Hallo zusammen,
ich warte auch bereits länger auf die Kirchenbücher (Glauchau, Zwickau, Meerane, Lichtentanne uvm.)
Leider ist es mir nicht möglich, vor Ort Einsicht in die Kirchenbücher zu nehmen. Das zuständige Pfarramt in Glauchau gestattet zudem keine Anfertigung von Fotos.
Bisher wurden mir Angaben zu gesuchten Einträgen mit fünfzehn Euro für eine angefangene halbe Stunde in Rechnung gestellt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Personalsituation angespannt ist. Daher wurden meine Rechercheanfragen ausschließlich von einem sehr hilfreichen ehrenamtlichen Familienforscher durchgeführt. Die bereits entstandenen Kosten sind inzwischen im dreistelligen Bereich und landen direkt bei der Kirchengemeinde.
Das für Dienstleistungen Kosten entstehen ist grundsätzlich legitim. Es entsteht allerdings der Eindruck, dass kein großes Interesse an einer Digitalisierung und anschließender Veröffentlichung besteht. Das verzögerte Prozesse in der Digitalisierung von Kirchenbüchern auf eine angespannte Personalsituation zurückgeführt werden, ist nichts Neues. In den Jahren meiner Ahnenforschung habe ich das immer wieder gehört oder gelesen. Andere Kirchengemeinden oder Archive erreichen im Gegenzug zu Sachsen allerdings deutliche Fortschritte in der Veröffentlichung z. B. bei Archion.
Wie hier bereits erwähnt wurde, ist für Sachsen im Vergleich zu anderen Bundesländern offensichtlich ein strukturelles Problem zu erkennen. Das ist frustrierend und selbst wenn ich die Möglichkeit hätte, nach Glauchau zu fahren, wird mir auf Nachfrage der Archivschlüssel nicht ausgehändigt. Zugang erhalten nur wenige Personen zum Schutz der Archivalien. Gerade mit Hinblick auf z. B. unerfahrene Forscher im Umgang mit Archivgut ist das zwar verständlich, sorgt aber dafür, dass privaten Forschern der Zugang zu Kirchenbüchern verwehrt wird.
Viele Grüße
André
Hallo André,
besten Dank für Deine ausführliche und sehr konkrete Schilderung. Sie ist deshalb so wichtig, weil sie zeigt, wie sich die derzeitige Situation ganz real auf einzelne Forscher auswirkt – finanziell, zeitlich und praktisch.
Daß für Auskünfte Gebühren erhoben werden, ist grundsätzlich legitim. Problematisch wird es dort, wo sich Kosten, eingeschränkter Zugang, Personalmangel und fehlende Alternativen über Jahre verfestigen. Genau dann entsteht das, was Du beschreibst: faktische Zugangsbarrieren für Menschen, die weder regelmäßig vor Ort sein können noch die steigenden Kosten dauerhaft tragen können.
Besonders frustrierend ist Dein Hinweis auf Zwickau. Denn hier liegt der Kern des Problems:
Zwickau-Stadt
– 136 Kirchenbücher sind im Dresdner Lesesaal bereits vollständig digital nutzbar (Stand: 11/25)
– davon 120 Kirchenbücher vor 1876 (= 88,2 %)
→ diese könnten sofort an Archion übergeben und online gestellt werden
– lediglich 16 Bücher müßten (wie andernorts üblich) später ergänzt werden
Zum Vergleich:
In anderen evangelischen Landeskirchen (z. B. Sachsen-Anhalt, Thüringen, Baden, Württemberg) werden genau solche Bestände schrittweise veröffentlicht. Unproblematische Bücher aus dem 16.–18. Jahrhundert gehen vorab online, spätere Jahrgänge folgen nach und nach. Diese Praxis ist bei Archion seit Jahren sichtbar und etabliert.
Das heißt:
Es geht nicht um zusätzliche Digitalisierung, nicht um neue Ressourcen, nicht um eine rechtliche Grauzone.
Es geht ausschließlich um die Weitergabe bereits vorhandener Digitalisate – so, wie es andernorts längst geschieht.
Dein Beitrag macht deutlich, warum diese Frage keine akademische ist. Für viele Forscher entscheidet sie darüber, ob Forschung überhaupt noch möglich ist – oder nur noch gegen Zeit, Geld und gute Kontakte.
Vielen Dank, daß Du das so offen geschildert hast. Solche Erfahrungsberichte sind unverzichtbar, um das strukturelle Problem sichtbar zu machen.
Viele Grüße
maxkli