Grebing aus Bernterode (Eichsfeld) um 1784 – welches Bernterode?

Hallo zusammen,

ich forsche seit vielen Jahren zur Herkunft meines Familiennamens. Ich lebe in Italien, meine Vorfahren stammen aus Bleicherode. Bitte entschuldigen Sie, wenn mein Deutsch nicht perfekt ist – ich schreibe mit Übersetzungshilfe.

Vor kurzem konnte ich den entscheidenden Eintrag finden:

Kirchenbuch Sollstedt (St. Petri), Kirchenbuch 1815–1829, Trauungen 1820, Nr. 3:

Am 7. Mai 1820 heirateten
  • Johann Andreas GREBING, "Ackerknecht auf dem hiesigen adligen Gute", fast 36 Jahre alt, Sohn von Valentin Grebing und Anne Marie geb. Stolze zu BERNTERODE; "die Eltern sind gestorben";
  • Jungfrau Regine Eleonore REINHOLD, 25 Jahre, Tochter von Johann Heinrich Reinhold und Friederike geb. Becker aus Bleicherode. Pfarrer: Gerlach.

Weiteres Belegtes:
  • Taufe der Tochter Christiane, Sollstedt, geb. 14. Juli 1820
  • Andreas starb am 30. April 1848 in Bleicherode, 63 Jahre 5 Monate alt, also geboren Ende November 1784
  • In Bleicherode wird der Name ab 1825 durchgehend "GREWING" geschrieben

Meine Fragen:
  1. Welches Bernterode ist gemeint? Nach Meyers gibt es
    • Bernterode, Kr. Heiligenstadt (Dorf nebst Rittergut, ev. Kspl. Großtöpfer, kath. Kspl. Martinfeld), und
    • Bernterode/Untereichsfeld, Kr. Worbis (a/d Wipper, eigene kath. Pfarrkirche).
    • Welches wäre für eine Familie Grebing um 1784 wahrscheinlicher?
  2. Ist der Name GREBING im Eichsfeld zwischen etwa 1750 und 1820 irgendwo nachweisbar?
  3. Welches Archiv verwahrt die Kirchenbücher von Bernterode vor 1815? Bei Archion ist für Bernterode (Kreuzkirche) nur das Kirchenbuch 1925–1974 vorhanden; bei FamilySearch finde ich für das Eichsfeld nur Kirchenbuchduplikate ab 1815 aus dem Staatsarchiv Weimar.
  4. War die Familie evangelisch oder katholisch? Andreas heiratete 1820 evangelisch in Sollstedt, ohne dass eine Konversion vermerkt ist.

Über jeden Hinweis würde ich mich sehr freuen. Scans der genannten Einträge
stelle ich gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße aus Florenz
Mirko Grewing
 
Scans der genannten Einträge

Hallo Herr Grewing.

Nur als kurzer Hinweis: Scans teilen wir hier im Forum nicht.

Was dagegen sehr hilfreich wäre, sind Permalinks zu den von Ihnen genannten Einträgen.

Wie man einen Permalink erstellt, finden Sie z.B. hier


Vielen herzlichen Dank.
 
Aufgrund der räumlichen Nähe zu Sollstedt wäre meine 1. Suchoption im Ort Bernterode bei (Breiten)Worbis

 
Der Familienname "Grebing" aus Bernterode / (Breiten)Worbis findet sich im "Familienbuch Eichsfeld" der Arbeitsgemeinschaft für Mitteldeutsche Familienforschung (AMF) wie folgt


....darunter auch die Familie des Valentin Grebing


Unten auf der Seite finden Sie eine Kontaktmöglichkeit bei genealogischen Fragen zu diesem Familienbuch.


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Allgemeine Informationen zum "Familienbuch Eichsfeld" finden Sie gerne auch hier:
 
Und noch ein Nachtrag:

Die Kirchenbücher von Bernterode (Breiten)worbis fallen in die Zuständigkeit des Bistums / Bistumsarchiv Erfurt.

Online verfügbar sind diese leider noch nicht. Plattform für die Online-Stellung wäre: https://data.matricula-online.eu/en/

In diesem Zusammenhang könnte auch dieses Thema für Sie von Interesse sein:


Nochmals beste Grüsse,
Vera
 
Hallo Vera,

herzlichen Dank – Ihr Hinweis auf das Familienbuch Eichsfeld hat innerhalb einer halben Stunde gelöst, wonach ich fast zwanzig Jahre gesucht habe. Und Ihre erste Vermutung – Bernterode bei (Breiten)Worbis – war genau richtig.

Im Familienbuch findet sich: Johannes Andreas Grebing, getauft 1784 in Bernterode (Breitenworbis), Pate Andreas Dietrich, römisch-katholisch. Vater: Valentin Grebing (um 1723–1792), Mutter: Anna Maria Hotze (1760–1807), getraut 1783 in Bernterode. Schwestern: Apollonia Elisabeth (1787–1827) und Anna Dorothea (1790–1793).

Das passt lückenlos zum Traueintrag von 1820 in Sollstedt: der Bräutigam ist dort "fast 36", und beide Eltern sind bereits verstorben (Valentin † 1792, Anna Maria † 1807). Den Mädchennamen der Mutter hatte ich als "Stolze" gelesen – richtig ist offenbar "Hotze".

Wie gewünscht die Permalinks:
Traueintrag Sollstedt 1820, Nr. 3: https://www.archion.de/p/e163c0471b/
Taufeintrag des Sohnes Johann Friedrich, Bleicherode, Taufen 1815–1839, 1831 Nr. 49 (mit den späteren Anmerkungen "nicht in Bleicherode – vielleicht Sollstedt getauft"): https://www.archion.de/p/7b454e3a3c/

Bemerkenswert ist der Konfessionswechsel: 1784 katholisch getauft, 1820 evangelisch getraut, die Kinder in Bleicherode evangelisch. Zwei Generationen später ging ein Enkel der Familie nach Rom, um Priester zu werden – das erscheint nun in einem ganz anderen Licht.

Auch für den Hinweis zum Bistumsarchiv Erfurt und zu Matricula vielen Dank – dann weiß ich, wohin ich mich für die Originale wenden muss.

Falls es für das Familienbuch Eichsfeld von Interesse ist: die weitere Linie des Johannes Andreas über Sollstedt und Bleicherode bis nach Italien kann ich inzwischen belegen und stelle die Daten gerne zur Verfügung – ich melde mich über die Kontaktadresse auf der Seite.

Nochmals herzlichen Dank und viele Grüße aus Florenz
Mirko Grewing
 
Das ist sehr gerne geschehen.

Bemerkenswert ist der Konfessionswechsel: 1784 katholisch getauft, 1820 evangelisch getraut,

Das muss nicht zwingend so sein, denn im katholischen Kirchenbuch von Bernterode (Breiten)Worbis finden sich durchaus auch evangelische(!) Taufen.

Das kann man aber nur über den entsprechenden Eintrag in diesem Kirchenbuch Bernterode (Breiten)Worbis klären.

Wenn Sie etwas Glück haben, dann kann Ihnen die Kontaktperson der AMF bereits mit diesem entsprechenden Kirchenbuchauszug weiterhelfen.

Weiterhin viel Erfolg bei Ihren Forschungen und viele Grüsse
Vera
 
Liebe Vera,

vielen Dank für diesen Hinweis – er kam genau zur richtigen Zeit.

Ich war nämlich schon dabei, aus dem rk-Vermerk eine Geschichte zu bauen: katholische Herkunft im Eichsfeld, und der Weg meines Urgroßvaters nach Rom als eine Art Rückkehr. Das las sich schlüssig – und wäre, wie ich jetzt weiß, eine Behauptung ohne Beleg gewesen. Ihr Beitrag hat mich davor bewahrt, sie aufzuschreiben.

Das Kreisarchiv Nordhausen hat angeboten, eine Übersicht zu meiner Familie dauerhaft zu hinterlegen. Dort steht die Konfession vor 1820 jetzt ausdrücklich als offene Frage, mit Ihrem Argument als Begründung. Als belegt gilt nur, was belegt ist: die lutherische Trauung 1820 in Sollstedt ohne Konversionsvermerk, die evangelischen Taufen der Kinder in Bleicherode und die ausdrücklich evangelische Kirche St. Marien im Traueintrag von 1857.

Ihrem Rat bin ich gefolgt: Ich habe die Kontaktperson des Familienbuchs Eichsfeld über das Kontaktformular angeschrieben und um den genauen Wortlaut des Taufeintrags von 1784 gebeten – Konfession, Amtsträger, Quellenangabe. Den Brief an das Bistumsarchiv Erfurt halte ich bis zu einer Antwort zurück, um dort nur nach dem zu fragen, was dann noch fehlt. Dem AGT bin ich beigetreten.

Falls Sie einmal Zeit und Lust haben, noch eine kleine Lesefrage: Im Traueintrag von 1820 steht der Geburtsname der Mutter des Bräutigams. Ich hatte den Anlaut als St gelesen und in Beitrag #6 auf Hotze korrigiert, weil das Familienbuch ihn so nennt – ganz sicher bin ich mir aber nicht. Über ein zweites Augenpaar wäre ich dankbar, ohne jede Eile:

Eines noch: Ich habe Sie in der Übersicht namentlich im Dank erwähnt, weil ohne Ihre Vermutung aus Beitrag #3 die Generation über Johannes Andreas unbekannt geblieben wäre. Sagen Sie mir bitte, wenn Sie das nicht möchten oder eine andere Form der Nennung bevorzugen – dann ändere ich es sofort.

Sobald der Taufeintrag von 1784 vorliegt, melde ich das hier im Thread, damit die Frage für andere Mitleser nicht offen bleibt.

Herzlichen Dank und viele Grüße aus Florenz
Mirko
 
Falls Sie einmal Zeit und Lust haben, noch eine kleine Lesefrage: Im Traueintrag von 1820 steht der Geburtsname der Mutter des Bräutigams. Ich hatte den Anlaut als St gelesen und in Beitrag #6 auf Hotze korrigiert,

Hallo Mirko.

Der erste Buchstabe des Geburtsnamens der Mutter ist ein "H".

Zum Vergleich siehe z.B. hier

"Heinrich" oder auch "Hause"

Allerdings lese ich ihren Geburtsnamen im KB Sollstedt nicht als "Hotze", sondern vielmehr als "Holze" - ein "t" dieses Kirchenbuchschreibers sieht zur infragestehenden Zeit anders aus.

Aber auch hier, kann im KB Bernterode selbstverständlich durchaus etwas Abweichendes stehen.

Hoffentlich hören Sie möglichst bald etwas von der AMF.
Ganz herzlichen Dank für die freundliche Erwähnung, die mich sehr freut, die aber nicht erforderlich gewesen wäre.

Mit besten Grüssen nach Florenz
Vera Nagel
 
Liebe Vera,

danke, das ist eine echte Korrektur und nicht nur eine Bestätigung. Der Anlaut H ist damit gesichert – mein "Stolze" ist endgültig vom Tisch – und Ihr Hinweis auf das t dieses Schreibers hat mich auf etwas gebracht, das ich sonst übersehen hätte.

In der Übersicht für das Kreisarchiv steht der Name jetzt so: der Sollstedter Eintrag von 1820 liest Holze, das Familienbuch Eichsfeld – aus den Bernteroder Registern gearbeitet – nennt Hotze. Beides kann richtig sein: der Sollstedter Pfarrer notierte 1820 nach Angabe des Bräutigams eine Frau, die schon 1807 gestorben war, während das Bernteroder Kirchenbuch sie zu Lebzeiten geführt hat. Maßgeblich wird der Bernteroder Eintrag selbst sein, in dem wiederum etwas Abweichendes stehen kann. Bis dahin führe ich beide Formen offen, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass wer nach dieser Familie sucht, beide Namensformen prüfen muss.

Da Sie keinen Einwand erhoben haben, lasse ich die namentliche Nennung im Dank stehen – sagen Sie mir bitte, falls Sie das anders möchten.

Sobald ich von der AMF oder aus Erfurt etwas höre, melde ich es hier.

Viele Grüße aus Florenz
Mirko
 
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