Bergenhusen

Hallo in die Runde!

Die Kirchenbücher in Bergenhusen fangen bei Geburten und Sterbefällen um 1660 an. Bei Heirateen aber erst um 1726.
Weiß da jemand den Grund?
Danke und Grüße
Micha
 
Moin Micha,

Kappeln: Taufen 1656, Trauungen 1763. Ähnliches immer wieder. Es ist also eher normal als Ausnahme.
Wir sollten uns eher freuen, dass wir auch Bücher vor 1763 haben. Erst ab dem Zeitpunkt wurden die Kirchenbücher genau und einheitlich geregelt.
Warum die Taufen früher anfangen? Irgendjemand sagte mal, dass es der Kirche wichtiger war festzustellen, welche und vor allem wieviele neuen Gemeindeglieder dazukamen als wann jemand starb oder heiratete.

Gruß
Bernd
 
Moin Bernd,
es ist so wie du sagst. Jedes Kirchenbuch was online ist, wird dankend angenommen.
Aber das mit den Taufen kann ich nicht glauben. Es ging der Kirche immer darum Geld einzunehmen. Und für Eheschließungen gab es gutes Geld. Erst recht wenn die Trauung in der Kirche war.
Schönes Wochenende
Micha
 
Moin Micha,
es gibt zwar das Buch von Jensen über die Kirchenbücher Schleswig-Holsteins, aber das mehr ein Verzeichnis, welche Kirchenbücher es überhaupt gibt. Das ist wichtig, aber warum es welche Kirchenbücher nicht gibt, warum sie wann anfangen, das erklärt es nicht, und sowas gibt es wohl leider auch nicht.
Dort sieht es dann z.B. so aus:
Bergenhusen T. 1659. Tr., V., St. 1727. Cfm. 1764. Cft. 1822. Kr. 1822.
Kosel T., Tr., St. 1763. Cft. 1836. Gr. 1835. Inv. 1820.
Kappeln T. 1656 (Lücke 1721-1723). Tr., St., Cfm. 1763.
Cft. 1776. V. 1767. Inv. 1764, 1802.
Handschrift von 1515. Streitigkeiten wegen des Patronats 1577.
Boel T., Tr. 1618. St. 1621. Cfm. 1717. V. 1717. Dep. 1671.
Kr. 1534. Chr. 1620—1690.
Verzeichnis der Pastoren von der Reformation bis 1830.
Ich wüsste schon gerne, warum in Bergenhusen Trauungen erst ca. 70 Jahre nach den Taufen gibt, in Kappeln sogar erst 107 Jahre später.
In Böel dagegen beginnt beides schon 1618! In Kosel erst 1763. Warum diese Unterschiede zwischen den Kirchspielen? Und wenn es in Kosel alles erst 1763 anfängt: warum sind dort keine Konfirmationen erfasst? Gas es etwa keine und mussten damals alle Konfirmanden z.B. nach Rieseby?
Es stellen sich viele Fragen, aber es ist keiner da, der sie beantworten kann. Wäre doch was für ein neues Buch :)

Ein schönes Wochenende
Bernd Schmidt

 
Hallo und Moin in den Norden des Nordens,

die Gründe sind wie so häufig vielfältig und meist simpler als gedacht.

Niemand schrieb Kirchenbücher als Selbstzweck. Die Taufbücher hatten klare Vorteile: die Getauften konnte der Pastor 13/14/15 Jahre später zum Konfirmandenunterricht viel einfacher einsammeln, wenn er sie schon mal als Liste da hatte. Die an den Pocken gestorbenen natürlich rausstreichen, die relativ wenigen Zugezogenen kannte man. Und die Reiheschule konnte man auch besser besetzen, man hatte ja das Alter gleich dabei. Die Symbole für die Toten findet man ja sogar häufig in den Kirchenbüchern bei den Taufen angemerkt. Vorausschauende Pastoren hatten später weniger Arbeit.

Der Staat hat die gleichen Vorteile natürlich auch erkannt. Aus den Getauften eines bestimmten Jahrgangs kann man Musterungen leicht zusammenstellen. Also Kirchenbuch gegriffen, gemustert und den Pastor die Arbeit machen lassen. Und spätere potentielle Steuerzahler hatte man auch schon mal namhaft dabei ...

Irgendwann hat man erkannt, dass man aus den getrauten auch erkennen kann, wer denn nun dem Pastor immer die in den Erbregistern genannten anderthalb Hühner zu Michaelis abgeben musste und so fort.

Da sich wohl immer nur bei einer neuen Stellenbesetzung etwas tat, erklären sich die Zeitabstände oder auch mal die Gleichzeitigkeit des Beginns. Nun ja, und dann sind ja auch mal Pfarrhäuser abgebrannt etc. Manches ist dabei wohl auch zufällig übriggeblieben, freuen wir uns darüber, wie oben schon erwähnt.

Gruß, Tonx
 
Moin Tonx,

ja, so in etwa könnte es gewesen sein. Auch das staatliche Interesse an den Taufen dürfte wichtig gewesen sein und erklärt, warum die Taufen eher da waren. Ein Wechsel des Pastors erklärt Lücken von einigen Jahren, aber nicht von Jahrzehnten oder gar über 100 Jahre wie bei Kappeln.
Und warum in in Böel sowohl Taufen als auch Trauungen schon 1620 anfangen, in Kosel aber erst 150 Jahre später ist mir nach wie vor ein Rätsel.
Ich denke bei Bergenhusen oder Kappeln wird es vielleicht so gewesen sein wie Du schreibst. Die Taufen waren wichtig und damit fing es an, anderes entwickelte sich mit der Zeit und das dauerte Jahrzehnte.
Der enorme Unterschied zwischen den Kirchspielen leuchtet mir aber nicht ein. Dass einige eben schon früher anfangen, andere etwas später, ok, das wären dann evtl. einige Jahrzehnte Unterschied, aber 150 Jahre? Der Nutzen der Taufen ist in Böel oder Bergenhusen ja nicht anders als in Kosel.
Und warum gibt es in Kosel keine Konfirmationen?
Es bleiben doch Rätsel.
Blieben dann die Brände. Ich habe aber irgendwo gelesen, dass das keine so große Rolle für Verluste spielte als man dachte. Verluste einzelner Bücher wären danach eher durch Mitnehhmen nach Hause und dort liegen lassen entstanden.

Gruß
Bernd
 
Hallo,
Danke für eure Meldungen.
Denke es wird wohl ein Rätsel bleiben. Eine Überlegung wäre vielleicht noch, ob es etwas mit Leibeigenschaft zu tun haben könnte. Wobei ich aber nicht weiß wie es damit oberhalb der Schlei ausgesehen hat.
Hier im südlichen Teil Schleswig-Holsteins gab es noch die Amtsbücher und Certenprotokole wo Eheschließungen festgehalten wurden.
Guten Start in die Woche
Micha
 
Hallo Micha,
an der Leibeigenschaft liegt es sicher nicht, denn die war in Böel meines Wissens nicht viel anders als in Kappeln.
Wir werden es wohl nicht klären können und müssen es so hinnehmen, wie es ist.
Eine gute Woche
Bernd
 
Moin Mitforscher,

es gibt natürlich auch ein paar Aspekte, die uns heute gar nicht mehr in den Sinn kommen, aber vor 300 Jahren von hoher Relevanz waren,

So war Schreibpapier damals ein teures Gut und quasi Hightechzeug. Jeder Bogen musste ja noch manuell mit Maschinenunterstützung in Papiermühlen hergestellt werden. Das ganze dann noch zu einem Buch zu binden, nämlich einem noch leeren Kirchenbuch, war ein weiterer Arbeitsschritt. Massenproduktion von Kontobüchern, wie man sie in den 1960er/1980er Jahren kannte gab es nicht. Und dann musste so ein Buch erstmal irgendwo in eine Pfarrei auf dem platten Land geschafft werden - als Einzelstück, denn sowas brauchte ja sonst niemand und der Pastor auch nur alle paar Jahrzehnte.

Buchbinder und Papiermacher waren teure Spezialisten, die Anschaffung von Kirchenbüchern musste der Pastor seiner Gemeinde auch erstmal plausibel machen. Irgendwo musste ja das Geld herkommen. Nicht, dass so etwas unbezahlbar war, aber man kann es vielleicht mit der Anschaffung eines heutigen simplen Laptops in der Kirchengemeinde vergleichen. Da fragt der Kirchenvorstand auch, wozu brauchen wir den denn? Und schon sind drei Pandemien ins Land gegangen ...

Ach ja, und irgendjemand musste ja auch schreiben können. Wenn das in der Kirchengemeinde nur der Pastor war, dürfte das auf seine Motivation zur Führung von Kirchenbüchern dämpfend gewirkt haben. Hatte er aber einen Vikar oder Adjunctus mit passabler Schreibschrift, der auch Lust dazu hatte, die Taufen der Kinder des Gutsherrn in prägnanter Schrift im Kirchenbuch hervorzuheben und das vorzeigen konnte, war das sicherlich förderlich. Dann stiftete der Gutsherr vielleicht auch noch Kirchenbücher für Trauungen und Begräbnisse. Man konnte ja nie wissen, ob da auch hübsche Eintragungen benötigt werden ...

Gruß, Tonx
 
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