Fundstücke (makabres, trauriges, erheiterndes)

https://www.archion.de/p/704c9785c5/
Unglücksfall durch Ertrinken


10) am 10ten Febr. Vormittage 10 Uhr mußte nach der Regierung des Unerforschlichen Fr. Maria Magdalena Schwarzin, Johann Gottfried Schwarzens Grenadier unter dem Hochgräfl. Reußsch. Reichscontingent, wie auch Einwohner in Töppeln Ehefrau auf dem langen Stege zu Milbitz durch einen Wirbelwind in Schwindel gerathen ihr Leben, welches 48 Jahre gewährt hatte, in der Elster endigen. Sie sank in die Tiefe, und die Fluthen bedekkten sie - noch einmal blikkte sie über dem Wasser hervor - sahe iammervoll nach ihrer ältesten Tocher, die sie in Dienste einführen wollte, und ward die Thränen gewahr, die schon um sie flossen - sie sank wieder indem sie noch ihre aufgehobenen Hände nach ihrem Erlöser ausstreckte - u. dann sah sie das Licht nicht mehr - die Wasserwogen überwältigten ihre erschöpften Kräfte und bedekkten sie - ihre Tochter schrie, und rief: o Wasser, o Abgrund, gib mir deinen Raub wieder! meine Mutter! Nach einigen Tagen fand man bey dem Langenberger Wehr ihren erstarrten Körper, der sogleich auf erhaltene gnädigste Resolution den 13ten dieses zu den Ihrigen gelangte; derselbe wurde am 15ten darauf unter volkreicher Begleitung mit Colleckte u. Segen zur Grabesruhe gebracht. 822 Ich weiß 750. Warum sollt ich mich grämen?

Die Stelle ab: "Sie sank in die Tiefen..."
hat der Kirchenbuchschreiber wörtlich (mit Anpassungen) entnommen aus "Unterricht und Trost bey dem Absterben naher Anverwandten in einer Sammlung von Amtsreden bey Leichenbegängnissen von verschiedenen Verfassern", Züllichau, 1774.
Darin die "Gedächtnispredigt bei der Beerdigung einer unvergeßlichen Tochter, die ihr Leben im Wasser geendigt hatte". Die besagte Stelle ist zu finden auf Seite 23.
"Sie erreichte hier diese Absicht, ihre Gefährtinnen gerettet zu sehn, mit Aufopferung ihres eignen Lebens. Sie sank in die Tiefe, und die Fluthen bedeckten sie - noch einmal blickte sie über dem Wasser hervor - sahe jammervoll nach ihren geretteten Gespielinnen, und ward die Thränen gewahr, die schon um sie flossen - sie sank wieder, indem sie noch ihre aufgehobenen Hände nach ihrem Erretter ausstreckte und dann sahe sie das Licht nicht mehr - die Wasserwogen überwältigten ihre erschöpften Kräfte und bedeckten sie - o Wasser, o Abgrund gieb uns deinen Raub wieder!"
 
Die Taufe eines "türkischen Knaben". Vielleicht ein Hinweis auf Sklaverei? Wer fängt 5-6jährigen Kinder....


Selmsdorf, Taufen 1687:
d. 10 Marty wurde alhier ein türkischer Kanbe von ohngefehr 5 oder 6 Jahren, welchen mein Bruder Juliuß Heinrich Claeschen Capitain über eine Compagnie Dragoner unter der Chur-Bayrischen Armee aus Ungarn mit anhier gebracht, Undt bey Eroberung der Stadt Ofen gefangen undt erhalten ward, mit christlichen ceremonien getaufft; Und in der h. Tauffe Salomo Gottlieb genannt. Seine Pathen waren .....
 

Strenge Sitten in Selmsdorf 1646:

den 19 Junij ward Jacob Stehr von Drögen Leuwen ob polygamiam simultanam zu Petersberge mit dem Schwerdt gerichtet, und von dar nach Selmstorf uff dem Kirchhoff mit Consens eines _____ Dohm Capitel ohne Gleute begraben, dem ich nebest dem Herrn Pastor zum Schönbergs mit Trost und Unterricht bis an seinem Ende bey gewohnet., welches er dann woll und seliglich beschlossen.

Seliglich beschlossen auf dem Richtplatz, da habe ich so meine Zweifel .....
 
https://www.archion.de/p/86d433e737/

Hallo, weder über die Taufen noch über die Sterbeeinträge eine Zuordnung der Gesuchten möglich soweit ich es gelesen habe. Gruß RAiner
@ Schleuse: Danke, für die Mühe, ich war gar nicht auf der Suche- dies war lediglich ein Beitrag unter der Rubrik "Erheiterndes".

ich meine zwei unterschiedliche Schriften zu erkennen. Der Eigentliche Eintrag und erst später wurden von einem Leser/Benutzer mit anderer Schrift und kleiner geschrieben die beiden Fragen eingefügt.
@ letteetter: ich hatte gar nicht damit gerechnet noch die Komik dahinter erklären zu müssen: aber ja genau, darin liegt sie: dass ein Amtsnachfolger oder Forscher vermutlich mehrere Jahrzehnte nach dem Originaleintrag noch eine Frage an den Schreiber stellt, wohlwissend keine Antwort mehr zu erhalten. Immerhin, sein Ärgerniss, oder seine Frust haben mir gestern ein herzlichen Lachen geschenkt.
 
Hallo,
es war mir klar worum es geht. Aber solche "Dinge" reizen mich.
Die "Schreiber" haben nur manchmal zum Namen der Frau den Mann genannt. Sonst Frau von Michael oder Magdalena Neumeister.
Schade, in anderen Kb werden ganze Familiengeschichten geschrieben.
Damit müssen wir leben, Gruß und ein schönen sonnigen Tag, Rainer
 
Ich habe schon vor Jahren angefangen eine gut 50 Jahre Tauf-Lücke mit Angaben aus Heirats- und Sterbeeinträgen zu rekonstruieren. Gute 250 Personen habe ich da jetzt erfaßt und es kommen immer wieder welche dazu und natürlich einige können trotzdem am anderen Ort geboren sein.
Und heute fand ich dann eine Küsters Tochter aus diesem Ort die bei ihren Großeltern verstarb, natürlich ohne weitere Namen. Zu dem Küster hatte ich noch nichts und so hatte ich nach dem Beruf Küster gefiltert und fand tatsächlich einen anderen(den 2. Mann) und dessen Frau paßte tatsächlich zu dem Ort der Großeltern. Und so ergibt sich nach und nach ein Bild über die Familien im Ort, und man sucht nicht ständig nach passenden Einträgen und kann trotzdem so manchen Pateneintrag verstehen.
Wer Puzzle-Teile zusammenfügen will, muß sie sortieren und festhalten und sie nicht ständig in den Karton zurückwerfen und vor lauter Frust schütteln.
 
Hallo,
ich nutze für mich und "solche" Probleme Excel. Aber wenn Lücken im Kb sind ist es halt nicht immer möglich.
Und durch das "Suchen" hier auch für "Andere" hoffe ich auch auf Zufallsfunde, die ich schon hatte.
In meinem "Fall" suche ich eine Taufe: Susanne Margarethe Demme (Temme usw) Mühlhausen Gut Weidensee.
Drei mal geheiratet, gestern habe ich endlich die mittlere Hochzeit gefunden. Leider aber nicht die Taufe.
Schütteln hilft nicht, einfach weiter machen und suchen, Gruß Rainer
 
Ausführlicher Geburtseintrag zu einer Fehlgeburt/Missgeburt im Jahr 1696.
Ich bin leider nicht fitt genug im "Übersetzen" um ausreichend genau hier niederschreiben zu können, daher hier nur der Permalink. Ich habe einen ähnlichen Bericht bislang noch nie gefunden, daher dachte ich, er ist es wert, zumindest hier festgehalten zu werden.

 
Den 6. April. hat Anna Catharina, Friedrich Dachsers Weib, ein monstroses
Mägdlen tod gebohren, mit großen ungestalten augen, ohne stirn
und Hirnschahl, fast einem Katzenkopf nicht unähnlich, oben auf
dem Kopf war ein fleischern Dekhe, mit grünem Blutt unter schoßen
so gleich nach der geburtt einer Hand hoch erhöhet gewesen, hernach
aber sich gesetzt. Die Mutter gibt vor, seÿe an hiesigem Jahr-
markt, an eines Markt schreÿers Dokhen sPiel, der allerleÿ
posturen præsentirt, erschrokhen. sonsten haben dise Eltern,
die mehrste Zeit, ihres Ehestands, in Hader und Zankh gelebt
daß die Obrigkeit ihret halben Viel ungelegenheit gehabt, und
alle Gradus, geltt und Thurn* straff, auch die Suspension
â S. coena mit Ihnen vor genom̅en, wie das Kirchen
Convents Protocoll bezeuget.

*=Turm
 
PS: ...und nach dem armen Schumacher kommt gleich auch noch der Müller "unters Rad":
"den 9. May ist der Müller Jacob zu Stuttgarten geredert worden".
 
Jetzt wissen wir auch, was Jacob Müller verbrochen hat. Auf der Seite gegenüber lesen wir:

"Den 17. Marty hatt Jacob Müller von Magstat Burger
und Burgermeister zu Warmbron mit hilff seiner Magd
die er geschwengert und zu der Ehe genomen...
sein ehelige Hausfraw ermordet"

 
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