Fundstücke (makabres, trauriges, erheiterndes)

Nicht so makaber wie die vorherigen Einträge, aber ein klarer Hinweis auf ein kleines Familiendrama: Am 7. Dezember 1851 heiratet Johann Friedrich Wilhelm Müller. "Die Eltern haben mit Betrübniß eingewilligt" Die Brauteltern hingegen hatten wohl keine Einwände und haben persönlich eingewilligt.
 
Pastoren-Mobbing

Ich habe mich gefragt, warum zwischendrin einige Texte so schwer zu verstehen sind, um letztendlich zum Ergebnis zu kommen das es 2 Lesarten gibt und hier jemand das Textverständnis ändern wollte. Hier 2 Beispiele die am Ende dazu führten das der Pastor Johann Jacob Bufe 1731 nach Klein Beuster versetzt wurde.

Ins diesens Jahres sind entsetzliches Dünges
in mir vorgekommen wörden aufs Austifften
des göttlösen Ben..? und landerers meiners
öffenbähres Feindens Ins ders Fasten kämmen die,,
selbig(en) bey der Nacht(en) vors unserern Wöhns Stubens
feüster miht gebadenen Gewöhres aus zu beunfru,,
higen. Ein Soldates Nahmens Wütteners? Würdes
wieders micht aufgebiegelts. Und diesern attaquirtes
auch, nach gehaltener Fastes-Predicht aufs der Sträßen
mit globen Insoriens und drauffe, mich garstig
schlagen.

Bereinigt:
In diesen Jahre sind entsetzliche Dinge
an mir vorgenommen worden, auf Anstifften
des gottlosen Ben..? und anderer meiner
offenbahren Feinden. In der Fasten kamen die,,
selben bey der Nacht vor unserer Wohn Stuben
Fenster mit geladenen Gewehre uns zu beunru,,
higen. Ein Soldat Nahmens …? Wurde
wieder mich aufgewiegelt. Und dieser attaquirte
mich, nach gehaltener Fasten-Predigt auf der Straßen
mit groben Insurien und dräute, mich gar zu?
schlagen.


NB Ilseben dein heil(igen) Closters Fester wärens mirs
7 Brocsamations-Fettel auf dem Gebeth,,
buchs auf der Lantzel liegends weggekommen
wermuthlichens der Absichtes ich solte ins alte?
etwas vergößen, , darüf man lendlich nur ei,,
nes Ursache zu klingen wieder mich führten könte.
Sie stellets man mir nach, aber auch dieses
mahl vergebens das geschies ! ach mein bruch
ach mein

Bereinigt
NB .. eben dem heil(igen) Oster Feste waren mir
7 Proclamations-Zettel aus dem Gebeth,,
buche auf der Cantzel liegend weggekommen
vermuthlich aus der Absicht, ich solte im Amte
etwas vergeßen, damit man endlich nur ei,,
ne Ursache zu klagen wider mich führen könte.
So stellete man mir nach, aber auch dieses
mahl vergebens
 
Hätte sicherlich auch bei Zufallsfunde einen Platz gehabt. Erstaunlich das die Sache auch den Ehemann innerhalb von 2 Monaten erreichte.
Maria Dorothea Müller *3.1.1772 +6.1.1772
Und ihre Mutter Maria Dorothea Schultze +12.1.1772 aus Bleke? im Lüneburgischen als angebliche Frau des Christian Rudolph Müller gebürtig aus Halle. Den Ort Bleke habe ich derzeit keine Ahnung, bei Heirat 1769 mit Johann Gottfried Standhafft hieß sie zudem Chrysau(en).

Rechts dazu die Anmerkungen:
Das Kind ist in Im(me),,
kath gebohren und
getauft. Es hat
gar nicht gesogen
und mithin muß
es verschmachtet
seyn. Die Mutter
ist am 3ten Tage
nach ihrer Ent,,
bindung in der
Kälte von der
Im(me)kat(h)schen Gemeine
nach Nesenitz
gefahren; da den(n)
vermuthlich das
den Flunus? San-
guinis von
der Erkältung
sich gesetzet.

ad num(ero) 2. Nes(enitz)
Ein Mann aus Böh,,
menzien hat in Ne,,
senitz erzehlet, daß
der Müller u(nd) die
defuncta Maria
Dorothea Schultzen
sich alda aufge,,
halten, und daß
derselbe nicht ihr
Ehemann gewe,,
sen, vielmehr daß
sie noch 2 Män,,
ner am Leben
habe, mit welchen
sie wirklich co,,
puliret worden.
Der Schweinhirte aus
Scheplitz (Johann Gottfried)
Standhaft holete am
11 Mart(ius) 1772 einen
Todtenschein wegen
Maria Dorothea
Schulzen, mit
der Anzeige, daß
verte
er ihn nöthig habe, weil
er nach ihrem als seiner
Frauen, mit der er zu
Thüriz von H(errn) Pastore
Heinzelmann copuliret
worden, erfolgten Tode
wieder heirathen wolle.
Sie sey von ihm ent,,
laufen, und habe sich
an den Christ. Rudolph
Müller gehänget.
Diese Person ist vorher
schon kranck gewesen u(nd)
hat vermuth(lich) das Fleck,,
fieber gehabt.
 
So könnten die Legenden von verlorenen Gütern bei Kartenspiel und Suff entstanden sein.

Dieser hat vor 2 Jahren
im Kruge beym Chartenspiel
des ledige Krug hinter
sich zurückgehalten und
weil die Wirthin es noch
nicht angefaßet, ihn
fallen laßen. Weil er
nun den Krug bezahlen
sollen: so hat er sich ge,,
aergert, und auf den
aerger ein Krug Bier nach
dem andern ausgetruncken.
Daher endlich die Schwindsucht entstanden.
 
Ein "Hirte" und seine Schäfchen, die eine im besten Stande und die anderen stur und bockig.
Nur auszugsweise, es geht über mehrere Seiten(Bild 16-20):

"... muß ich bemerken, daß ich allhier viele bittere Wiederwärtigkei,,
ten erfahren habe, unter andern auch dis, daß bey der leider ent,,
standenen Feuersbrunst auf der Pfarre die ersten Bauersleute von
den benachbarten Dörfern, die zur Hülfe und Rettung herbeyge,,
eilet waren, von einigen hiesigen Gemeinglieder, wo nicht von allen
von der Hülfe und Rettung abgehalten und sogar verwiesen wur,,
den :/ da ich meine kranke Frau von Feuer wegbrachte habe ich selbst
einige auf den Kirchhof gesehen, die blos zu sahen und nichts an,,
rührten : daher kam es auch, daß ich meine schöne Heerde Schaafe von
45 Stück, die ich allein mit unbeschreibliche Mühe aus dem Stalle
gebracht und in Garten in Sicherheit gebracht zu sehen glaubte,
doch alle jämerlich verbrandt sind, weil sie Niemand von Feuer
abgehalten ..."
 
Diddl gab es wirklich!


d 7 januarij
Mr. johann Frantz Dorian Br: v: leinen-
weber in der Neustatt Mr. jacob Dorians
auch Br: u: Leinenweber Ehelicher sohn in
der Neustatt hat mit fr: Elisabetha Weÿl.
johann Martin Carle Diddel gewesenen
Br: v: Bortzelan Becker in der Neustatt
hinterlassene wittib hochzeit gehalten
 
Meiner Meinung nach ist das "v:" ein "u:". So wie darüber bei Br. u: Leinenweber. Demnach müsste der Mann ein "Porzellanbäcker" sein. Siehe dazu
https://de.wikipedia.org/wiki/Hanauer_Fayencemanufaktur "Am 1. März 1661 reichten zwei in Frankfurt am Main ansässige niederländische, verschwägerte Kaufleute, Daniel Behagel und Jacobus van der Walle beim Rat der Neustadt Hanau das Gesuch um die Erlaubnis ein, eine „Porzelain-Backerey“ errichten zu dürfen,"
Der Mann war 1698 beim Tod seiner Frau https://www.archion.de/de/viewer/churchRegister/285723?cHash=b03b1cedafdcc22bde2da3f5cad5c81b
Taglöhner in Hanau, sein Name ist hier DITTEL. Davon ist DIDDEL eine dialektale Form. Ich denke, heute ist das dem FN DIETEL/DIEDEL gleichzusetzen.
 
Brand in einer Mühle mit Todesopfer 1762
Dekanat Neuenstadt am Kocher, Kochersteinsfeld, Mischbuch 1672-1782 Band 2, p. 90, Tote anno 1762 - https://www.archion.de/p/aed85d19ef/
(die folgende Transkription ist von mehreren WikiTree Usern gemeinsam erarbeitet worden)
d[en] 5. Apr[il] Montags um Mitternachs [sic!] entstunde in der allhiesigen Kocher-Mühle
eine Feuersbrunst, welche in einer Zeit von 2 Stunden die ganse [sic!] Mühle
zu grunde richtete. Des jungen Kocher-Müllers Georg Leonhard Som-
mers Ehefrau Maria Magdalena, eine gebohrne Wiedenmajerin
von Nordheim, wagte sich aller Errinnerung ohngeachtet noch einmahl
in die Wohnstuben u[nd] das darinn befindl[iche] Cabinet zu gehen, da schon
alles bereits mit Rauch u[nd] Dampf erfüllet war, um noch etwas von
Bettwerck zu salviren. Allein sie war kaum in das Cabinet einge-
tretten, so schrie sie um Hülfe u[nd] fiel vermuthl[ich] vom Rauch u[nd]
Dampf erstickt todt zu Boden. Die Rettung war vergebl[ich]. Die
Flamme name überhand, ergrif [sic!] den Leichnam u[nd] richtete ihre Ubel
zu. Man brachte ihre nach der ha[r/n?]d erst mit Hacken aus dem Schutt
herfür u[nd] bestattete denselben d[en] 8. Nachmittags unter einer Volck-
reichen Versammlung christl[ich] zur Erden. alt _ _ _ 21 ann[orum] 1 mens[is/ium]


Moderatoren Hinweis:
der eingefügte Link wurde bearbeitet, da der ursprüngliche Link "auf eine Weiterleitung an Archion über eine in einem GMX Postfach befindliche Datei / Link" hingewiesen hat.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Wirklich traurige Geschichte.
Ich habe mir erlaubt, den Schluss gegenzulesen und die Übertragung aus der Handschrift zu korrigieren:
..., ergrif den Leichnam u(nd) richtete ihne (= den Leichnam!) Ubel
zu. Man brachte ihne (= den Leichnam) nach der Hand (= später, danach; Gegenstück zum heute noch gebräuchlichen vorderhand) ...
 
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