Kirchenbücher und ihre Bedeutung für die Familienforschung

Quellengattung Kirchenbuch

Kirchenbücher sind die wichtigste Informationsquelle zur Erforschung der eigenen Familiengeschichte. Lernen Sie mehr über diese Quellengattung.

Weitere Informationen

Deutsche Schrift

Da Kirchenbücher in altdeutscher Schrift geschrieben sind, finden Sie auf dieser Seite einige Informationen zur Paläographie. 

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Leseübungen

Möchten Sie noch etwas üben? Dann finden Sie unten vier Leseübungen aus verschiedenen Jahrhunderten. 

Zu den Übungen

Kirchenbücher - die handgeschriebenen Quellen der Familienforschung

Kirchenbücher sind schriftliche Aufzeichnungen über sämtliche Amtshandlungen wie Taufen, Heiraten und Bestattungen der jeweiligen Kirchengemeinde. Bis heute bilden Kirchenbücher eine bedeutsame historische Quellengattung, da ihre Inhalte neben ihrer primären Funktion auch wertvolle Informationen zu Demografie, Sozialgeschichte und weiteren historisch-politisch relevanten Ereignissen liefern. Für Genealoginnen und Genealogen stellen sie die wichtigste Quelle dar.

Eine wichtige Quelle

Wieso sind Kirchenbücher so wertvoll?

Bis zur Gründung des Deutschen Reiches und der offiziellen Einführung von Standesämtern im Jahre 1876 gab es von staatlicher Seite aus keine einheitliche und flächendeckende Registrierung der Bevölkerung. Über Jahrhunderte hinweg waren es die Kirchen, die familiäre Lebensereignisse – wie Geburten, Taufen, Hochzeiten und Sterbefälle – in ihren Unterlagen dokumentierten. Und das häufig recht ausführlich und detailliert. Da sowohl jedes Kirchenmitglied als auch alle Personen innerhalb einer Ortsgemeinde in den kirchlichen Aufzeichnungen erfasst wurden, wird Kirchenbüchern für die genealogische Forschung heutzutage ein unschätzbarer Wert beigemessen. Als zentrale Datensammlung geben die kirchlichen Verzeichnisse nicht nur nahezu umfassend Auskunft über die wichtigsten Lebensdaten der einzelnen Personen, sondern enthalten auch weitere relevante Informationen wie beispielsweise Beruf, sozialer Stand oder besondere Verdienste.

Von damals bis heute

Die Gattung Kirchenbuch – ein historischer Exkurs

In Deutschland reichen die ältesten bekannten Kirchenbücher bis ins 15. Jahrhundert zurück. Kategorisiert wurden sie – heute wie damals – nach Tauf-, Ehe- und Totenregister. Die in früheren Zeiten daneben geführten Verlobungsbücher (Proklamationen), Kommunikanten- und Seelenregister (später Familienregister) sind heutzutage allerdings nicht mehr gebräuchlich. Zweck der Aufzeichnungen war es, die Lebensereignisse jedes einzelnen Kirchenmitgliedes zu erfassen. Dies fiel in den Aufgabenbereich des Pfarrers der jeweiligen Gemeinde. Aufzeichnungsbeginn oder auch die Vollständigkeit der Kirchenbücher variieren mitunter stark von Region zu Region. Hierbei spielen die geschichtlichen Entwicklungen vor Ort eine wichtige Rolle.
Mitte des 18. Jahrhunderts gewannen Kirchenbücher als öffentliche Personenstandsurkunden auch von staatlicher Seite aus zunehmend an Bedeutsamkeit. Die enthaltenen Daten wurden für die Belange des Einwohnermelde-, Militär-, Finanz- und Gesundheitswesen oder für statistische Zwecke herangezogen. Nach 1876 fanden die Kirchenbücher dann wieder ausschließlich Verwendung für die kirchliche Verwaltung und die seelsorgerische Betreuung der Gemeindemitglieder. Tauf-, Konfirmations-, Ehe- und Totenregister werden auch heute noch in den Pfarreien geführt.
Im Zuge der Digitalisierung haben in den letzten beiden Jahrzehnten katholische und evangelische Kirchen in Deutschland damit begonnen, die teilweise über 400 Jahre alten Bücher in digitale Formate umzuwandeln, um ihren wertvollen Inhalt zu archivieren und auf diese Weise für die kommenden Generationen zu sichern.

Was Sie noch wissen sollten

Wichtiges für den allgemeinen Umgang mit Kirchenbüchern

Für die Recherche in Kirchenbüchern ist die Kenntnis des Ortes, an dem die gesuchte Person gelebt hat (oder gestorben ist), unerlässlich. Auf diese Weise ist es möglich, die entsprechende Kirchengemeinde ausfindig zu machen und über diese das passende Kirchenbuch zu ermitteln. Jede evangelische Landeskirche bzw. jedes katholische Bistum unterhält ein eigenes kirchliches Zentralarchiv. Sollten die gesuchten Kirchenbücher also noch nicht digital verfügbar sein, können sich Forschende an das zuständige Archiv wenden.
Kirchenbücher sind in altdeutscher Schrift verfasst. Für das Lesen und Verständnis der älteren handschriftlichen Quellen ist es daher wichtig, sich die nötigen paläografischen Kenntnisse anzueignen.

Familienforschung leicht gemacht

Kirchenbücher bei ARCHION

Um in Kirchenbüchern gezielt nach Informationen und Daten suchen zu können, ist es erforderlich, den Geburts- oder Sterbeort des gesuchten Verwandten zu kennen. Per Suchfunktion wird geprüft, ob Kirchenbücher des Herkunftsortes bereits digital im Portal erfasst sind. Registrierte User mit aktivem Zugangspass können diese, sofern verfügbar, nun einsehen. Alternativ können sich Forschende an das zuständige Archiv wenden, dessen Kontaktdaten hinterlegt sind.

Bei ARCHION sind die Kirchenbücher und Materialien nach den Archiven der jeweiligen Bundesländer und der zuständigen Kirchverwaltungsbereiche sortiert. Für die Suche nach Kirchenbüchern empfiehlt sich eine Kombination aus "Ortssuche" und einer strukturierten Suche in den Listen unter "Alle Archive".

  1. Hilfreiche Tipps

    Im Umgang mit den verschiedenen Registertypen kann es helfen, Abläufe im damaligen Kirchenalltag zu kennen. In den ältesten Taufregistern ist oft nur der Tag der Taufe, jedoch nicht der der Geburt eingetragen. In Trauregistern finden sich beispielsweise bei den ältesten Kirchenbucheinträgen häufig nur Datumsangaben zur im Gottesdienst erfolgten (ersten) Eheankündigung, auch Proklamation oder Aufgebot genannt. Dieses Datum ist nicht gleichbedeutend mit der eigentlichen Trauung (copulatio), die üblicherweise erst nach Ablauf des Aufgebotes, nämlich drei Sonntage später stattfand. Auch bei der Recherche in Sterberegistern sollte man beachten, dass es sich bei den Angaben oftmals um das Beerdigungs- und nicht das Sterbedatum handelt.

Deutsche Schrift

Kirchenbücher sind in altdeutscher Schrift geschrieben. Dies ist zunächst eine Hürde für das Lesen der Kirchenbücher, doch mit Übung kommt man hier schnell weiter. Hier finden Sie allgemeine Informationen zur altdeutschen Schrift. Anhand der Schrifttafel und den Leseübungen erhalten Sie einen ersten Einblick in die altdeutsche Schrift.

Deutsche Schrift

Kanzlei- und Kurrentschrift

Die deutsche Schrift gab es seit dem 16. Jahrhundert in zwei Typen: in der durch Regelmäßigkeit gekennzeichneten, etwas gedrungen und „gezähmt“ wirkenden Kanzleischrift und in der flüssigen, schwung­volleren Kurrentschrift, die aus der gotischen Kursive entstand (kurrent = schnell dahinfließend).

Die Gebrauchsschrift (Kurrentschrift) differenzierte sich seit der Wende zum 16. Jahrhundert aus. Nach dem Verwendungszweck treten folgende Ausführungsarten auf: kalligraphisch gestaltete Reinschriften von Ausfertigungen (z. B. Urkunden, Reskripte, Schreiben an Dritte); flüchtigere Schriften aus der Kanzleipraxis (Berichte, Protokolle, Abschriften, Rechnungen); äußerst flüchtige Konzeptschriften und individuelle Handschriften im privaten Gebrauch.

Es gibt eine Mischung von lateinischer Schrift und gotischer Kursive: Lateinische und französische Worte werden lateinisch geschrieben (Antiquakursive); Namen erscheinen mitunter in einer hervorgehobenen (Auszeichnungs-) Schrift.  Die Groß- und Kleinschreibung ist uneindeutig.

Im 17. Jahrhundert sind Schwünge, Schnörkel, Bögen, „rüsselförmige“ Aufschwünge bei den Großbuchstaben und bei v und w charakteristisch, maßgeblich befördert durch die Verwendung des Gänsekiels als Schreibwerkzeug. Im 18. Jahrhundert werden die Buchstaben stärker miteinander verbunden als noch im 17. Jahrhundert, das Schriftbild ist oft schrägrechts geneigt.

Anhand der Schrifttafel und der Leseübungen weiter unten erhalten Sie einen ersten Einblick in die deutsche Schrift.

Rechtschreibung

Achten Sie auf für heutige Augen „falsche“ Schreibweise:

  • ck statt k: kranckheit statt krankheit (und: Klein- statt Großschreibung!)
  • Doppelkonsonant statt einfachem Konsonant: auff statt auf
  • Groß- und Kleinschreibung: unregelmäßig in einem Text
  • Großschreibung im Wort: StattKirche statt Stadtkirche
  • Bindestriche: Löchels-gaß statt Löchelsgaß

Sprache

Viele Wendungen der Sprache früherer Jahrhunderte erscheinen auf den ersten Blick unverständlich. Häufig werden lateinische Wendungen benutzt, darüber hinaus hatten manche Wörter früher eine andere Bedeutung als heute. Hier können Wörterbücher (Grimms Deutsches Wörterbuch, regionale Dialektwörterbücher) bei der Erschließung des Textes hilfreich sein.
Auch die langen Sätze sind nach heutigem Verständnis zunächst rätselhaft. Bisweilen ist der Satzbau auf den ersten Blick überhaupt nicht verständlich. Es ist außerdem mit vielen Abkürzungen zu rechnen, bei deren Auflösung Spezialhandbücher unverzichtbar sind.

Kirchenbuch Nr.6 Trippstadt (Pfalz), 1831

Leseübung 1

01         Pro Memoria
02 Am 8. Jänner laufenden Jahres sahe man hier, von Abends 7 Uhr an ein, in
03 diesen Gegenden nicht nur äußerst ungewöhnliches und seltenes, sondern auch
04 ein ungemein starkes und prächtiges Nordlicht, das erst gegen zwölf
05 Uhr des Nachts sich am nördlichen Horizont in schwachen Schimmern
06 endigte. Der Aberglaube ermangelte nicht, dieses Nordlicht als
07 Vorbote grausenhafter Weltgeschicke zu verschreyen, und dessen glühende
08 feyerliche Pracht als den ersten Widerschein des baldigen Blutvergießens
09 zu deuten!

10 Am 7. Mai fiel außergewöhnlich, nachdem es einige Tage vorher
11 empfindlich kalt gewesen, ein großer Schnee! Die Flocken fielen
12 in der Größe einer Kinderhand, und der zugleich wehende Westwind
13 vermochte nicht, den gefallenen Schnee aufzulösen, so dicht und
14 gedrängt stürzte er sich herab. Doch scheint es dem in Ähren aufschießenden
15 Korne nicht geschadet zu haben.

Kirchenbuch Nr.1 Albisheim (Pfalz), 1720

Leseübung 2

01 ANNO 1720.
02 Den 1sten Martii des Nachts gegen 9 vnd 10 Uhren ist durch
03 Verführung des Gottlosen vnd Versoffenen Schneiders Johann Adam
04 Stielgebaures1, Engelberth Ermerth2, welchen der heillose3 Mann mitt sich nach Marnheim ge-
05 locket, vnd Ihn im stockfinstern Verlaßen, im Heimgehen bey dem
06 Hauer Hoff in den Neugemachten Graben unter dem waßer ge-
07 wehr gestürtzt vnd ohne einiges Menschen wißen vnd Hülffe erbärm-
08 lich ertrunck[en] vnd ist dieser elendig ertruncken.
09 Engelberth Ermerth, des Gerichts, vnd ein gegen iederman ehrlich vnd gutthä-
10 tiger Mann4, mitt Christlichen ceremonien5, ge-
11 sang vnd Klang auch Leichenpredigt über den text Eccl[esiasticus]6 9. V[ers] 12
12 begraben worden, den 4[ten] gedachten Monaths Martii.

 


Anm.: Groß- und Kleinschreibung uneindeutig; v wird fast regelmäßig im Anlaut für u verwendet.

1 Schreibung uneindeutig, evtl. auch Stielgebauers.
2 Name am Rand nachgetragen.
3 Über der Zeile nachgetragen.
3 Folgt Streichung: Vnd ist den4[ten] ej[us]dem.
Endung analog zu vergleichbarem Eintrag auf dieser Seite ergänzt.
5 =Sirach: „Hab keinen Gefallen am Erfolg der Frevler; bedenke, dass sie bis in den Tod nicht gerecht gesprochen werden.“

Taufbuch Band 1 Niederkirchen (Pfalz), 1684

Leseübung 3

01                         Anno 1684

02    Hannß   Adam. Hanß Adam Baltheß Vndt Margretham
03                seiner Ehlichen Haußfrawen, Söhnlein Zum Hoff
04                ist den 1. tag Jannuary S[tilo] N[ovo] 1684 getaufft.
05                Tauff Zeugen seindt geweßen, Hanß Adam Seyler, Hanß Jac[ob]
06                Seyler des gericht schöffen Ehlicher Ehlicher Sohn Vom Sohl.
07                Vndt Hanß Müller. It[em] Jacob Kellers Ehliche Haußfraw
08                Agnes, bede Vom Hoff.

09 Elisabetha Catherina, Hanß Adam Müller von Leyterschweyler
10                vnd Catharina, seiner eh[lichen] Haußfrawe[n] eh[liche] tochter ist
11                Zu Leyterschweyler, den 3./13.t[en] Hornung 1684, ge-
12                taufft worden, tauffZeugen seyn gewesen Peter Gerett
13                von Leyterschweyler, vndt Elisabetha Hanß Lawr
14                Zu Leyterschweyler eh[liche] tochter Catherina, Hanß Müller
15                von Leyterschweyler eh[liche] tochter.

Ehebuch Band 70 Ulm (Württemberg), 1561

Leseübung 4

                          01       1  5  6 1
                          02       Jenner
                          03      Am anndern Sontag
Der Hoch=      04             nach Epiphaniæ
 zeyter             05                 domini
                          06   welcher gewesen ist den 19. Tag Jenners

                         07 Ist zum ersten mhal verkündiget wordenn der ersam vnnd
                         08 wolgelert Michael Herman, des erbarn Michael Hermans
Michael Her=  09 zu Memmingenn ehelicher Son, vnnd Jungfraw Concordia
     man            10 Drießlerin, des würdigen vnnd wolgelerten Herrn Wendelin
        9               11 Drießlins eheliche Tochter.
                         12 Dise sinndt nach Ordnung drey Sontag verkündiget vnnd
                         13 den 5. Tag Hornungs zu Kirchen gangen vnnd von M[agister] Caspar
                         14 Kirchner eingesegnet wordenn.

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