Fundstücke (makabres, trauriges, erheiterndes)

Lieber Michael - ist ja alles gut - null Problemo.
Gebe Dir von Herzen recht:
Was bedeuten schon unsere kleinen Plänkeleien hier
gemessen an existentiellen Nöten,
in die immer mehr Menschen sind und hineinschlittern (können) - weltweit .
LG
 
Trunksucht, häusliche Gewalt und schreckliche Folgen
1780
d. 15. Juni. hat sich das betrübt und schröckliche Exempel
in der Gemeinde ergeben, daß Ursula Agnes,
Georg Teuzers, Weingärtners Ehweib
in der Völlerey und Trunckenheit, da ihro ihr
Ehmann deswegen etlich Straich gegeben, wie
Judas hingegangen, und sich in dem Mühl-
bach ersäufft hat.
Sie ist auf ergangenes gemeinschaftlich oberamtliches
Schreiben auf dem äußern Kirchhof[?] In locum
separatum abends um Glocken-Zeit begraben
worden.

Man beachte:
1. Das Opfer, die Ehefrau, die in den Selbstmord flieht, wird nicht nur vom Pfarrer verunglimpft (Judas-Vergleich), sondern auch noch öffentlich und offiziell abgestraft für ihre damals gesellschaftlich und religiös nicht akzeptable Selbsttötung, indem sie im Abseits vergraben wird.
2. Der Täter (der Ehemann, der Schläger) wird weder gerügt, noch darf davon ausgegangen werden, dass er in irgendeiner Form abgestraft worden ist.

Und alle haben weggeschaut.
 
1933 war es in einem Dorf noch so, dass ein Pastor Selbstmörder nicht kirchlich beerdigte;
ob die Vorschriften für Pfarrer von Region zu Region unterschiedlich waren, habe ich noch nicht
nachgesehen. - Selbstmörder waren Sünder - und leider haftete deren "Sünde" auch noch lange Zeit
den Familienmitgliedern an - obwohl sie nicht der Anlass waren. -
Die Denkweise hat sich dem Schöpfer sei Dank - geändert.

VG
 
Hochzeit hinter Gittern

Hab bei meiner Recherche gefunden:
Sträflingshochzeit


"Den 4.Dez.(1803) wurden als Sträflinge nach der Wasserpredigt (was ist das??) bei verschlossenen Thüren copuliert Johann Georg Sörgel ein hiesiger Dienstknecht des ehrsamen Georg Sörgel, Köbler zu Sendelbach bei Engelthal E. S. und Kunigunda des ehrsamen S?ephan Schillers ....

Allzu lange waren sie wohl keine Sträflinge, da 13 Monate später bekamen sie ein Kind.
War auch die Braut ein Sträfling?
Wie lest ihr den Beruf des Brautvaters?

Gruß Harald
 
Wenn heute der 1. April wäre, hätte ich behauptet, dass 1901 in Velbert ein Nachfahre des Erfinders der QWERTZ-Tastatur gestorben ist, dessen Name sich irgendwann von Qwertz zu Kuwertz abgeschliffen hat:
Bis zum 1. April hätte ich es aber wohl wieder vergessen ...

Gruß
Wolfgang
 
Ein arabischer Prinz in der württembergischen Provinz

d. 11. Sept 1772 langte hier ein Arabischer Prinz mit Namen Abud Sunda
an, und pernotirte [?*] im Wirthshauß. Es wurden demselbig[en] 1.fl. 30.xr. [**] vom Pio Corpore [***],
und ebenso viel von der Comun abgereicht. Er war türkisch gekleidet.

* pernottare (ital.) = über Nacht bleiben
** 1 florin (Gulden) 30 Kreuzer
*** Kirchenkasten (?)
 

14. Juli 1718 Sterbeeintrag
Catharina
1.) Johann Genten, 2.) Johann
Heinrich Spenglers, Steinhauer und
des Gerichts allhier nachgel. W.
welche in der großen Theuerung 1693 ...
öffters 20_24 ... hungrige Menschen
in einem Tag mit Speisen erquicket und
gelabt

Das hat mich berührt, dass der Pfarrer das noch extra im Sterbeeintrag festgehalten hat.

Grüße
Eva
 
Ämterhäufung 1772
Der "liebe Schwehrvater" des Pfarrers stirbt:

... 19. Jahr lang gewesener OberSchuld-
heiß des Seeburger UnterAmts, deßgleichen AusschußVer-
wandter, auch Zunfftmeister der löbl. Müller und Becken
Zunfft, HeiligenPfleeger, Zoller, Acciser [?] und Umgelder allhier
...
 

Diebstahl - im Knast - sich aufgehängt - weitergelebt - in Eisen gelegt - begnadigt - verheiratet - rückfällig geworden...

Das ist schon eine Geschichte wert im Kirchenbuch. Hier in der schon getippten Abschrift.
 
Durchaus nicht unüblich. Die Pfarrer kennzeichneten so uneheliche Geburten/Taufen. War dann bei der Durchsicht der Kirchenbücher sofort erkennbar.
Neben der kopfstehenden Version gibt es auch "querstehende" Taufeinträge für uneheliche Geborene, ein wenig seltener allerdings.
Spiegelschrift hab ich aber noch nirgends gesehen :)
 
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