Kann mir jemand beim Entziffern helfen

N.B. Inmittel der Predigt ist ein Bayrischer Reither [in]?
die Kirchthür geritten, mit Begern eins Boten ge-
schrocken , und endschaft der Predigt gemacht. Auf
dem Kirchhof haben 3 andere mit 3 getaut[en]
Pferden gehalten. Gott wende [sich] diesen Elen[den]
in Gnaden [zu]. Amen.
 
Vielen Dank für Deine schnelle Rückmeldung. Sowas ähnliches habe ich mir schon zusammen gereimt. Kam mir aber seltsam vor.
Hast Du eine Idee was ich mir unter "mit Begern eins Boten" vorstellen kann?
 
Begern - Begehr
geschrocken - hier vermutlich im Sinne von "verschreckt"

Meine Interpretation ist, dass der Reiter nach einem Boten suchte, der eine Nachricht von ihm übermitteln sollte, und damit die Besucher der Beerdigung gehörig verschreckt hat. Die Leichenpredigt konnte der Pfarrer nicht fortsetzen.

Zu den "getauten" Pferden: vermutlich feucht, nass, verdreckt.

Man muss bedenken, dass das noch mitten im30jährigen Krieg war. Die letzte Phase, von ca. 1635 bis 1648 war für die Bevölkerung die schlimmste. Wenn also ein Soldat zu Pferd in die Kirche kam, hat das die schlimmsten Befürchtungen und Ängste hervorgerufen.

Wenn jemand eine andere Erklärung/Interpretation hat, möge er/sie sich melden.

Die frühneuhochdeutsche Sprache unterscheidet sich oft sehr deutlich von unserem heutigen Sprachgebrauch. Wortwahl, Wortbedeutung und auch Grammatik sind unterschiedlich und für uns manchmal schwer verständlich.
 
Wenn jemand eine andere Erklärung/Interpretation hat, möge er/sie sich melden.

Die beschriebene Situation ereignet sich in der evangelischen Pfarrei (Markt) Schopfloch in der -wie bereits beschrieben- für die Bevölkerung schlimmsten Phase des 30-jährigen Krieges.

Es findet gerade ein evangelischer Gottesdienst statt, da reitet ein "Bayrischer Reüter" [Katholik] mit seinem Pferd rüde und respektlos vor "diesem besonderen Ort" durch die Kirchentür in die Kirche hinein.

Er tut dies "mit Begern eins Boten" - mit dem Auftreten, Habitus, der unbedingten Forderung eines "wichtigen -vielleicht Unheil bringenden- Boten" - er stürmt die Kirche - löst damit Schrecken bei den Gläubigen aus und er [der "Reüter"] macht der Predigt / dem Gottesdienst -der aus seiner Sicht Andersgläubigen Evangelischen- ein Ende.

Er kommt auch nicht allein, sondern wird von noch "3 andern mit 3 geraubten Pferden" begleitet, womit er seinem Auftritt sehr wohl Nachdruck verliehen haben dürfte.

Und so bleibt dem Pfarrer nur noch der Gemeinde zu wünschen, Gott möge ihr Elend [von Krieg, Bedrohung durch Andersgläubige, Tod...] wenden.


Zu dieser Lesart von frühneuhochdeutsch "beger" / "begern" siehe

5.
›Forderung nach einer Handlung, Erhebung eines Anspruchs auf etw., auf das man ein Recht zu haben vermeint‹


--> hier: der "Reüter, gleich einem wichtigen Boten" erhebt den Anspruch auf "Endschafft" der Predigt der andersgläubigen Evangelischen.
 
ggfls. interpretierte der Pfarrer diesen "Bayrischen Reüter" (und seine Kumpane) auch als

nuntius fati - "Boten des Schicksals"

nuntius fati mali - "Unheilsbringer"
 
Super, danke an alle. Mit so einem großen Interesse an diesem Thema habe ich nicht gerechnet. Ich finde es immer wieder spannend und teilweise auch lehrreich was man - auch abseits der eigenen Verwandtschaft - in den Kirchenbüchern so findet.

Viele Grüße Wolfgang
 
Ich will noch anmerken, dass es sich bei diesem Gottesdienst um eine Trauerfeier für eine 29-jährige Mutter handelt die ein 6-jähriges Kind und mehreren Stiefkinder hinterlässt.
 
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