Sächsische Kirchenbücher bei Archion – warum liegen bereits digitalisierte Bestände weiterhin offline?

@mziegenbein

Genau Leipzig (Stadt) zeigt die Problematik besonders deutlich.

Im Internetauftritt des Landeskirchlichen Archivs Sachsen heißt es seit Monaten lediglich: „Aktuell werden die Kirchenbücher des Kirchenbezirkes Leipzig für die Onlinestellung vorbereitet.“

Nach den öffentlich bekannten Zahlen sind jedoch von 1.188 bereits digitalisierten Kirchenbüchern des Kirchenbezirks Leipzig 972 Kirchenbücher (81,8 %) sofort veröffentlichungsfähig. Lediglich 216 Kirchenbücher betreffen die Personenstandsgrenze um 1876 und müßten vor einer Freischaltung noch manuell geprüft bzw. angepaßt werden.

Gerade deshalb stellt sich die Frage, weshalb auch die bereits vollständig freigabefähigen 972 Kirchenbücher weiterhin zurückgehalten werden. Für viele Forscher bedeutet das seit Monaten unnötige Wartezeiten, obwohl der weitaus größte Teil der Bestände längst genutzt werden könnte.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Botschaft der neu konstituierten Landessynode. Landesbischof Tobias Bilz betonte, daß in der Kirchenleitung verschiedene Perspektiven zusammengeführt und „nach Lösungen im gesamtkirchlichen Kontext“ gesucht werden sollen. Auch die neue Synodalpräsidentin Gunda Röstel sprach davon, gemeinsam Lösungen für die Zukunft der Landeskirche zu finden.

Vielleicht gehört dazu auch eine pragmatische Lösung bei den bereits digitalisierten Kirchenbüchern: Das freizuschalten, was heute ohne weiteres freigeschaltet werden kann, anstatt auf den Abschluß aller noch offenen Arbeiten zu warten.

maxkli
 
versteh nicht warum man künstlich sich die Arbeit machen muss und alles nach 1875 aussortieren muss ?
Wenn man die Schutzfristen einhält, muss bis auf die Taufen eventuell fast gar nichts bearbeitet werden.

Viel Aufwand und Zeit für keinen Vorteil !

Sven
 
@Jennybell

Auch Pirna ist ein gutes Beispiel dafür, weshalb viele Forscher zunehmend ungeduldig werden.

Im Internetauftritt des Landeskirchlichen Archivs in Dresden heißt es seit Monaten:

„Derzeit befinden sich die Kirchenbücher des Kirchenbezirkes Pirna bei der Sicherungsverfilmung/Digitalisierung und können voraussichtlich ab dem 4. Quartal 2026 im Landeskirchlichen Archiv für die Benutzung zur Verfügung stehen.“

Diese Nachricht ist einerseits erfreulich, weil die Digitalisierung offenbar voranschreitet.

Andererseits zeigt die bisherige Entwicklung in Sachsen leider auch ein anderes Bild: Zwischen abgeschlossener Digitalisierung, Benutzbarkeit im Archiv und der späteren Onlinestellung bei Archion liegen oftmals Jahre.

Genau diese zusätzliche Wartezeit ist für viele Forscher schwer nachvollziehbar. Die eigentliche Digitalisierungsarbeit ist bereits geleistet, dennoch bleiben die Bestände für einen großen Teil der Nutzer weiterhin nur mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand oder gar nicht erreichbar.

Gerade deshalb stellt sich die Frage, ob künftig nicht auch in Sachsen stärker darauf hingearbeitet werden sollte, bereits digitalisierte und benutzbare Kirchenbücher zeitnah online bereitzustellen. Das würde den Zugang zu unserem kirchlichen Kulturerbe erheblich erleichtern und den Erwartungen vieler Forscher entsprechen.


maxkli
 
versteh nicht warum man künstlich sich die Arbeit machen muss und alles nach 1875 aussortieren muss ?
Wenn man die Schutzfristen einhält, muss bis auf die Taufen eventuell fast gar nichts bearbeitet werden.

Viel Aufwand und Zeit für keinen Vorteil !

Sven
Es geht nicht um Schutzfristen sondern das hat theologischen Gründe. (Wäre eine extra Diskussion)
 
theologischen Gründe ?
Was hat sich denn dann 1875 geändert ? Nichts.

In Deutschland wird immer alles extra schwierig gemacht, bis nichts mehr weitergeht, so ist es leider in vielen Dingen geworden.

Sven
 
Gerade das immer wieder angeführte Argument des enormen Arbeitsaufwandes rund um die Zeit ab 1876 überzeugt mich nicht.

Ich habe die Nachbearbeitung bereits vorliegender Kirchenbuch-Digitalisate im PDF-Format selbst mit einfacher Standardsoftware (PDF24 Tools) praktisch getestet. Das Ergebnis zeigt, daß sich die erforderlichen Bearbeitungen problemlos durchführen lassen.

Hinzu kommt, daß die sächsischen Kirchenbücher des 19. Jahrhunderts überwiegend als tabellarische Vordrucke geführt wurden. Dadurch lassen sich einzelne Jahrgänge oder Seiten technisch sehr einfach bearbeiten ('abschneiden').

Auch die frei verfaßten, uneinheitlichen Register stellen aus meiner praktischen Erfahrung kein grundsätzliches Hindernis dar. Müssen einzelne Einträge unkenntlich gemacht werden, lassen sich diese mit derselben Software durch frei skalierbare Abdeckungen gezielt ausblenden, ohne den übrigen Inhalt der Seite zu beeinträchtigen.

Die s.g. erforderliche Nachbearbeitung ist technisch einfach. Der Aufwand ist überschaubar. Umso unverständlicher ist die seit Jahren andauernde Verzögerung der Onlinestellung tausender bereits digitalisierter Kirchenbücher durch das Archiv der Evang. Landeskirche Sachsens.


maxkli
 
theologischen Gründe ?
Was hat sich denn dann 1875 geändert ? Nichts.

In Deutschland wird immer alles extra schwierig gemacht, bis nichts mehr weitergeht, so ist es leider in vielen Dingen geworden.

Sven
Für uns Forscher sind die Kirchenbücher meist nichts weiter als historische Datums- und Namenangaben, völlig trocken und unsensibel.

Für die evangelische Kirche sind das aber Aufzeichnungen von wichtigen religiösen Amtshandlungen, also sowas wie sensible persönliche Daten von ihren Mitgliedern, aus Sicht der Kirche sind auch verstorbene Personen noch Teil der Glaubensgemeinschaft, und diese Daten gibt man verständlicherweise nicht einfach gerne frei raus wenn es nicht sein muss, die Kirche hat dann keine Kontrolle mehr darüber wer was damit macht.

Deswegen der Kompromiss, dass nur die Bücher vor 1876 online gestellt werden, weil dort dann doch das Forschungsinteresse höher gewichtet, eben weil es dafür keine anderen Quellen gibt.

Bitte darüber in diesen Thread keine Diskussion anfangen (der Mod kann diesen Beitrag von mir aus in einen extra Thread verschieben, dann kann das gerne dort breit diskutiert werden)
 
Vielleicht sollte berücksichtigt werden, dass in Deutschland Standesämter nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1876 flächendeckend eingeführt wurden und seitdem ausschließlich diese Dokumente rechtlichen Charakter haben. Bis dahin wurden diese Aufgaben von den Pfarrämtern vorgenommen.
Dadurch wurden in Kirchenbüchern z.B. keine Einträge mehr von Personen vorgenommen, die keiner Kirche angehörten. Dieses hat natürlich gerade in den letzten Jahren, durch die vielen Austritte aus der Kirche, erst richtig an Bedeutung gewonnen. Oder die Eheschließungen, die aus welchen Gründen auch immer, von der Kirche nicht ausgeführt wurden.
Somit fehlen viele Einträge in den Kirchenbüchern und nur die Eintragungen in den Standesämtern sind seitdem noch vollständig.

Bei einer korrekten Ahnenforschung muss man m.E. generell bis 1876 auf die Standesamtsunterlagen zurückgreifen. Das scheint auch der Grund zu sein, warum viele Kirchengemeinden die Bücher nach 1876 nicht mehr der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Da aber in vielen Gemeinden, gerade den kleineren, die Bücher nicht jahrgangsweise erstellt wurden/werden, nimmt die Bearbeitung schon eine gewisse Zeit in Anspruch.
 
@Joanna

Die Einführung der Standesämter 1876 steht außer Frage. Ebenso können Schutzregelungen sinnvoll sein. Offen bleibt jedoch, weshalb die erforderliche Nachbearbeitung bereits digitalisierter sächsischer Kirchenbücher über Jahre hinweg die Onlinestellung verhindert. Genau diese Frage interessiert viele Nutzer!
 
Zurück
Oben