Justina Baumgärtels Gatte

Ja das steht da wirklich. Der Gatte der Verstorbenen liegt seit zwei Jahren, wegen Schwermuth, heute würden wir schwere Depression sagen, festgebunden damit er sich nicht selbst etwas antut. Damals wusste man sich oft nicht anders zu helfen.

Der Nebensatz des Pfarrers besagt das die Unsitte das ganze Dorf nach einer Beerdigung mit oft ruinösen Kosten zu bewirten musste mangels Geld unterbleiben und so hofft der Pastor dieser Brauch wird zukünftig ganz abgeschafft.
 
Nach dem nochmaligem lesen, könnte die Kette auch nur symbolisch gemeint sein, und meint nur dass weil er so schwermütig/ depressiv ist, wie angekettet und deshalb unfähig ist an der Beerdigung seiner Frau teilzunehmen.
Vielleicht hat noch jemand eine andere Erklärung dazu? Der Eintrag selobst ist ja in Schönschrift.

21. Frau Justina Baumgärtelin, Gottfried
Baumgärtels Inwohners und Nachbars zu Rositz
Eheweib, starb nach kurzer Niederlage an einer
Geschwulst des Leibes, den 29ten Augl: mit sehnl.ichen Ver—
langen nach Jesus, und wurde den 31n.d. mit einer
Leichen,,Predigt auf den neuen Gottes,,Acker begra,,
ben. Ihr Mann welcher über seiner Schulden,,Last
in Schwermuth verfallen, und um deswillen fast seit
2 Jahren an einer Kette liegt, von welcher er durch
keine Vorstellung zu befreyen ist, konte seine
Frau zu Grabe nicht begleiten. Bey dieser Beer,,
digung wurde die alte böse Gewohnheit, welche in
Rositz so lange im Schwange gegangen, daß das
ganze Dorf gespeiset werden muß, zum ersten
mal, aber aus Mangel, weil das Haus unter der
Sequestration* stehet, unterlaßen. Ach daß sol,,
cher Mißbrauch künftig ganz aufhören mögte!

*Sequestratio bedeutet wörtlich Beschlagnahme,
 
Ich denke auch, dass die Kette symbolisch gemeint ist. Pfarrer waren oft gut darin, bildlich zu sprechen und manchmal auch etwas zu übertreiben. Bei dem Ort "Rositz" habe ich mich gewundert, dass es im KK Gera auftaucht, aber gemeint ist Rusitz.
Der Sterbeeintrag des Mannes birgt leider keine weiteren Erkenntnisse.
 
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