Umgang mit / Erfassung von Stiefkindern bzw. -eltern

Moin zusammen,
ich habe eine Fage an alle, insbesondere aber an die bereits sehr erfahrenen Kolleginnen und Kollegen:

Wie geht ihr mit Stiefkindern bzw. Stiefeltern um?
Z. B. stirbt eine Mutter bei/nach der Geburt des fünften Kindes und der Vater heiratet neu. Alle Kinder werden entsprechend von der Stiefmutter erzogen. Bisher habe ich, um diese Beziehung abzubilden, in der Datenbank entsprechend für alle diese Kinder die 2. Frau des Vaters als Stiefmutter eingetragen. Ist das üblich? Ist das sinnvoll? Sollte ich also Stiefkinder und Stiefeltern als solche markieren oder besser nicht?

Hintergrund ist ein Problem, dass sich in Ahnenblatt (vielleicht aber auch in anderen Programmen und im GEDCOM-Format) aus meinem bisherigen Vorgehen ergibt:
Gebe ich keinen leiblich Vater zusätzlich ein, erscheint ein zusätzlicher unbekannter Partner als Vater der Stiefkinder - gebe ich den leiblichen Vater als Partner der Stiefmutter ein, hat dieser im Programm einmal 5 Kinder mit der biologischen Kindsmutter und zusätzlich 5 Kinder mit der Stiefmutter und ist für die Datenbank plötzlich Vater von 10 Kindern - im Personenblatt des Vaters erscheinen alle fünf Kinder doppelt.

Glückauf
Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,

auch wenn ich "Ahnenblatt" nicht nutze und nur sehr rudimentäre Kenntnisse bzgl. "GEDCOM" besitze, so interessiert mich die techn. Natur des Problems (ich habe eine eigene Datenbank und früher oder später kommt das Problem wohl auch auf).

Ich habe diesen interessanten Thread (von 2018) im Ahnenblattforum gefunden, der eigentlich genau die Thematik beschreibt. Aber vielleicht hast Du den ja auch schon gefunden. In der dort beschriebenen Programm-Version scheint es aber leider keine wirklich "saubere" Lösung für das Problem zu geben.
 
Weshalb sollte ich Stiefkinder extra eintragen?
Das würde für mich nur in Sonderfällen Sinn machen. Sonst ist für die Ahnenforschung das leibliche Elternverhältnis ausschlaggebend. Wer die Kinder dann aufgezogen hat, können wir sowieso nur vermuten. Das ist ein sozialer Aspekt, der sich bei mir in Notizen zur Person findet, sofern er mir bekannt ist.
 
Schonmal mein Dank für die ersten drei Antworten!

[...] Ich habe diesen interessanten Thread (von 2018) im Ahnenblattforum gefunden [...]
Den hatte ich tatsächlich noch nicht gefunden, obwohl ich im Forum schon gesucht hatte.

Das würde für mich nur in Sonderfällen Sinn machen. Sonst ist für die Ahnenforschung das leibliche Elternverhältnis ausschlaggebend. Wer die Kinder dann aufgezogen hat, können wir sowieso nur vermuten. Das ist ein sozialer Aspekt, der sich bei mir in Notizen zur Person findet, sofern er mir bekannt ist.
Na ja, Ahnenforschung betrachte ich durchaus auch als eine soziale Forschung.
Es gibt genügend Beispiele, dass Kinder den leiblichen Vater gar nicht kannten, weil sie in früheren Jahrhunderten z. B. unehelich geboren wurden oder weil, u. a. im vergangenen Jahrhundert, der Vater nicht aus dem Krieg zurück gekommen ist. Der Stiefvater hatte dann im Leben sicher mehr Bedeutung, als die Gene des biologischen Vaters. Es macht auch einen Unterschied, ob ein Kind Einzelkind war oder Halbgeschwister hatte.

Eine besonders interessante Variante gibt es in einer Seitenlinie meiner Forschung:
Ein Mann heiratet eine Witwe mit sechs kleinen Kindern und sie haben zwei gemeinsame Kinder bevor sie stirbt. Er heiratet wieder und stirbt nach drei gemeinsamen Kindern wenige Jahre später. Die Witwe heiratet neu und aus den KB-Eintragungen, die ich zu dieser Familie im 18. Jahrhundert finden konnte, geht hervor, dass auch die Zweifach-Stiefkinder, die ja keinerlei biologische Verbindung zu ihren Stiefeltern hatten, in der Familie blieben und von den Stiefeltern "ordentlich verheiratet" wurden.

Ich bin gespannt auf weitere Beiträge und auch, ob es vielleicht eine Art "Standard" zu diesem Thema gibt.

Glückauf
Wolfgang
 
In jedem Genealogie-Programm sollte jede Person nur 1x vorkommen. Je nach Programm gibt es Möglichkeiten diese Person mit anderen zu verknüpfen. Aber sie wird deswegen nicht doppelt eingetragen. Da kann man den neuen Ehepartner eines Elternteils als Stiefelternteil benennen/verknüpfen.
Ich mache das nur wenn es eine Adoption gab, da das Kind dann in alle Rechte eines leiblichen Kindes eintritt. Richtiger Weise müßte ich dann die Verbindung zum leiblichen Elternteil lösen, was ich aber nicht mache.
Ansonsten ist es für mich auch ohne Verknüpfung klar das der neue Partner/Ehepartner eines Elternteils die Rolle des fehlenden Elternteils übernimmt.
Und ja, wenn in Bestattungseinträgen eine Person xxx Kinder hinterläßt müssen das nicht unbedingt leibliche Kinder sein sondern können "ererbt" sein.

Viele Grüße
Martina
 
Vielleicht ist es interessant, sich mal eine .ged-Datei mit einem Texteditor anzuschauen. Öffnet man eine .ged-Datei, so sieht dort ein Personeneintrag so aus:
0 @I-XXXXXXXXX@ INDI
1 NAME
2 GIVN
2 SURN
1 NAME
2 GIVN
2 SURN
1 SEX
1 FAMC @FYY@
1 FAMS @FZZZ@
1 BIRT
2 DATE
2 PLAC
1 DEAT
2 DATE
2 PLAC
Für weitere Informationen zu Personen oder Quellen gibt es weitere Elemente. Für Familien und Personen werden interne IDs vergeben

Für eine Familie findet sich dort:
0 @FXXX@ FAM
1 HUSB @I-XXXXXXXXA@
1 WIFE @I-XXXXXXXXB@
1 CHIL @I-XXXXXXXXC@
1 CHIL @I-XXXXXXXXD@
1 MARR
2 DATE
2 PLAC

Wird ein Kind einem Adoptivelternteil zugeordnet, so findet sich das:
0 @FXXX@ FAM
1 HUSB @I-XXXXXXXXA@
1 WIFE @I-XXXXXXXXB@
1 CHIL @I-XXXXXXXXC@
2 _FREL foster
1 MARR
2 DATE
2 PLAC
"Foster" bedeutet "Pflege", die Ziffer am Anfang einer Zeile die Hierarchieebene des Elements innerhalb eines Elements.

Für mich erschließt sich nicht, wo eine zusätzliche Person her kommen soll. Es scheint mir eher ein Problem der Darstellung des Programms zu sein.
 
Danke euch!

Die technische Seite ist nur der Hintergrund der Frage und ist bzgl. Ahnenblatt natürlich mit Dirk Böttcher zu besprechen und nicht hier. Auf jeden Fall ist der Blick auf die Struktur der .ged-Datei sehr interessant!
Es gibt in Ahnenblatt durch die Zuordnung von Stiefkindern keine doppeten Personen, sondern nur Dopplungen in der Datenauswertung (z. B. Mouseover-Anzeige im Navigator und im Familienbuch) - da hatte ich mich wohl unklar ausgedrückt.

Ich schließe aus den bisherigen Antworten, dass die Zuordnung von Stiefkinden bei Wiederverheiratung in der Genealogie mindestens unüblich zu sein scheint. Ich mache das auf jeden Fall gerne, damit ich im Navigator auf einen Blick die komplette Familie (außer zuvor verstorbener Kinder) einer Generation sehe.

Glückauf
Wolfgang
 
Ich benutze den Family Tree Builder, der Bäume mit ancestry und familysearch syncronisieren kann. Grund ist, daß ich auf ancestry gestartet bin. und auch jetzt noch Bäume habe. Die Bearbeitung von Beziehungen halte ich in ancestry allerdings für komfortabler. Aber da kann das Problem auch vor dem Schirm sitzen...

Von den Innereien einer .ged-Datei hatte ich keine Ahnung bis ich heute reingeschaut habe...
 
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