Fundstücke (makabres, trauriges, erheiterndes)

G_Brose
Mitglied seit
12.08.2016

126 Beiträge

Hallo Frank,

ein auf dem Kopf stehender Eintrag fällt beim Durchblättern sicher mehr auf als ein bösees Schimpfwort. Man kann da wohl drüber streiten,was wohl schlimmer ist.

Viele Grüße,

Gerhard

BerndSchulz
Mitglied seit
04.01.2016

513 Beiträge

Hallo,

Zitiert von: G_Brose
Hallo Frank,

ein auf dem Kopf stehender Eintrag fällt beim Durchblättern sicher mehr auf als ein bösees Schimpfwort. Man kann da wohl drüber streiten,was wohl schlimmer ist.

Viele Grüße,

Gerhard


man braucht über garnichts streiten.
Denken wir mal kurz etwas nach, wer hat zur damaligen Zeit überhaupt das Kirchenbuch zu sehen bekommen?
In der Regel nur der Pfarrer und seine Nachfolger!

Grüße
Bernd

msiegle
Mitglied seit
10.01.2015

1356 Beiträge

Klopfen ? - Geräusche aus dem Sarg !!
(Eine Beerdigung in Grötzingen, Württember, 1712)
http://www.archion.de/p/7a14aaaea2/

1712
Den 23. Octobr(is) sep(ulta) Anna Catharina, Stoffel Waltzens ux(or) allt 41. Jahr.

NB. Allen Successorib(us) würd zu einer Nachricht dises hinterlassen, was sich
beÿ dem Begräbnis dieser Anna Cath. zugetragen hatt namlich. Da ist die
Leichpredigt abgelegt und ich der Parentatiae cathedralis M. J. P. bereits von
der Cantzel abgetretten war, kommt der praetor loci in die Sacristey, und
referirt, der Todtengräber sag ihm, man höre ein Klopfen im Sarg.
Ich und der Praetor gingen alsgleich hinaus, und hörten in dem grab zweÿ
Mahl etwas sich regen, konten aber nit unterscheiden, was es wär, noch
auch erkennen, das es eigentlich geklopft seÿ. Wir wurden schlüssig,
es zu berichten, und indessen iemand zum grab hin zustellen, des rechtun (?)
der Viduus, und referirte, das es wider gar starck geklopfet habe, mit
dem Zusatz, man soll ihr das Grab eröffnen lassen, das er ruhig sey,
onerachtet meu expresse ihm nichts determinates befohlen war, so
trib ihn doch die Liebe und Hoffnung, als lebte sein Weib wider, das
er öffnen ließ. Da sichs dann gefunden, das die bahr im oberen
Deckel etliche grosse Spällt so hatte, das man mit einem Finger hinein langen
und den eingewickelten todten sehen und fühlen konnte. Wie nun auf
solche weiß offenbahr war, was das vermeinte Klopfen verursacht, und
das es eigentlich nur ein Krachen der gesprungenen Britter seye: Als
konnte man doch nit wissen, obs der auffligende last gemacht, oder,
ob die bahr nit grad gelegen seÿ. Das glaublichste wollte sein, der
Schreiner möchte die bahr zum fleissigsten nit gemacht haben, in
dem die Seitenbritter schienen gewichen zu sein, und der Deckel dann von
deren auffligenden Last habe spallten und krachen müssen. Tantum.

msiegle
Mitglied seit
10.01.2015

1356 Beiträge

Im Wald von einem wilden Schwein verletzt worden, und in den Armen seines Vaters verblutet
http://www.archion.de/p/dc5cd7a51b/

Anno 1698
....
d.22 hujius (Januar)
Joh: Friderich, Jo: Conrad Schwarzen, Hochadenl. Holtzischen Jägers
zu Albstetten (?) und Barbara Sohn, der als Jäger bey H(errn) Frid: Wolffen Von
Caltenthal, und dermahligen Vorst.Meistern auf dem Reichenberg in Diensten
gewesen, ist in dem Wald Von einem wilden Schwein gehauen worden, daß er
sich verbluten, und gleich darauff seinen Geist in den Ärmen seines liebl.
Vatters, der eben zu solcher Zeitt mit ihme seinem Sohn in den Wald gegangen,
aufgeben müßen. Und den 23 darauf ehrlich begraben worden. AEt(atis) 23 Jahr

Franz_Ridler
Mitglied seit
03.04.2015

2320 Beiträge

Psyche einer Kindsmörderin 1757

Gestorf, 3.7.1757: http://www.archion.de/p/b2f9c05f8b/

"Eodem ist des abends stille beygesetzt
des hiesigen Rade-Macher Hennie
Meyer und Anne Engel Wrehden ehe(licher)
Sohn Conrad Daniel, da deßen eben
gemeldete leibliche, im vorhergehen-
dem gantzen Leben christliche, from-
me und tugendhaffte, aber mit
Schwehr-Muht beladene Mutter,
in den traurign Augen-Blicken
einer wüthenden Melancolie,
mit dem breiten Beile, deßen
die Rade-Macher sich bedienen,
demselben in 4 Streichen das
Haupt, am 1ten Julius des Morgens
etwa um 10 Uhr abgeschlagen.
Gott erbarme Sich um Christi
Jesu willen der Mutter.
NB Dies Kind hat sein Alter
gebracht auf 3 Jahr 2 Monaht Eine
Woche und 2 tage."

msiegle
Mitglied seit
10.01.2015

1356 Beiträge

Friedhof nach tödlich verunglücktem Bernhart benannt (1610)

Schicksal und doppelte "Ehre":
- Unglücklich durch Steinsäule erschlagen worden
- Der erste, der auf dem neuen Friedhof begraben wurde
- Der Friedhof wird nach "ihm" benannt (bzw. dem gleichnamigen Heiligen ?)

Endersbach, 1610 - http://www.archion.de/p/78df7d8294/

NB. Den 12. Aprilis, starb Bernhart Mager, man hat ihne den
Säu-bernhart genannt, ist in des Schmids hof ain stainins
brunnensaul auf ihne gefallen, dass er sterben müessen.
er ist der erst gewesen, der auf den neuen Kirchhof be-
graben oder gelegt worden. Daher heist er: Zu Sanct Bernhart.

Franz_Ridler
Mitglied seit
03.04.2015

2320 Beiträge

"Früher war weniger Ökumene"
Zu Taufe Coburg 7.1.1685: http://www.archion.de/p/3257bec2c2/.

"NB. Hierbey ist zugedencken, daß zwar ein Papistischer
Soldat vom Adel, vom Steinberg genannt, bey hie-
siger Soldatesca, zu Gev(atterschafft) gebetten, aber Ihme vor dem
Kirchgang Kund gethan worden, daß Er, weil es hier gar nicht gebräuchlich, leute frembder Re-
ligion zur Gevatterschafft zu(zu)laßen, sich der Gevatter-
schafft enthalten sollte; Er ist aber der Verwarnung
nicht nachkommen, sondern hat sich bey der Tauffe prae-
sentiret, und nach langer Wort-wechßlung endlich ab-
und beyseiten getretten, und an dessen statt, Hannß
Heinrich Daumler die Stelle vertretten.
Nach deme aber unsrem Gnädigstem Herrn von dem H(err)n
General-Superintendenten dießer Trotz vorgebracht
worden, und wie Er eben alßo in der Superintendentur sich
mit ungeziemenden Reden wieder unsere Religion her-
außgelaßen, Alß ist obgedachter Soldat eine Zeitlang
deßwegen in arrest geleget worden, und hernacher
etliche Stunden auf den Esel gesetztet.

okhaine
Mitglied seit
16.01.2015

329 Beiträge

Kindermörderin Arnoldin zu Marburg

Bekomme es nicht vollständig transkribiert.
Hier der Link.

Gruß, Oliver

Daniel1959
Mitglied seit
29.04.2021

585 Beiträge

Brieckhausen(?) den 25 ten Julii legte nach der Predigt an Jacobitag Kirchen-
buß ab ob prematneum concubitum (vermutlich: Sex vor der Ehe), Anna Elisabeth, Johannes
Nolls Ehefrau, weilen sie da ihr Mann wegen der Kinder=
möderin Arnoldin zu Marburg gefangen sitzt(?) auf dessen
Kirchenbuse, welche sie sonst | in Ko... matrinonii(?) | zu
gleich thun sollen, nicht warten wollen.

Daniel1959
Mitglied seit
29.04.2021

585 Beiträge

Korrektur und Ergänzung:

Brieckhausen(?) den 25 ten Julii legte nach der Predigt an Jacobitag Kirchen-
buße ab ob prematneum concubitum (Lateinisch, vermutlich: Sex vor der Ehe), Anna Elisabeth, Johannes
Nolls Ehefrau, weilen sie da ihr Mann wegen der Kinder=
rderin Arnoldin zu Marburg gefangen sitzt(?) auf dessen
Kirchenbuße, welche sie sonst | in horoaem(?) matrinonii(?) (Lateinisch, vermutlich: in der Stunde der Hochzeit) | zu
gleich thun sollen, nicht warten wollen.