Dann war meine Sorge um die Schicklichkeit der Frischverheirateten also unbegründet.
Wohl nicht ganz

: ein Hans Hertzing (derselbe?) lässt im Februar, also keine drei Monate nach der Hochzeit, eine Tochter taufen (
https://www.archion.de/p/6456431623/). Ich würde annehmen, dass es sich um eine Kopfbedeckung handelt, die analog (oder vielleicht als abgeschwächte Variante) zum Strohkranz getragen wurde - als äußeres Symbol für die Kirchenbuße. Ein weiterer Hinweis auf eine Fornikantenhochzeit könnte die Einbettung der Trauung in den normalen Sonntagsgottesdienst ("nach der Predigt") sein (Traugottesdienste wurden in Ottensoos zu dieser Zeit offenbar meist montags abgehalten).
Es finden sich etwa um die selbe Zeit weitere ähnlich gelagerte Fälle im Kirchenbuch: die Haube, die die Zukünftige des Hans Müller im Mai 1621 tragen muss (
https://www.archion.de/p/60d82dc8c7/), bezieht sich sicher auf den Sohn Conradt, welcher Ende September das Licht der Welt erblickt (
https://www.archion.de/p/af07d34d07/). Und auch die Eheleute Steffan Lindtner - Christina Wagner, die im September 1622 heiraten (
https://www.archion.de/p/cf632666ee/), scheinen schon in höchst freudiger Erwartung gewesen zu sein (
https://www.archion.de/p/65bfb6e248/). Diesen beiden Paaren blieb allerdings zumindest das "Vorgeführtwerden" im Rahmen des Sonntagsgottesdiensts erspart.
Es fällt auf, dass es ein Brautpaar gibt (
https://www.archion.de/p/e20c86d516/ -
https://www.archion.de/p/e50f1ded80/), welches den Strohkranz tragen und offenbar, sofern ich das "
von Eisen gefuhrt" korrekt interpretiere, zunächst eine Gefängnisstrafe absitzen musste. Ersteres könnte den Gepflogenheiten in der Stadt Lauf, wo die Copulation erfolgte, geschuldet sein (wobei etwas später auch in Ottensoos der Strohkranz zum Einsatz kam:
https://www.archion.de/p/2d59952bd2/). Letzteres hing, so mein Eindruck, mit Stand/Status und/oder der finanziellen Ausstattung der betroffenen Personen zusammen, bzw. auch mit dem Umstand, ob einer der Beteiligten ein "Auswärtiger" war. Auch eine Weigerung, die Ehe einzugehen, könnte dem Arrest vorausgegangen sein (vgl. hierzu und zum Thema "Zwangsverheiratung" auch Anmerkung 42 in dieser Quelle:
https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00108585?q=("strohkranz&page=110,111).
Ansonsten findet man nicht allzu viel zum Thema "Haube" als Kennzeichnung eines "gefallenen" Mädchens. In dieser literarischen Fundstelle fränkischer Provenienz, aber in Wien "spielend", wird der Begriff allerdings ebenfalls in obigem Sinne verwendet:
www.digitale-sammlungen.de