Zweimalige Taufe 1692?

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Scherfer
Mitglied seit
21.02.2016

98 Beiträge

Hallo liebe Familienforscher*innen,

ich bitte um Hilfe bei der Transkription dieses Taufeintrags von 1692 in Bittsädt:
http://www.archion.de/p/8d08cb5a28/

Nach meinem Verständnis fand die Taufe zweimal statt. Falls ich das richtig interpretiere, erschließt sich mir der Sinn des Ganzen aber nicht. Das liegt sicher auch an meinen eingerosteten Lateinkenntnissen. Irgendetwas scheint bei der "ersten Taufe" nicht richtig gemacht worden zu sein?

Den ersten Teil kann ich noch recht gut selbst lesen (s.u.), aber gerade im zweiten Teil bei den für mich interessanten Verwandten fehlen mir wichtige Stellen:

1. Teil:

"H. Jacob Jacobi dieser Zeit herrschaftli
cher Forstbedienter und seiner Braut
Barbara Regina Abends am Palm Sonn
tage d. 20 Marty ein Töchterlein gebo
ren, anderen tags auß [...] Vormittag
gegen 10 Uhr in der Kirchen getaufft und
mterims weise an [...] [...] Stelle geho
ben 1 war der Ursula Jacobi Kindes Vatters
Mutter 2 Johann Nicolao Badino
Schuld [?] w. Organ. Und 3 Christina
Stummen Theodori Stummens Weibe
w. Kindes Mutters Schwester und wurde
das Kind Anna Regina benannt"

2. Teil ( bei dem ich mich schwerer anstrengen muss, um einen Sinn zu finden):

"Folgends am dritten Ostertag d. 29
Marty wurde das Kind abermals gegen
Abend zur Kirchen getragen [...] eingese
gnet et [...][...][....] Superintenden
tis, bey Vorstellung [...][...] Pa
then aber 1 Herrn Anthon Henrich
Schulz [...] Bothenmeisterin [...]
Kindes Grossvatters von der Mutter

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"2 Fr Anna Juditha, H. Nicolai Mey,
[...] Chur Maintz Ambt Manns zu
[Mülberg ??!] Eheliebste, el [...] Pontificia
Religionis addicta, Superiorum permis-
su invitari debuit 3 Anna Mo
destina Johann Sanders Bürgers u.
Würz Kramers in Arnstadt Eheweib
da dann nach solchen actu ordentlich
Tauffmalzeit gegeben wurde."

Ich würde mich sehr freuen, wenn mir beim Füllen der Lücken und beim Verständnis der Zusammenhänge für die zweimalige Taufe geholfen werden könnte. Danke!

user722
Mitglied seit
26.05.2016

1435 Beiträge

H. Jacob Jacobi dieser Zeit herrschaftli=

cher Forstbedienter und seiner Braut

Barbara Regine, Abends am Palm Sonn

tage d. 20 Marty ein Töchterlein gebo=

ren, anderen tags auß Ursach Vormittag

gegen 10 Uhr in der Kirchen getaufft und
interims weise an rechter Pathen Stelle geho=

ben 1 von Fr Ursula Jacobi Kindes Vatters

Mutter 2 Johann Nicolao Bodino
Schueld.⟨iener⟩ u.⟨nd⟩ Organ.⟨ist⟩ Und 3 Christina

Stummen Theodori Stummens Weibe

u.⟨nd⟩ Kindes Mutters Schwester und wurde

das Kind Anna Regina benannt,

Folgends am dritten Ostertag d. 29

Martij wurde das Kind abermals gegen

Abend zur Kirchen getragen u.⟨nd⟩ /nochmal/ eingese=

gnet et q⟨⟩d. p⟨⟩missu D⟨omi⟩ni Superintenden

tis, bey Vorstellung rechtmäsichter Pa=

then als 1 Herrn Anthon Henrich

Schulzens Bothenmeisters in Gotha des

Kindes Grossvatters von der Mutter
---- nächste Seite ----
2 Fr Anna Juditha, H. Nicolai Mey=

nongs(?) Chur Maintz. Ambt Manns zu

Müelberg Eheliebste, et q⟨u⟩a Pontificiae

Religionis addicta, Superiorum permis-

su invitari debuit 3 Anna Mo

destina Johann Sanders Bürgers u.

Würz Kramers in Arnstadt Eheweib

da dann nach solchen actu ordentlich

Tauffmalzeit gegeben wurde.

Offenbar waren bei der ersten Taufe, die auß Ursachinterimsweise stattfand, die "richtigen" Paten nicht verfügbar.

Scherfer
Mitglied seit
21.02.2016

98 Beiträge

Duprt, herzlichen Dank!

Interessant trotzdem, denn an vielen anderen Stellen fand ich nur einen Taufeintrag mit den Vermerken "an Paten statt" - also unter Auflistung der richtigen Paten, aber ohne "Wiederholung" der Taufe.

msiegle
Mitglied seit
10.01.2015

1356 Beiträge

Um das klarzustellen:
In evangelischer und katholischer Kirche kann und darf es nicht geben, dass ein Kind zwei mal getauft wird.
Auch in diesem Fall wurde das Kind nur einmal getauft, und beim zweiten Mal zusätzlich eingesegnet, aber nicht ein zweites mal getauft.
Wenn eine Nottaufe bei sehr schwachen Kindern durchgeführt wurde durch Laienhand (Hebamme, Wehemutter, oder Schulmeister, oder andere) war es in vielen Gegendenn aber Brauch, dass das Kind (sollte es überlebt haben) anschließend in der Kirche "vorgestellt" wurde und dabei allenfalls noch einmal gesegnet wurde, oder ein Gebet verrichtet wurde, und der Pfarrer somit die bereits geschehene Taufe noch einmal bekräftigte.

Ich habe bisher nur einen einzigen Fall gefunden, da wurde der Täufling von der Hebamme mit Wein gähgetauft (was auch immer die Hebamme dazu bewogen haben mag!), der Pfarrer diese Taufe dann als ungültig erkannte und daher das Kind anschließend in der Kirche ordentlich und vorschriftsgemäß mit Wasser taufte, wie es die Kirchenordnung
festschreibt.
Insofern auch in diesem Fall: nur EINE Taufe (mit Wasser)!

Gruß,
Michael

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