Fundstücke (makabres, trauriges, erheiterndes)

Georg Philipp Knorr, seit 26. Juni 1707 bis zu seinem Tod am 7. Oktober 1727 Pfarrer von Ossenheim, zu dem das Filial Fauerbach (bei Friedberg in Hessen) gehörte, staunte offenbar nicht schlecht über diesen extrem seltenen Fall einer sogenannten „übertragenen“ Schwangerschaft:

Den 7. ten Februarij [1723] lassen Johann Holler und
seine ehl. Hausfrau Sÿbilla ein junges Söhnlein
tauffen, heist Johannes, der Tauff Zeug war
Johannes Orth, von Fauerbach, notable war hier-
beÿ, das die mutter ... den elfften monath schwanger
gewessen, wobeÿ noch diesses setze, das ich nun 30 Jahr
im ampt gestandten, aber niemals ein schwerer
Kind getaufft, auch kein solches Casum erlebet, ...
es war das erste Kind, w. haben bemeldet ehlich 7
Jahr ohne Kinder gelebet.

 
Hier hat der Pastor Blume bei seinem Tod 25.12.1806 "ein gesegnetes Andenken erworben".
Mindestens 1830 sieht sich der Pastor Francke zu einer Korrektur dessen veranlaßt:
!!!!
Eine sehr!!
unverschämte
Lüge. Nach Angabe
des Küsters Schulze
in Weteritz mußte
die Gemeinde in Wernitz
auf das h(eilige) Ab(en)dm(ahl) warten,
während Blume im
Kruge zu Solpke mit
Kartenspiel u(nd) Trunk
hängen blieb. Ist überhaupt
ein
ziemlicher
Trunkenbold
gewesen.
Francke, P(astor)
 
Vatermord an der Weser:


6 Jo Herm Kock, welcher von
seinem Sohn Jo Henr. Kock mit
gift, so er in Milch gethan und der
Vater und Bruder darvon gegeßen,
vergeben und Zwar d. 6 Febr.
gestorben d. 15 Febr. begraben
d. 16 Febr. alles1777 alt 54 Jahre
3 Monahte, deßen Frau, nun eine
betrübte Witwe heißet Gret. Lisab.
Banten mit welcher er 33 Jahre
eine friedl. Ehe geführet und
10 Kinder geZeuget unter welchen
oben angeführter Sohn und vier
bereits gestorbene Kinder.
 
Und hier nahm auch schon der obgemeldte Vatermörder sein seliges Ende:


19 ist der Delinquente Jo Hinrich
Kock aus Ottenstein gerichtet und
von mir, meinem Sohn Pastore
zu Hastenbeck auch Pastore Tappen
in Hohe im gleichen Past. Körbern
zu Hehlen Zum Gerichte geführet
d 14 April alt 24 Jahre 6 Monahte
weniger 14 Tage. wenn man
nach seinem äußerl. Bezeigen ur-
theilen kan: so hat er ein recht
seel. Ende genommen, wie er
denn von mir über ein Jahr
unter Gottes Beystandt dazu be-
reitet worden und gott die Arbeit ge-
seegnet hat. Gott sey dafür gelobt.
 
https://www.archion.de/p/704c9785c5/
Unglücksfall durch Ertrinken


10) am 10ten Febr. Vormittage 10 Uhr mußte nach der Regierung des Unerforschlichen Fr. Maria Magdalena Schwarzin, Johann Gottfried Schwarzens Grenadier unter dem Hochgräfl. Reußsch. Reichscontingent, wie auch Einwohner in Töppeln Ehefrau auf dem langen Stege zu Milbitz durch einen Wirbelwind in Schwindel gerathen ihr Leben, welches 48 Jahre gewährt hatte, in der Elster endigen. Sie sank in die Tiefe, und die Fluthen bedekkten sie - noch einmal blikkte sie über dem Wasser hervor - sahe iammervoll nach ihrer ältesten Tocher, die sie in Dienste einführen wollte, und ward die Thränen gewahr, die schon um sie flossen - sie sank wieder indem sie noch ihre aufgehobenen Hände nach ihrem Erlöser ausstreckte - u. dann sah sie das Licht nicht mehr - die Wasserwogen überwältigten ihre erschöpften Kräfte und bedekkten sie - ihre Tochter schrie, und rief: o Wasser, o Abgrund, gib mir deinen Raub wieder! meine Mutter! Nach einigen Tagen fand man bey dem Langenberger Wehr ihren erstarrten Körper, der sogleich auf erhaltene gnädigste Resolution den 13ten dieses zu den Ihrigen gelangte; derselbe wurde am 15ten darauf unter volkreicher Begleitung mit Colleckte u. Segen zur Grabesruhe gebracht. 822 Ich weiß 750. Warum sollt ich mich grämen?
 
Allerdings Andreas!
Ich habe auch einen Verwandten, der durch einen Unfall ums Leben kam, allerdings im Wald, nicht im Wasser. Das tägliche Leben war doch - bis auf das Autofahren - damals wohl gefährlicher.

Sterbeeintrag in Mörfelden, luth.
1738 Nr.24: den 28.(Aug.)Donnerstags morg. 7 Uhr starb u. ward den 30. begraben Herr Jacques Gaydoul gewesener Gemeindsmann, Strumpfweber u. Krämer allhier, Welcher in dem Wald, durch G(öttliches?) Verhängen da Er in dem Holtzmachen begriffen gewesen, mit einem abgehaun Ast vom Baum gefallen, welcher Ast ihn dermaaß hart getroffen, daß er sein Leben elendigl. plötzl. u. erbärml. enden muß, AET (= aetatis = Alter) 41 ann 6m 9 d.
 
https://www.archion.de/p/704c9785c5/
Unglücksfall durch Ertrinken


10) am 10ten Febr. Vormittage 10 Uhr mußte nach der Regierung des Unerforschlichen Fr. Maria Magdalena Schwarzin, Johann Gottfried Schwarzens Grenadier unter dem Hochgräfl. Reußsch. Reichscontingent, wie auch Einwohner in Töppeln Ehefrau auf dem langen Stege zu Milbitz durch einen Wirbelwind in Schwindel gerathen ihr Leben, welches 48 Jahre gewährt hatte, in der Elster endigen. Sie sank in die Tiefe, und die Fluthen bedekkten sie - noch einmal blikkte sie über dem Wasser hervor - sahe iammervoll nach ihrer ältesten Tocher, die sie in Dienste einführen wollte, und ward die Thränen gewahr, die schon um sie flossen - sie sank wieder indem sie noch ihre aufgehobenen Hände nach ihrem Erlöser ausstreckte - u. dann sah sie das Licht nicht mehr - die Wasserwogen überwältigten ihre erschöpften Kräfte und bedekkten sie - ihre Tochter schrie, und rief: o Wasser, o Abgrund, gib mir deinen Raub wieder! meine Mutter! Nach einigen Tagen fand man bey dem Langenberger Wehr ihren erstarrten Körper, der sogleich auf erhaltene gnädigste Resolution den 13ten dieses zu den Ihrigen gelangte; derselbe wurde am 15ten darauf unter volkreicher Begleitung mit Colleckte u. Segen zur Grabesruhe gebracht. 822 Ich weiß 750. Warum sollt ich mich grämen?
Also: wenn meine Mutter ins Wasser fällt, wäre "o Wasser, o Abgrund...." das letzte was mir einfallen würde!
Was wohl die Zahlen bedeuten mögen? Kirchenlieder-Nummern? "Warum sollt ich mich denn grämen" ist ein Choral nach einem Text von Paul Gerhard.

Einer meiner Vorfahren, ein Gutsbesitzer ertrank auch, da steht aber ganz prosaisch "ertrank am Elbuferbau bey Tauschwitz und ward am 10 April 1808 bey Torgau gefunden ist am 28 Oktober nachm. 4 Uhr gestorben". Mein Vater war immer der Meinung, dass da vielleicht jemand mit der Schaufel etwas nachgeholfen haben könnte.....
 
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