Reitzensteins gab es ja sehr, sehr viele...
Es gehört sicher nicht zur Suchanfrage hier, aber mir kamen die teils wenig schmeichelhaften Memoiren der Markgräfin Wilhelmine, die Schwester Friedrichs des Großen, die 1731 den Erbprinzen Friedrich von Bayreuth in Berlin heiratete, in den Sinn und ich möchte dieses Zitat aus ihren Memoiren zu ihrer Ankunft im Markgraftum "spendieren" - als alter Hofer darf ich das sicher und es lockert das zähe Thema vielleicht etwas auf

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"... Endlich erreichte ich Hof, die erste Stadt auf Bayreuther Gebiet. Ich wurde unter Kanonendonner feierlich empfangen. Die Bürgerschaft in Waffen bildete bis zum Schlosse Spalier. Der Hofmarschall von Reitzenstein mit einigen Herren des Hofes und dem ganzen Adel der Umgegend erwarteten mich vor der Treppe (wenn man eine hölzerne Leiter so nennen darf) und führten mich in meine Gemächer. Herr von Reitzenstein beglückwünschte mich im Auftrag des Markgrafen zu meiner Ankunft in seinem Lande. Dann mußte ich eine lange Ansprache von seiten des Adels über mich ergehen lassen. Herr von Voigt hatte mich sehr gebeten, diesen Leuten zuvorkommend zu begegnen. Das Haus Österreich hat bekanntlich dem Adel gewisse Privilegien auf Kosten der Fürsten bewilligt; Privilegien, die ganz ungerechtfertigt sind und nur den Zweck haben, das Ansehen der Monarchen herabzudrücken. Diese haben sie infolgedessen nie anerkennen wollen; jeder reichsunmittelbare Freiherr besteht darauf, auf seinem Besitztum ebensosehr als Herrscher aufzutreten wie der Fürst, dessen Lehnsmann er ist, was zu unaufhörlichen Streitigkeiten und Reibereien Anlaß gibt. Der Adel des Vogtlandes hatte sich mit dem der andern Kreise entzweit. Der Markgraf benutzte die Gelegenheit, um diese Vorrechte ungefähr bis auf die seines übrigen Adels zu beschränken; er war aber damit noch nicht zufrieden, sondern hatte kurz vor meiner Verheiratung getrachtet, den Bevorzugten auch noch die wenigen Privilegien zu nehmen, die er ihnen gelassen hatte. Diese Herren ließen es sich nicht gefallen und empörten sich, so daß es zu einem unheilvollen Aufstand gekommen wäre, hätte man die Gemüter nicht beruhigt. Herr von Voigt, der aus einem vornehmen, reichsunmittelbaren Hause eines andern Kreises stammte und keinen Grundbesitz in der Markgrafschaft hatte, machte dem Fürsten begreiflich, daß man die Leute auf gütlichem Wege und mittels Höflichkeiten wiedergewinnen müsse. Sie waren alle von edlem Geschlecht und manche sehr reich. Daraus konnte man wohl schließen, daß sie entsprechende Manieren hatten – wie sehr fand ich mich aber enttäuscht! Ich sah deren ungefähr dreißig, wovon die meisten Reitzenstein hießen. Sie sahen alle aus wie der Knecht Ruprecht; statt der Perücken ließen sie ihre Haare tief ins Gesicht hinein fallen, und Läuse von ebenso alter Herkunft wie sie selbst hatten in diesen Strähnen seit undenklichen Zeiten ihren Wohnsitz aufgeschlagen; ihre sonderbaren Figuren waren mit Gewändern behangen, deren Alter hinter dem der Läuse nicht zurückstand. Es waren Erbstücke ihrer Ahnen und vom Vater auf den Sohn übergegangen; die meisten waren dem Maß ihrer Ahnen zugeschnitten worden, und das Gold war so abgenutzt, daß man es nicht mehr erkennen konnte; dennoch waren dies ihre Galakleider, und sie dünkten sich in diesen antiken Lumpen zum mindesten ebenso imposant wie der Kaiser in der Tracht Karls des Großen. Ihre groben Manieren standen mit ihrem Äußeren vollkommen im Einklang; man hätte sie für Bauernlümmel halten können. Zum Übermaß waren die meisten auch noch dazu krätzig. Ich hatte große Mühe, ihnen nicht ins Gesicht zu lachen. Es war noch nicht alles..." (s. auch hier:
https://projekt-gutenberg.org/autho...rkgraefin-wilhelmine-von-bayreuth/chapter/14/).