Aktuelle Themenwahl der Archion-News

Stucki
Mitglied seit
31.10.2016

9 Beiträge

{"Flüchtlingskrise", "Massenmigration" oder "Multi-Kulti-Gesellschaft" - Begriffe wie diese suggerieren, dass unsere Gesellschaft heutzutage vor nie dagewesenen Herausforderungen steht, unser Umfeld eigentlich völlig homogen ist und die "Fremden" Unruhe in unsere sonst klar definierte Sozialstruktur bringen. Wer nur etwas tiefer eintaucht in die Geschichte unserer Gesellschaft bis hin in die eigene Familiengeschichte stellt aber fest, dass die Grenzen zwischen "uns" und "denen" gar nicht so klar sind, wie viele heute gerne glauben möchten.}

Ich forsche nun seit über 25 Jahren und habe viele Kirchbücher in vielen Regionen "durchforstet". Daber habe ich wenig überraschend feststellen können, dass die Gesellschaft, egal ob um 1600 oder um 1900 stets sehr homogen war. Selbstverständlich gab es immer Migration und Zuzüge und nicht nur in die Städte. Migration von außerhalb des deutschen Sprachraums erfolgte jedoch lediglich marginal und stellte eine Besonderheit dar. Dass jegliche Sozialstrukturen im Wandel der Zeiten durch politische Ereignisse wie Kriege oder einfach auch durch Wetterereignisse früher sehr fragil waren, sollte ebenfalls nicht verwundern.

Was daher die Beispiele eines wandernden Handwerkers aus Tirol oder eines Kriegsflüchtlingen aus der Pfalz in Hessen konkret mit aktuellen politischen Themen zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Hier irgendwelche Parallelen ziehen zu vollen, halte für sehr weit hergeholt und erschließt sich mir überhaupt nicht. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen und ein historischer Zusammenhang konstruiert, den es einfach nicht gibt. Ich finde es äußerst schade, dass ausgerechnet auch noch auf einem Freizeitgebiet wie der Familienforschung damit begonnen wird, politische und nicht unbestrittene subtile Botschaften zu verkünden. Archion sollte daher in politischer Hinsicht unbedingt neutral bleiben!

KrisK
Mitglied seit
17.07.2015

269 Beiträge

Erschließt sich Ihnen nicht? Ist Ihnen nicht aufgefallen in den Büchern? Das Thema hat hier nichts zu suchen?

Tja, da leben wir wohl in verschiedenen Welten.

In meiner Welt wurden seinerzeit Kirchenbücher dazu benutzt, die arische Herkunft zu beweisen.
In meiner Welt finde ich es deshalb verdammt gut, wenn dauf verweisen wird, dass wir sicher alle einen Migrationshintergrund haben. Gerade ein einer Zeit, in der sich manche derart mit ihrem "Deutschsein" brüsten, dass sie auf "Fremde" pinkeln oder gleich Brandsätze werfen.

Ein wenig Geschichtsbewusstsein sollte da schon verlangt werden dürfen.

Danke, Archion, für den Hinweis auf diese interessante Ausstellung. Für mich dürfte sich gerne umfangreicher sein.

BerndSchulz
Mitglied seit
04.01.2016

465 Beiträge

Hallo KrisK,

Zitiert von: KrisK
Erschließt sich Ihnen nicht? Ist Ihnen nicht aufgefallen in den Büchern? Das Thema hat hier nichts zu suchen?

Tja, da leben wir wohl in verschiedenen Welten.

In meiner Welt wurden seinerzeit Kirchenbücher dazu benutzt, die arische Herkunft zu beweisen.
In meiner Welt finde ich es deshalb verdammt gut, wenn dauf verweisen wird, dass wir sicher alle einen Migrationshintergrund haben. Gerade ein einer Zeit, in der sich manche derart mit ihrem "Deutschsein" brüsten, dass sie auf "Fremde" pinkeln oder gleich Brandsätze werfen.

Ein wenig Geschichtsbewusstsein sollte da schon verlangt werden dürfen.

Danke, Archion, für den Hinweis auf diese interessante Ausstellung. Für mich dürfte sich gerne umfangreicher sein.

als Kurpfälzer mit Migrationshintergrund hast Du meine volle Zustimmung.

Grüße
Bernd

Phil59
Mitglied seit
03.09.2016

158 Beiträge

Zitiert von: KrisK
In meiner Welt wurden seinerzeit Kirchenbücher dazu benutzt, die arische Herkunft zu beweisen.

Das ist aber eine sehr beschränkte Welt, in der Sie da leben. Reicht ihre Familiengeschichte nur bis 1933 zurück? Letztendlich sind wir doch alle Afrikaner, oder?

Gruß von Lucy und von mir...

msiegle
Mitglied seit
10.01.2015

764 Beiträge

Zitiert von: Stucki
... Migration von außerhalb des deutschen Sprachraums erfolgte jedoch lediglich marginal und stellte eine Besonderheit dar. ...

Das sehe ich nicht so wie Sie. Es gibt und gab in meiner persönlich erlebten Zeit genauso wie in den Zeiten, die ich in Kirchenbüchern dokumentiert gefunden habe, Phasen mit weniger solcher Migrationsbewegungen und Zeiten mit Häufungen. Interessant wäre es, das einmal statistisch auszuwerten. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es bei einer Mittlung über die vergangenen fünf Jahrhunderten zwar ("naturgemäß" zum Teil starke) Spitzen und Schwankungen in Migrationszahlen gegeben hat, sich diese aber im gesamten Niveau gar nicht so stark verändert haben.

Eins aber ist mir noch viel deutlicher geworden. Erst bei genauerer Betrachtung meiner Familiengeschichte wurde mir klar, wie viele Angehörige meiner direkten Vorfahren (unverschuldet) gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen, um in der Fremde im wahrsten Sinne des Wortes überleben zu können. Heute würde man viele von diesen aber lediglich als "Wirtschaftsflüchtlinge" titulieren (...und im Übrigen bei uns im Land erst gar nicht aufnehmen; aber das ist ein anderes Thema, und aus meiner Sicht würde es überhaupt erst an diesem Punkt "politisch" ). Hätten also diese Angehörigen nicht das Wagnis und Risiko einer Emigration aufgenommen, wären sie zusammen mit meinen Ur..Großvätern und -Müttern hierzulande verhungert, und mich würde es (zumindest in dieser Form ) gar nicht geben....

Gruß,
Michael

Stucki
Mitglied seit
31.10.2016

9 Beiträge

Nun, mit meinen Aussagen muss ich halt mit Kritik im Forum rechnen.

Die Nazis haben das Thema Ahnenforschung in Verruf gebracht und für ihre politischen Zwecke missbraucht, indem man was in die Geschichte hinein interpretierte, was es schlichtweg nicht gab.

Nachdem zum Glück in den letzten 75 Jahre die Familienforschung unpolitisch blieb, fängt man nun wieder an, heutige gesellschaftliche Veränderung mit einen Verweis auf früher zu begründen.

Ich kann große Migrationsströme, zumal aus dem nicht deutschen Sprachraum, oder multikulterelle Gemeinschaften in den Kirchenbüchern einfach nicht wiederfinden. Insbesondere in ländlichen Gebieten war der Heiratsumkreis meist überschaubar und manche Familie blieb mehrere Hundert Jahre im selben Dorf oder Region verwurzelt.

Auch meine Vorfahren sind gewandert, haben Lohn und Brot oder den Heiratspartner in der Fremde gesucht. Ich habe mich natürlich bei meinen Forschungen darüber gefreut, etwa auf "Exoten" aus Riga oder aus Böhmen zu stoßen. Ich denke, dass jeder hier im Forum Ähnliches berichten könnte.

Worüber ich mich jedoch nicht freue ist, wenn Kirchenbücher für heutige politische Ansichten (wieder) vereinnahmt werden.

vnagel2004
Mitglied seit
18.12.2014

2430 Beiträge

Zitiert von: Stucki
Nun, mit meinen Aussagen muss ich halt mit Kritik im Forum rechnen.

Nein, das müssen Sie nicht.

Nicht „mainstream“ zu sein, war nur zu keiner Zeit populär.

vnagel2004
Mitglied seit
18.12.2014

2430 Beiträge

Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Stuttgart in der Nacht zum 21. Juni 2020 sagte ein Politiker: „Stammbaumforschung ist Rassismus pur und ein Skandal, der umgehend gestoppt werden muss.“

Aus dem Zusammenhang gerissen und unreflektiert macht dies alle Archion Nutzer zu Rassisten.

.....

BerndSchulz
Mitglied seit
04.01.2016

465 Beiträge

Hallo,

Zitiert von: Stucki

Ich kann große Migrationsströme, zumal aus dem nicht deutschen Sprachraum, oder multikulterelle Gemeinschaften in den Kirchenbüchern einfach nicht wiederfinden.


warum betonst Du immer wieder den nicht deutschen Sprachraum ?
Migrant bleib Migrant egal mit welcher Sprache.
Nur mal noch so ganz nebenbei was ist mit den französischen Hugenotten ?
1670-1720 sind 40.000 bis 50.000 nach "Deutschland" übergesiedelt.
Der Knackpunkt nach Deutschland ist damals niemand übergesiedelt, Deutschland gab es damals noch garnicht.
Brandenburg-Preußen hat ca. 20.000 Hugenotten aufgenommen.
Bei ca. 1,5 Mio Einwohnern sind da ca. 20.000 Hugenotten jetzt nennenswert oder nicht ?
Mist das sind ja keine Wirtschaftsflüchtlinge, zählen Die dann überhaupt?

Als Kurpfälzer fallen mir da noch die Schweizer ein!
Die sind aber leider aus dem deutschen Sprachraum und zählen ja nicht.
Immerhin hat es die Kurpfalz nach dem 30jährigen Krieg auf einen extrem hohen Anteil an Schweizern gebracht.
So hoch das man Heute davon ausgeht das jeder Kurpfälzer schweizer Wurzeln hat.
Aber leider deutscher Sprachraum und dann auch noch angeworben, Wirtschaftsflüchtling als Alleinstellungsmerkmal für Schweizer zählt nicht!

Ok, wer den Sarkasmus findet darf Ihn behalten!

Fazit: Völkerwanderungen jeder Art hat es immer gegeben und wird es auch weiterhin geben. Sich die Bedingungen schön zu reden von wegen Sprache, Religion, Hautfarbe usw. könnt Ihr vergessen !

Grüße
Bernd

Phil59
Mitglied seit
03.09.2016

158 Beiträge

Zitiert von: Stucki
Nun, mit meinen Aussagen muss ich halt mit Kritik im Forum rechnen.

Die Frage ist immer, auf welche Weise diese Kritik präsentiert wird.

Zitiert von: Stucki
Nachdem zum Glück in den letzten 75 Jahre die Familienforschung unpolitisch blieb, fängt man nun wieder an, heutige gesellschaftliche Veränderung mit einen Verweis auf früher zu begründen.

Das ist die gute, alte "Nazi-Keule". In Deutschland beliebt seit Ende der 1960er Jahre, um als Totschlagargument jegliche unerwünschte Diskussion im Keim zu ersticken.

-Uwe