Fundstücke (makabres, trauriges, erheiterndes)

Tod bei einer Schlägerei in Braunsdorf

https://www.archion.de/p/592d61e936/

Benjamin Schmidt in Tischendorf starb den 12ten Febr.
abends um 7 Uhr und wurde den 14ten ejusd. mit einer
Leichen-Predigt begraben.

NB

Oben benannter Benjamin Schmidt ist elendiglich mit e. Pfahl erschlagen worden.
Er kommt Montags Vormittags um 10 Uhr, als den 8ten Febr. a. o. von Tischendorf
bote in den hirher nach Braunsdorf setzt sich vor näun .... Brandewein-
Hauß, nimmt einen guten Theil Brandewein zu sich. Von da begibt er
sich in hiesigen Gasthof, säufft abermahls Bier u. Brandtwein, also, daß
er toll und voll wird. dann kommt er taumelnd in des hiesiger Richters
Georg Klöpffers Hof, fängt an zu scherzen und zu tumultieren, schelt
den Richter einen Dieb, einen Schelm, einen Meineydigen Spitzbuben, u. d. m.
oben. aber gleich gedachter Richter ihn zu unterschieden malen ermahndt
nach Hauße zu gehen; so hat doch alles bitten u. Ermahnen bei ihm nichts ver-
fangen wollen. Zum großen Unglück ist zu gleicher Zeit des Richters Schwieger_
Sohn von Tischendorf Simon Andreas Stein, ein Nachbar von dem Benj.
Schmidt bey seinem Schwieger Vater dem Richter, dieser Stein offeriert sich
den besoffenen Schmidt nach Tischendorf zu bringen, aber umsonst und ver-
gebens, hat er vorher den Richter gelästert, so macht ers dem Schwieger-
Sohn aber nicht beßer, schelt ihn einen Schinderknecht und spricht: mit
dir Schinder-knecht gehe ich nicht, du bißt eben ein solcher Schelm und
Dieb wie Dein Schwieger Vater; darüber kommen beyde zu einem Hand-
Gemenge, u. da der besoffene Schmidt von seiner Zänkerey, deren er in
s. Leben sehr ergeben gewesen nicht ablaßen wollen; so ergreifft mehr
….. Stein endlich in hefftigem Zorn einen Pfahl, will den besoffenen
Schmidt einen Schlag auf die Posteriore geben trifft aber, beyn aufs
Daumeln des Schmidt den Kopff und ladiert ihn dermaßen daß man
ihn ….. Tod in des Richters Wohn-Stube hat bringen müssen. Obwohl
alles mögliche ihm zu helffen adhibiert wurde, auch d. Herrn Chirurgie einige
Hofnung machen wollte, so ist es gleichwohl geschehen, daß er Freitags drauf abens
um 7 Uhr verschieden. Binnen dieser 4 Tage, so er noch zu leben gehabt
hat er kein Zeichen einer wahren Buße von sich hören laßen, auch ein Sohn v. Langen
nach dags S. abend wohl ………, wies ihn auch Tages vor s. Ableben..... nicht
darauf, ist er mittelst hoher Verordnung v. des hl. Supint. Haben standshafft ……
nur …… Leichenpr. u. andere ……….. Ceremonien Peredigt worden.

Vielleicht kann jemand die Lücken füllen und den Rest ergänzen, ich tue mich da leider schwer.
 
Ein paar weitere Puzzleteile:

setzt sich von neüem ins Brandewein-
Hauß

so ergreifft mehr
erwehnter Stein

ihn wie tod in des Richters Wohn-Stube

kein Zeichen einer wahren Buße von sich spühren laßen, auch ein Sohn v. Langen
nach dem h. Abend mahl bezeiget, wies ihn auch Tages vor s. Ableben ist gerichtet worden
darauf, ist er mittelst hoher Verordnung v. des hl. Supint. Haben standshafft …… mit
einer ehrstl.
Leichenpr. u. andern christ-üblichen Ceremonien beerdiget worden. Der
Text war _ Ch: LX Ψ 10. NB. Vielleicht hat Gott dz Unglück über ihn ________
verhänget, damit s. Seele welche auser ______ kön̄en Verlohren seÿe, an̄och gerettet wurde
 
Kleiner unbedeutender Hinweis: Die Leichenpredigt für den o. g. erschlagenen Benjamin Schmidt dürfte auf dem Text aus dem Buch Jesaja (statt "Ch:" "Es:" für Esaia) , Kapitel 60, Vers 10 beruhen, der in einer zeitgenössischen Fassung von 1754 lautet: "Denn in meinem zorn habe ich dich geschlagen, und in meiner gnade erbarme ich mich über dich." Dieser passt auch genau zu dem Nachsatz "NB" des kirchenbuchführenden Pfarrers.
 
Noch 2 kleine Korrekturen:

... d. Herren Chirurgi (ohne -ie, denn das Wort bezeichnet nicht die Chirurgie, sondern den chirurgus = Wundarzt, hier in der Mehrzahl chirurgi)

... des hl. Supint. ... sollte sein: des H. Supint. : Das dürfte den Herrn Superintendenten bezeichen, "heilig" wurden die Superintendenten nicht genannt.

Was mich auch noch zweifeln lässt, ist der FN "Haben" und dahinter das angebliche Wort "standshafft" und das bisher ungelöste Wort mit dem Kürzelzeichen danach. Entweder hieß der Superintendent HABE und HABEn ist der Genitiv davon, oder das angebliche "stands" ist ein Teil des FN. In diesem Teilwort gibt es nämlich kein d, sondern ein t, gefolgt von einem s (siehe weiter oben Tages), was wiederum auf einen Genitiv hindeuten würde.
 
Bei der Suche mit "Superintendent Hebestreit oder ähnlich um 1760 in Thüringen" fand ich
(laut IA = KI) Bei der von Ihnen gesuchten Person handelt es sich höchstwahrscheinlich um Johann Friedrich Hebenstreit (häufig auch Hebestreit geschrieben). [1] (Anm. von mir: Die 1 führt zu einem Porträt https://portraits.hab.de/person/14961)
Er war ein lutherischer Theologe und wirkte als Superintendent in Buttstädt (nördlich von Apolda/Weimar in Thüringen). In den biografischen Registern ist sein Sterbedatum genau auf den von Ihnen genannten Zeitraum eingegrenzt: Er starb zwischen 1760 und 1762. [1, 2]

Nur dass er laut Daten bei dem Porträt zwischen 1760 und 1770 starb.
 
Jetzt könnte man die Herzog August Bibliothek auf diese Fundstelle hinweisen, was sie zur Anpassung der Lebensdaten veranlassen könnte.
Ist es nicht phantastisch, was aus einer Eintragung nach Jahrhunderten noch so alles abgeleitet und rekonstruiert werden kann?
 
Hallo Rainer,
das hoch Ehr würdig habe ich auch zu lesen gemeint, ohne sicher zu sein. Anscheinend hat der Pfarrer ausdrücken wollen, dass der Erschlagene auf hochehrwürdige Weise mit einer Leichenpredigt und dann allen christlichen Zeremonien begraben wurde. De mortuis nihil nisi bene...
 
Der Superintendent Johann Friedrich Hebenstreit starb bereits am 7. März 1731 in Buttstädt:


Es gibt aber einen anderen Hebenstreit, Johann Christoph, der von 1738 bis 1766 Superintendent in Neustadt an der Orla war. Das ist ganz in der Nähe von Braunsdorf.

 
Der für Braunsdorf zuständige Superintendent dürfte der von Neustadt/Orla gewesen sein. Von 1738 bis 1766 war ein Johann Christoph Hebenstreit dort Superintendent.
Vgl. Seite 96:


Akten der Superintendentur Neustadt/Orla im Archivportal Thüringen zu finden:

Oberpfarr- und Superintendenten-Stelle, Besetzung: Hebenstreit
Archivalien-Signatur: N 306 Bestandssignatur: 11-021 Datierung: 1737

Kirchstuhl- Neubau für Superintendent Hebenstreit und Familie
Archivalien-Signatur: N 271 Bestandssignatur: 11-021 Datierung: 1747 - 1749
 
Das war vielleicht dieser jüngere Joh. Friedr. Hebenstreit https://portraits.hab.de/person/14961

Hebenstreit, Johann Friedrich​


A 26389


LebensdatenGestorben: zwischen 1760 u. 1770
Biographische InformationenLuth. Theologe. Stud. Jena/Wittenberg, Pastor u. Superintendent in Buttstädt b. Apolda.
Schlagwörter zum BerufTheologe, luth. - Buttstädt b.Apolda
Schlagwörter zum OrtButtstädt b.Apolda
NormdatenGND: 141154527
StatusAngelegt am 23.09.2004
Letzte Änderung am 07.05.2024

Aber dass ein anderer Hebenstreit der zuständige Superintendent für Braunsbach war, glaube ich gern. Einen Vornamen hat der im KB Eintrag ja nicht.
 
Eine Verstorbene wegen Hochwassers vorübergehend vor die Schule gesetzt

https://www.archion.de/p/8c42d3a549/

Zipsendorf Am 4. April sturbe Fr. Elisabeth, Michael
Burckhards, Hausgenoßens in Zipsendorff
Eheweib, und wurde den 8. Dießen mit einer Predigt
Christl. beerdigt. ihres Alters 66 Jahr, weni-

nächste Seite

ger 4. Monathe. Weil diese Fr. auf dem Anger wohnete, und
und wir sie wegen großen Waßers nicht abholen konnten, mußten
die Bauern solche of daß Weise Guth tragen, und vor die Schule
sezen, da dan erst gesungen wurde, und hernach fortgetragen.
 
Eine Ehekrach endet tödlich...…

https://www.archion.de/p/fa3a351d0f/

7.

Ach! Ein sehr trauriger Casus hat sich den 9. 9tr. in Sabißa
begeben und zugetragen, indem Fr. Anna, Hannß Schlegels
Nachbars u. Einwohners in Sabißa, Eheweib, bey Jgfr. Sibyllen,
George Poschwitzens Nachbars u. Bauers daselbst, ehel. älteste Tochter
zur Hochzeit gewesen, abends nach Hause kömmt, ihren Mann
aber nicht zu Hause antrifft, als welcher zu Bier gewesen
bald aber darauff nach Hause kommt, u. von dem Weibe des-
wegen übel angelaßen wird, darüber der Mann in eine solche
Wuth geräth, daß er die Licht-Hänge ergreifft, u. das Weib da-
mit hinter die Ohren schläget, der Schlag auch so übel ..
…, daß Sie mittwochs als den 11. 9tr. abends darauff
gestorben ist, Sie auch darauff im Beyseyn des Landgerichts aus
Zeitz d. 12. huj. sezieret, und der schlag tödtl. befunden wurde.
Sie ist d. 15. ejd. als d. 25. p. Trinit. in Gegenwart ei-
ner sehr großen menge Volckes Rab. Con. et Parent. Christl.
zur Erde bestattet worden Alt. 23 Jahr 2 Mon.
2. Wochen u. 4. Tage.
 
Ein Kind beim Obstpflücken verunglückt....

https://www.archion.de/p/2e08ba3111/

13.

d. 26. August hat sich in Broßen ein betrüblicher Casus zu getragen: In-
dem, abends gegen 6 Uhr Gottfried, Mstr. Hanß Wincklers Zeugmachers
N. u. Inw. daselbst 4ter und jüngster Sohn, über das Thor an George
Beers Garten steigen wollen (etwa eine abgefallene Birne zu suchen
und aufzuheben) da ihm in dem absteigen auff der anderen Seite die Bei-
ne abgegangen mit dem lincken Arm zwischen 2. zerbrochene Bre-
ter hangen geblieben, den arm entzwey gebrochen, und da er endlich
gefallen auff einen untenliegenden Stock, sich noch einmahl den arm
gebrochen. Da man den verlangten Feldscherer nicht sogleich
haben können, haben sich indeßen die zerrißenen Adern verblu-
thet, alsbald der Kalte Brand dazu geschlagen, ……….. zu wehren
nicht möglich gewesen, und also das Kind nach ausgestandenen
großen Schmertzen gestorben d. 31. Aug. frühe um 4 Uhr.
Hat sich aber, bey meinen etli. …….. Besuch, über aus schöne
und Wohl mit Buße, Reue und gezäugter Andacht und fleißigen
Gebeth zu seinem Tode bereitet. und d. 1. Septbr. bey volckreicher
Versammlung mit Christl. Ceremonien nebst einer Leichenpredigt
zur Erde bestätigt worden. atat: 10. jahr u. 4. tage
 
Dorfbrand in Broßen durch Brandstiftung

https://www.archion.de/p/3cc832d0d3/

8.

Den 31. May ist Peter Naumanns Einwohner in Broßen Tochter mit Nah-
men Maria mit christlichen Ceremonien und einer Leichenpredigt zur Erde bestatt-
tet worden. Denn es ist in diesem Dorffe zu Broßen des Nachts umb 10 Uhr Feüer
an Hans Pendorffs Scheünen Hauße an dem Kasten angeleget worden, da dan das Feüer so über
Hand genommen, daß in wenig Stunden das gantze wohlgebaute Dorff biß auf 3 Häuser ist
in die Asche geleget worden, unter anderm hat sich dieses begeben, daß Peter Naumanns
Weib mit dieser ihrer Tochter Marien ihre Sachen aus dem Feüer hülfft hatten, und da die
Tochter spricht: Mutter, der Vater hat geruffen, laßet uns gehen so antwortet die Mutter:
Wir wollen noch einmahl gehen und noch etwas heraustragen. Die Tochter ist der Mutter
gehorsam und gehet mit, da sie nun wieder zurück kommen, brennt der gantze Hoff.
die Mutter hat die Tochter bey der Hand, ach das Gott erbarm! es fället ein Klump
Feüer von dem Tache herunter und trennet Mutter und Tochter voneinander, da fällt
die Mutter in die Mistgauche, jedoch erhohlt sie sich wieder, steht auf und läufft
mit groser Gefahr durchs Feüer hindurch, das auch die Kleider an ihrem Leibe sind
verbrandt und sie durchs Feüer an Armen, Rücken und Angesicht sehr ist verderbt
worden, die Tochter bleibet im Hoffe liegend und ist vom Feüer als wie ein
Braten an einem Spieße jämmerlicher Weiße gebraten worden, denn die Beine,
Arme, Angesicht und Hände sind abgebrandt, und man nur das Corpus und Ge-
rippe gefunden, welche heute mit großer Versamlung vieler Frembder, die anhro
sind kommen, solches jämmerliche und traurige Spectacel anzusehen, ist begraben
worden. O du großer Gott im Himmel. erbarme dich unser. stehe uns in Gnaden
bey, wende ab die große Feuergefahr, darinnen Wir biß anhro in großer Furcht
und Schrecken glebet, und behüte unsere wohlgebaute Kirche, das das Hauß,
darinnen deine Ehre wohnet, unßer Hauß und Hoff Haab und Güter umb
Christi unseres einigen Erlösers und Seeligmachers Willen. Amen.
 
... des hl. Supint. ... sollte sein: des H. Supint. : Das dürfte den Herrn Superintendenten bezeichen, "heilig" wurden die Superintendenten nicht genannt.
Das "hl." steht meines Wissens nach nicht für "heilig" sondern für "hochlöblich". Eine oft benutzte Ehrbezeichnung, die man auch bei weltlichen Personen häufiger findet. So wie hier https://www.archion.de/p/146638f693/ beim Oberförster Daniel Friedrich Fischer.
 
Zurück
Oben