1748 - Heirat mit im Alter von 17?!

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meringei
Mitglied seit
04.07.2018

26 Beiträge

1748 - Johann Martin Kunzke und Anna Margaretha Grogorenz heiraten - Quelle: http://www.archion.de/p/eb79f74e7e/
1751 - Tochter Anna Margaretha Kunzke wird geboren - Quelle: http://www.archion.de/p/7d50b22495/
1753 - Sohn Johann Georg Kunzke wird geboren - Quelle: http://www.archion.de/p/bd3908de66/
1754 - Johann Martin Kunzke stirbt - Quelle: http://www.archion.de/p/48b7c3b6cc/
1755 - Christian Müller und Anna Margaretha Kunzke (geb. Grogorenz) heiraten - Quelle: http://www.archion.de/p/f10eaa50aa/
1775 - Tochter Anna Margaretha Kunzke heiratet unter Nennung von Vater und Stiefvater - Quelle: http://www.archion.de/p/eef3b58c15/
1780 - Sohn Johann Georg Kunzke heiratet unter Nennung von Vater und Stiefvater - Quelle: http://www.archion.de/p/121d9ddfe8/
1799 - Anna Margaretha Müller (ehem. Kunzke, geb. Grogorenz) stirbt im Alter von fast 69 Jahren lt. Sterbeeintrag - Quelle: http://www.archion.de/p/4de7f609d2/

Erst einmal wirken mir die Einträge stimmig. Was mich verwundert ist eine Heirat im Alter von ca. 17 Jahren im Jahre 1748. Ist so etwas möglich gewesen? Bisher kam mir solch' ein Alter nie unter. Ich würde behaupten, dass der Durchschnitt eher weit über 25 Jahre liegt. Oder liegt der Fehler bei mir?

Vielen Dank im Voraus.

Be
Be
Mitglied seit
16.07.2015

26 Beiträge

Hallo M.,
Heirat mit 17 ist gar kein Hinweis darauf, dass du die Falsche gefunden haben könntest. (Ich habe eine Vorfahrin, die ungefähr um die gleiche Zeit geboren ist, und die ganz sicher mit knapp 15 geheiratet hat... Verschiedene vorliegenden Dokumente lassen am Heiratsalter keine Zweifel zu.)
Viele Grüße B.

baukuthi
Mitglied seit
16.01.2015

455 Beiträge

Ja das ist nicht selten, die Leute wurden ja nicht so alt.

meringei
Mitglied seit
04.07.2018

26 Beiträge

Vor Beginn der Ahnenforschung habe ich immer gedacht, dass früher durchschnittlich in einem sehr jungen Alter geheiratet wurde. Infolgedessen war ich überrascht wie hoch das Heiratsalter bei meinen bisherigen Ahnen war. Ferner hatte ich auf Wikipedia folgende Statistik gelesen:

Periode 1700–1749
Männer 28,4
Frauen 27,7

Quelle: wikipedia.de (Erstheiratsalter für drei Dörfer 1700–1899 in Oberbayern und Schwaben)

Wenn ihr aber sagt, dass es nicht ungewöhnlich bzw. unmöglich ist, beruhigt mich das.

Vielen Dank.

Tonx
Mitglied seit
30.04.2018

146 Beiträge

Man sollte auch berücksichtigen, dass nicht Lust und Liebe den Anlass für die Heirat gaben, sondern knallharte pragmatische Erwägungen. In landwirtschaftlich geprägten Regionen durfte üblicherweise der Hoferbe nur dann und erst dann heiraten, wenn das Ehepaar, das bis dahin den Hof bewirtschaftete, sich aufs Altenteil zurückzog. Es gab ja nur einen Hof, also Platz für ein Paar, das diesen Hof führen konnte. Das junge Paar musste von da an natürlich auch die Eltern und eventuell vorhandene jüngere Geschwister etc. ernähren, bekam dafür aber Hilfe und Assistenz.

Und wenn man als Mittelwert davon ausgeht, dass das auch in der Generation davor und davor etc. auch so war, kommt man sofort auf diese Zahlen: Die Eltern sind Mitte/Ende 50 und ziehen sich zurück. Sie haben im Alter von 27 oder 28 geheiratet. und schaut man sich die Welt 28 Jahre später an, läuft alles exakt genau so ab, alle sind eben 28 Jahre älter und das neugeborene Kind des jungen Paares zwangsläufig gerade 28 ..., also im richtigen Alter, den Hof zu übernehmen.

Und sofort wird klar, warum es zu Ausnahmen kommt: Verstirbt nun die junge Ehefrau, so muss der Witwer sofort wieder heiraten, sonst gibt es Probleme bei der Führung des Hofes, denn jemand muss Kinder betreuen, Oma und Opa versorgen, Knechte und Mägde befehligen. Genauso beim Tod des Ehemannes. Versterben beide oder wird einer sehr kränklich, kommt der Hof in Schwierigkeiten. Und dann entscheiden die Nachbarn oder wer auch immer für die Waisen verantwortlich ist, dass die älteste 17jährige Tochter des verstorbenen Paares sofort heiratet und dieses Paar dann den Hof übernimmt.

Man hat sicherlich versucht, den Mann passend auszuwählen, denn die Randumstände waren ja eher ungünstig und die sehr junge Frau ohne Eltern und Erfahrung in keiner guten Position. Aber Lust, Liebe, persönliche Neigung waren da eher von untergeordneter Bedeutung. Zumindest dürfte es ein fleißiger und tüchtiger Kandidat gewesen sein, denn im Fall einer Pleite wären ja Knechte und Mägde, Omas und Opas den Nachbarn als Sozialfälle direkt ins Haus gestanden - der Staat zahlte nichts.

Zu solchen Fällen gibt es häufig spannende Akten in den Landesarchiven, man muss sie nur finden.

vnagel2004
Mitglied seit
18.12.2014

1458 Beiträge

Also 17 war die Gute ja noch nicht.

Aber unabhängig davon war dieses -wie meine Vorredner bereits zum Ausdruck gebracht haben- durchaus nicht ungewöhnlich.
Zumal dann nicht -wie in diesem Fall- wenn der Brautvater bereits verstorben war; solche "besonderen familiären Umstände" sind immer zu berücksichtigen!

Falls von Interesse:

Nov. 1743 im Alter von 41 Jahren stirbt der Brautvater, Georg Grogorenz
http://www.archion.de/p/e3dd1afdb0/

Jul. 1731 Geburt/Taufe Tochter Maria des GEORG (hier kann man den Vornamen des Vaters zweifelsfrei lesen!) Grogorenz
http://www.archion.de/p/05c0864710/

Nov. 1732 Geburt/Taufe Tochter Anna Margaretha des Georg Grogorenz - die hier infragestehende Person!!
http://www.archion.de/p/d707f3bf40/

...und wenn es dann bei ihrer Heirat heißt, die sei die "ehel. älteste Tochter des..." dann muß es korrekt heißen, daß sie zum Zeitpunkt ihrer Heirat 1748 die "älteste noch lebende Tochter" ist.

BG, Vera

Freezard
Mitglied seit
30.05.2018

194 Beiträge

Was haltet ihr hiervon:

http://www.archion.de/p/7d617baf1c/

Johannes Reich und Maria Elisabetha Lacher (ihr Geburtsname wird aus anderen Einträgen ersichtlich) waren bei ihrer Heirat am 24.11.1767 "zusammen 29 Jahr alt ..."

Hier sein Taufeintrag vom 5.12.1751:

http://www.archion.de/p/7c67b73a1c/

Sie war allerdings in der Tat auch schon 15 seit dem 22.10.1752:

http://www.archion.de/p/edf5b67d4e/

Auch 12jährige Ehefrauen sind mir schon begegnet, Durchschnittsalter muss nicht Standard bedeuten.

Gruß,
Rainer

P.S.: das erste Kind des Paares kam übrigens erst im Dezember 1769 zur Welt

meringei
Mitglied seit
04.07.2018

26 Beiträge

Besten Dank für die vielen Antworten und Informationen.

Zitiert von: vnagel2004
Falls von Interesse:

Sogar sehr. Bei der Tochter "Maria" hatte ich bereits im Verdacht, dass es sich abermals um Georg Grogorenz handelt, da es sich ähnlich "las". Aber ich war mir zu unsicher und ich wollte nun nicht jeden Verdacht in den Lesehilfebereich einstellen. Den Todeseintrag habe ich überhaupt noch nicht entdeckt - dieser hilft mir sehr, vielen Dank wieder einmal.

okhaine
Mitglied seit
16.01.2015

277 Beiträge

Zitiert von: Tonx
Man sollte auch berücksichtigen, dass nicht Lust und Liebe den Anlass für die Heirat gaben, sondern knallharte pragmatische Erwägungen. In landwirtschaftlich geprägten Regionen durfte üblicherweise der Hoferbe nur dann und erst dann heiraten, wenn das Ehepaar, das bis dahin den Hof bewirtschaftete, sich aufs Altenteil zurückzog. Es gab ja nur einen Hof, also Platz für ein Paar, das diesen Hof führen konnte. Das junge Paar musste von da an natürlich auch die Eltern und eventuell vorhandene jüngere Geschwister etc. ernähren, bekam dafür aber Hilfe und Assistenz.

Und wenn man als Mittelwert davon ausgeht, dass das auch in der Generation davor und davor etc. auch so war, kommt man sofort auf diese Zahlen: Die Eltern sind Mitte/Ende 50 und ziehen sich zurück. Sie haben im Alter von 27 oder 28 geheiratet. und schaut man sich die Welt 28 Jahre später an, läuft alles exakt genau so ab, alle sind eben 28 Jahre älter und das neugeborene Kind des jungen Paares zwangsläufig gerade 28 ..., also im richtigen Alter, den Hof zu übernehmen.

Und sofort wird klar, warum es zu Ausnahmen kommt: Verstirbt nun die junge Ehefrau, so muss der Witwer sofort wieder heiraten, sonst gibt es Probleme bei der Führung des Hofes, denn jemand muss Kinder betreuen, Oma und Opa versorgen, Knechte und Mägde befehligen. Genauso beim Tod des Ehemannes. Versterben beide oder wird einer sehr kränklich, kommt der Hof in Schwierigkeiten. Und dann entscheiden die Nachbarn oder wer auch immer für die Waisen verantwortlich ist, dass die älteste 17jährige Tochter des verstorbenen Paares sofort heiratet und dieses Paar dann den Hof übernimmt.

Man hat sicherlich versucht, den Mann passend auszuwählen, denn die Randumstände waren ja eher ungünstig und die sehr junge Frau ohne Eltern und Erfahrung in keiner guten Position. Aber Lust, Liebe, persönliche Neigung waren da eher von untergeordneter Bedeutung. Zumindest dürfte es ein fleißiger und tüchtiger Kandidat gewesen sein, denn im Fall einer Pleite wären ja Knechte und Mägde, Omas und Opas den Nachbarn als Sozialfälle direkt ins Haus gestanden - der Staat zahlte nichts.

Zu solchen Fällen gibt es häufig spannende Akten in den Landesarchiven, man muss sie nur finden.

Premium Antwort! Da wird Familiengeschichte spannend! Wenn man die Familiendokumente beisammen hat ist es spannend zu erfahren, wie es zu den einzelnen Ereignissen gekommen ist. Das ist der Grund warum ich Dorfchroniken sammele. Oder Häuserchroniken wenn verfügbar. Dann hat man bereits vieles um später Akten im Archiv einzusehen um das Bild zu komplettieren. Aufgrund des megamäßigen Aufwands würde ich persönlich das auf wenige Familien beschränken ...

Gruss, Oliver

Tonx
Mitglied seit
30.04.2018

146 Beiträge

[quote=43889Premium Antwort! Da wird Familiengeschichte spannend! Wenn man die Familiendokumente beisammen hat ist es spannend zu erfahren, wie es zu den einzelnen Ereignissen gekommen ist. Das ist der Grund warum ich Dorfchroniken sammele. Oder Häuserchroniken wenn verfügbar. Dann hat man bereits vieles um später Akten im Archiv einzusehen um das Bild zu komplettieren. Aufgrund des megamäßigen Aufwands würde ich persönlich das auf wenige Familien beschränken ...

Gruss, Oliver[/quote]

@okhaine: Danke für die Blumen!

Und ganz klar: Das kann man nicht für alle Vorfahrenzweige machen. Manchmal findet sich auch sowieso nichts an, manchmal sind die Archive zu weit weg, und insgesamt sind es zu viele Möglichkeiten. Aber die Zahl der Vorfahren nimmt mit der Forschung auch atemberaubend schnell zu, da gibt's genug Auswahl.

Und der Tipp ist natürlich richtig: Erstmal Dorfchroniken beschaffen oder zumindest ausleihen. Ich habe auch schon einige Regalbretter mit Dorfchroniken gefüllt, vor allem natürlich von den Orten der Vorfahren, neu und vor allem antiquarisch. Und wenn man da schon Hinweise sieht, schaut man sich im Archiv die ganze Akte an. Des Öfteren löst man dabei auch "Tote Punkte" auf und kommt doch wesentlich weiter als nur mit den Kirchenbüchern.

Viel Erfolg und Gruß, Tonx

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