

146 Beiträge

Hallo hameau,

meiner Erfahrung nach kommt das auf den Ort an. In manchen Orten finde ich häufig immer wieder dieselben Paten bei einer Familie. (Das hat für uns als Forscher den Vorteil, dass man Kinder gut zuordnen kann, wenn zur selben Zeit zwei Ehepaaren mit denselben Namen in einem Ort wohnten und Kinder bekamen.)
In anderen Orten finde ich ständig wechselnde Paten. Ich denke das hat einfach etwas mit örtlichen Traditionen zu tun.

Grüße
Eva

chaotsani
Mitglied seit
15.06.2016

75 Beiträge

Hallo hameau,

eine interessante Fragestellung.
Noch heute gelten in den jeweiligen Evangelischen Landeskirchen unterschiedliche Kirchenrechtsverordngung für das Patenamt (https://de.wikipedia.org/wiki/Pate > Evangelische Kirche), beispielsweise aktuelle Fassungen von Hessen-Nassau/EKHN (https://kirchenrecht-ekhn.de/pdf/18785.pdf > 3.5 Patenamt) oder Baden/EKIBA (https://www.kirchenrecht-ekiba.de/pdf/4382.pdf > Artikel 5 Patenamt).
Vielleicht kann für dich hierbei die jeweilige Landeskirche mit ihrer Geschichte des Landeskirchenrechtes (oder anderen Regularien/Pfarrer-Erfahreungsberichte) selbst weiterhelfen.
Für Baden beispielsweise Kontaktdaten für das Archiv der EKIBA (http://www.ekiba.de/html/content/familienforschung808.html - deren Bereichsleiter Herr Löber selbst aktiv bezüglich Kirchenbücher mit Archion in Kontakt steht) oder der Bibliothek der EKIBA (http://www.ekiba.de/html/content/landeskirchliche_bibliothek.html bzw. eigene Suche in derem OPAC: http://www.ekiba.de/html/content/landeskirchlicher_zentralkatalog.html).

In folgendem Werk konnte ich aufschlussreiche Hinweise bezüglich Paten entnehmen "Handbuch der praktischen Genealogie von Eduard Karl Heinrich Heydenreich von 1913":
https://archive.org/stream/handbuchderprakt01heyd (Seiten 32,34,50,52-55)
In diesem wurde referenziert zu einem scheinbaren Sammelband:
Säuberlich,Die Paten, in: ASW[???], 6.Jahrgang, 1906, S.161

Nebenbei entdeckt bezüglich historische Taufregularien:
M. Paul Christian Hilschern,Pathen-Pflicht (Pastore zu Alt-Dreßden),1747:
http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/urn/urn:nbn:de:gbv:3:1-758772

Eventuell findet sich zu Taufen<>Paten mehr in einem Artikel der folgenden Werke unter anderem zur "Einführung in Kirchenbücher", in: Henning,Eckart/Ribbe,Wolfgang,Taschenbuch für Familiengeschichtsforschung,Neustadt an der Aisch 1995,S.119-122.

Weitere Forschungsansätze neben den jeweiligen Landeskirchen sollten die Bestände in Landes- oder Universitätsbibliotheken(insbesondere Bereiche der Theologischen Fakultät) enthalten.

Viele Grüße und an weiteren diesbezüglichen Ergebnissen interessiert,
Sven

Jokurz
Mitglied seit
15.09.2014

419 Beiträge

Hallo,

interessant wäre der Einblick in die Taufeinträge, evtl. kann da etwas abgeleitet werden.

Bei den Taufzeugen, im Unterschied zu den Taufpaten, werden oftmals
Messner oder auch von der Gemeinde bestellte Personen genannt.

Gruß
Joachim

hameau
Mitglied seit
13.04.2017

3 Beiträge

Hallo,

danke Euch/Ihnen für die Anregungen & Hinweise.
@chaotsani: Die aufgeführten Quellen werde ich alsbald möglich abarbeiten. Besten Dank.
Noch etwas zum Hintergrund meiner Verwunderung. In meiner rheinischen Heimat erfolgte die Bestellung der Paten ganz offensichtlich einem fest verankertem Muster. Zunächst, so noch lebend, nahmen die Großeltern das Patentamt war, sodann die Onkel & Tanten, leiblich wie angeheiratet. Hierzulande kann man also mit Hilfe der Patenschaften sehr zuverlässig die familiären Zusammenhänge erarbeiten.

Viele Grüße,
hameau

  • 1