Umgang der Archive mit digital vorliegendem Archivgut

Ursprünglich wollte ich diesen Beitrag in der Diskussion um die sächsischen Kirchenbücher posten. Allerdings finde ich, dass er eher ins allgemeine Forum passt.

Jetzt mal ein paar ganz verrückte Gedanken ...

Ich habe verstanden (oder glaube es verstanden zu haben), dass Kirchenbücher, die als Digitalisate in Dresden vorliegen und dort am Computer-Leseplatz eingesehen werden können, noch viele komplizierte und langwierige Arbeitsschritte durchlaufen müssen bis sie bei Archion verfügbar sind. Bitte keine weiteren Belehrungen zu diesem Thema.

Für Bücher in Bibliotheken gibt es seit 100 Jahren die sogenannte Fernleihe. Es ist nur allzu verständlich und berechtigt, dass Archive ihr Archivgut nicht auf gleiche Weise untereinander austauschen und jahrhundertealte, unikatäre Akten regelmäßig durch die ganze Republik verschicken.

Jedoch ist digital vorhandenes Archivgut im 21. Jahrhundert geradezu prädestiniert, nicht mehr nur an einem Ort allein nutzbar zu sein.
Wenn es im Lesesaal in Dresden am PC einsehbar ist, sollte es doch möglich sein, es auch im Lesesaal in z.B. Stuttgart am PC einzusehen. Dafür gäbe es sicher eine Handvoll Möglichkeiten, vom Versand von Festplatten oder DVDs bis hin zu den mannigfaltigen Möglichkeiten des Internets. Ich bin kein Computer-Fachmann, aber dort, wo ich arbeite, ist es möglich, dass ich per Remote-Verbindung auf Dateien auf Servern an einem anderen Standort zugreife. So müsste man die Daten nicht einmal auf einem Datenträger verschicken. Der Computerspeicher mit den Digitalisaten steht in Dresden. Darauf kann ein Benutzer, der im Dresdener Archiv im Lesesaal am PC sitzt, zugreifen. Es ist sicher möglich eine ähnliche Verbindung vom Lesesaal eines anderen Archivs aus einzurichten.
Viele Archive verfügen über digital vorhandenes Archivgut, das sie nur in ihrem Lesesaal an PCs bereitstellen. Klar, man will die archivische Hoheit über dieses Archivgut nicht aus der Hand geben. Man will auch nicht alles über das Internet an Hinz und Kunz verbreiten. Alles nachvollziehbar und in Ordnung.
Aber, so wie die Benutzung digitalen Archivguts unter archivfachlicher Aufsicht an den PCs im eigenen Lesesaal erfolgt, muss es doch möglich sein, diese Nutzung auch unter gleich strenger archivfachlicher Aufsicht an PCs im Lesesaal anderer Archive zu ermöglichen.

Das wäre doch mal ein interessantes Pilot-Projekt und würde zudem noch die Kooperation verschiedener Archive untereinander fördern. Und die Nutzer müssten nicht mehr quer durch die ganze Republik reisen um Digitalisate einzusehen, die ein Archiv nur zur Benutzung an Lesesaal-PCs vorsieht.
 
Ein physischer Versand ist gar nicht notwendig. Mit der Open-Source-Software Nextcloud läßt sich eine einfache und sichere Datenaustausch-Möglichkeit schaffen.

Ihr Projekt wird aber wieder bei den gleichen Archiven scheitern. Der Grund: Es besteht kein Interesse. Was mit den bekannten Gründen kaschiert werden wird.
 
Als Jemand der sich etwas mit Computer auskennt kann ich nur sagen, es ist technisch überhaupt kein Problem, also gar nicht, darüber zu diskutieren wie die Daten sicher ausgetauscht werden könnten ist recht sinnlos, das sind einfache pdf-files.

Die Probleme sind eher organisatorisch, finanziell, föderal, personell oder theologisch aber nicht technisch.
 
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