Fundstücke (makabres, trauriges, erheiterndes)

Frank_Amoneit
Mitglied seit
13.11.2018

32 Beiträge

http://www.archion.de/p/62e46e6788/

Armer Arbeitsmann heiratet 46 jährige Jungfer, eine gefallene Person.
Politisch heutzutage nicht ganz korrekt :-)

Thode
Mitglied seit
12.07.2018

3 Beiträge

LKA Stuttgart, Dekanat Vaihingen/Enz, Roßwag, Mischbuch 1694-1765 (neu 3.3.2020), Band 10, Bild 179, Todesregister
Anno 1748,
D. 2ten. Jan. Morgens um 5. Uhr hat sich Matthäus Maienknecht, gewe-
sener bürgerlicher Innwohner und Kieffer allhier bey der so
genannten Schul-wiesen in den Entz-Fluß gestürzet und
ertränket, nachdem er sonderlich in der letzten Zeit seines
Lebens sich gegen seinem Ehweib und Kindern sehr gott-
und liebloß erzeiget, gräulich gefluchet, erschröckliche und
mörderische Reden gegen seinem Ehweib geführet, auch
der Trunckenheit und einem Verfürerischen Leben sich
ergeben: Vor welch seinem sündlich- und gottlosen Wesen
er zwar vom Pastore und dem Schultheißen zu etlichen ma-
len privatim, und vor dem Versammleten Kirchen-Convent
auff dem Recht-Hause treulich und ernstlich gewereten
zur Führung eines beßeren Lebens mit vielen vorgelegten
Beweg-Gründen, aber leider! Vergeblich ermahnt wor-
den. Wer sonsten ein Mann eines guten natürlichen
Verstandes, hatte auch nach dem äusserlichen Buchstaben
gute Erkenntnüß der Heil(igen) Schrift!, aber ohne die erns-
te Kräfte und Frucht durch derselbigen in seinem Hertzen und
Leben. Es war auch dieser Mann von vielen Jahren her
in puncto adulterii sehr verdächtig. Zum neuen Jahr
hat er nach seinem eigenem Bekenntnüß vor dem Kir-
chen-Convent seinem Ehweib den Teufel angewi-
schet deßen Cönzur ist den 16. Febr. Anni currentis ergangen-
en Hochfürstl(ichen) Gnädigsten Befehls des Abends durch vor Dorff
Schützen aus dem Waßer an das Land heraus gezogen und des
Nachts durch des Scharff-Richters zu Vayhingen konn-
te in einer Wald-Klingen vergraben worden, ät. 45. Jahr
9. Wochen.

Church book of Rosswag, Wuertttemberg, Volume 10, 1694-1765, image 179, Deaths.
On the 2nd of January 1748 at 5 o’clock in the morning Matthaeus Maienknecht, late resident citizen and cooper here in Rosswag, plunged into the Enz River and drowned. Particularly during the last part of his life he acted in a very ungodly and unloving manner toward his wife and children and disgustingly cursed, talked threateningly and murderously toward his wife, as well as leading a drunken and loose life, for which he was sincerely and earnestly admonished on account of his sinful and godless nature, namely privately to lead a better life several times by the pastor and mayor and before the assembled church council in the court chambers, citing many cases in point, but alas, in vain. This man, who otherwise had a naturally good mind and outwardly knew the Bible and could quote scripture, nonetheless lacked the real power and result of having the same in his heart and life. He was also seriously suspected in the matter of adultery many years ago. By his own admission before the church council he accused his wife of wiping the devil on New Year’s Day. He was censured on the 16th of February by the most gracious order of His Highness the Prince after he shot from the water onto the land in the front of the village in the evening. His body was recovered from the water and he was buried at night by the executioner at Vaihingen in the middle of the forest, aged 45 years 9 weeks.

msiegle
Mitglied seit
10.01.2015

587 Beiträge

"Modenamen" (Johannes in Wüstenrot, "Christinen" in Winnenden)

Wenn man in historischen Taufregistern blättert, fallen einem oft Häufungen von gleichen Vornamen ins Auge. Ganz offensichtlich gab es schon vor Jahrhunderten "Modenamen", - so wie es heute immer noch der Fall ist. Allerdings waren diese früher noch viel stärker lokal gebunden (was im Extremfall sogar helfen kann eine Personenherkunft einem bestimmten Ort zuzuordnen, aber das ist eine ganz andere Geschichte).
Mir ist es schon mehrfach so gegangen, dass ich bei Suche nach einer Geburt ohne Kenntnis auch nur des annähernden Geburtsjahrs in einem Taufbuch "rückwärts" suchen musste (Ehedatum minus 18 Jahre, und von dort zurück). Wenn der Täufling einen für die Region oder den Ort seltenen Vornamen hatte (nennen wir den Probanden hier mal einfach "Melchior" ) passiert es zumal, dass man 10 Jahre oder mehr vergeblich nach einem Melchior sucht... und plötzlich kommt doch noch einer (leider erst mal nicht der "richtige" )... und plötzlich noch einer und noch einer.... Und dann findet man doch noch den passenden Melchior...

Hier eine Doppelseite mit fast lauter Buben namens Hans/Johannes ... (bis auf einen Matthaeus) aus Wüstenrot, Dekanat Weinsberg aus dem jahr 1717: http://www.archion.de/p/fb42197962/

Da verwundert es nicht weiter, dass man 20 Jahre nach den Taufen dann auch Namenshäufungen bei den Heiraten finden kann. Dazu ein Beispiel aus Winnenden, Dekanat Waiblingen aus dem Jahr 1836. Alle Bräute auf dieser Kirchenbuchseite heißen mt erstem Vornamen Christine oder Christina oder Christiana :-) :
http://www.archion.de/p/bed582d60d/

eggi
Mitglied seit
02.06.2015

823 Beiträge

Mord an Weihnachten 1671

Am Weihnachtsabend des Jahres 1671 war der 20jährige Schuster Jacob Berker auf dem Nachhauseweg von Dallau nach Unterschefflenz. "Bey den 2. großen Bäumen" wurde er überfallen und ermordet. Man fand ihn am nächsten Morgen "gar ellendiglich zugerichtet mit abgeschnittener Gurglen". Bei der Beerdigung am 27.12. war der Mörder noch nicht bekannt.

Als Nachtrag ist vermerkt, dass es sich dabei um den 15jährigen Sohn des Schultheißen von Dallau handelte. Er wurde an Fasnacht 1672 hingerichtet, indem man ihm zuerst den Kopf abschlug und ihn dann aufs Rad legte.

Das Motiv für den Mord ist leider nicht vermerkt.

http://www.archion.de/p/601cb17892/

eggi
Mitglied seit
02.06.2015

823 Beiträge

Zitiert von: eggi

Am Weihnachtsabend des Jahres 1671 war der 20jährige Schuster Jacob Berker ...
^^
Er hieß natürlich Becker ...

KrisK
Mitglied seit
17.07.2015

261 Beiträge

An dieser Stelle dann ein liebes "Dankeschön" an Archion für drei Freimonate für meine Fundstücke.

Da ich noch auf Freischaltungen warte, bis ich wieder wirklich weiter vorwärts kommen kann, werd ich einfach Ausschau halten nach weiteren hübschen Fundstücken!

heinzi76
Mitglied seit
15.12.2014

1994 Beiträge

Hallo,
hier eine schön bemaldes Bild für eine Taufe.

http://www.archion.de/p/326579dfda/

Sven

heinzi76
Mitglied seit
15.12.2014

1994 Beiträge

Es zeigt jeweild das Jahr der Taufen an, keine einzelne Taufe.

Andrea378
Mitglied seit
30.03.2020

47 Beiträge

Zeichnung Schwert mit Galgen 1572 Neuenstadt am KOcher

http://www.archion.de/p/da806d3e56/

Die Schrift kann ich leider nicht lesen. Auf den Seiten davor befinden sich auch hin und wieder kleinere gezeichnetete Schwerter. Möglicherweise wurde hier jemand hingerichtet.

msiegle
Mitglied seit
10.01.2015

587 Beiträge

... zu Andrea's Fundstück:
Zeichnung Schwert mit Galgen 1571 Neuenstadt am Kocher
... lese ich (z.T. etwas unsicher) wie folgt:

Hanns Franckh 57 mord gestifft, vil bis auff den tod
verwund(en), lig(en) lassen, hat nitt wissen können, ob
sie tod plib(en) od(er) nitt, mitt dem rad gericht, und
4 zich glüenden zang(en) vnnd an ain iung galg(en) daran gefürth word(en)
den 24 Octob(ris). gericht worden, ein greulich mörd(er),
ist gewesen von Kochenthürm bürttig, ist gewe
sen ein Schäeffer.

Gruß,
Michael