Stuprata

Über die Bezeichnung bin ich bei einem Eheeintrag gestolpert - besonders über die Übersetzung: geschändet, vergewaltigt.

Wie genau ist das zu sehen? Hier im Forum gibt es Beiträge, nach dem das Wort auch die meinen kann, die vorehelichen Verkehr hatte. Diese Abwertung scheint aber mal wieder nur die Frau zu betreffen.
Da uneheliche Kinder ja keine Seltenheit waren, müsste da der Begriff nicht öfter fallen? Was genau kann damit gemeint sein? Doch eine Vergewaltigung? Und ist der Bräutigam dann etwa der Täter?
 

vnagel2004

Moderation
Guten Morgen,

zum Einstieg in diese Frage von mir etwas Grundsätzliches:

stuprare = Latein = schänden

Daraus leiten sich in der Deklination sowohl eine stuprata = die Geschändete ab, wie auch ein stupratus = der Geschändete, aber auch ein Schänder (stuprator) ab.

Zur deutschen Bedeutung von schänden siehe z.B. hier: https://www.dwds.de/wb/schänden

Klar zu unterscheiden ist die stuprata - der gegen ihren erklärten Willen missbrauchten/geschändeten Person jedoch z.B. von der deflorata - der entjungferten, verführten Person.

Wenn man also in einem Eintrag ausdrücklich stuprata (oder Variation) findet, der Pfarrer sattelfest im Lateinischen war, dann kann man m.E. gesichert unterstellen, daß es zumindest Hinweise auf angewandte Gewalt gab.

(Wie zutreffend diese Hinweise defacto gewesen sind, kann dennoch nicht beurteilt werden.)

BG
 
Zuletzt bearbeitet:
Es ist erst das zweite Mal, dass ich überhaupt über eine solche Anmerkung stolpere. Und ich fürchte, dass der Begriff dann ganz bewusst gewählt wurde.
Über die gesellschaftliche Situation der betroffenen Frau denke ich dann lieber nicht weiter nach.
 

vnagel2004

Moderation
Und ist der Bräutigam dann etwa der Täter?

Das kann durchaus sein.
So gab es z.B. bereits im 18. Jahrhundert im damaligen deutschen Recht durchaus die Rechtsauffassung, daß eine "Stuprata" dann jeglichen Entschädigungsanspruch gegen den "Stuprator" verloren hat, wenn sie es abgelehnt hat, dem Antrag des "Stuprators" sie zu ehelichen zuzustimmen.
 
Das ist gruselig.
Ich bin in dem Alter, in dem ich mich noch gut erinnere, dass Vergewaltigung in der Ehe kein Thema war. Das wird wohl die gleiche Rechtsauffassung gewesen sein wie damals.

Und wir rümpfen heute die Nase über die Kulturen, wo leider ähnliches noch üblich ist. Dabei sind bei uns manche von diesem Denken immer noch nicht weit weg.

Ich hoffe nur, der Lebensweg meiner betroffenen Verwandten ist danach besser verlaufen.
 
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