Sächsische Kirchenbücher bei Archion – warum liegen bereits digitalisierte Bestände weiterhin offline?

Guten Tag in die Forscher-Runde,

ich möchte hier ein Thema ansprechen, das viele von uns betrifft, aber selten offen benannt wird.

Das Landeskirchliche Archiv der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens verfügt seit Jahren über umfangreiche, vollständig digitalisierte Kirchenbücher, die im Dresdner Lesesaal im Intranet bereits einsehbar sind. Dennoch sind diese Bestände bis heute überhaupt nicht über Archion zugänglich.

Aktuell ist z. B. der Kirchenbezirk Auerbach online gegangen bzw. geht gerade online. Das ist natürlich begrüßenswert.

Aber: Auerbach ist mit 14 Kirchgemeinden einer der kleinsten Kirchenbezirke Sachsens – und seine Digitalisate lagen intern bereits seit Jahren fertig vor.

Für Forscher außerhalb Dresdens bedeutet das bislang:

Jahre des Wartens auf Daten, die längst existieren.

Das eigentliche Problem ist daher nicht, daß nichts passiert, sondern daß nur tröpfchenweise veröffentlicht wird, obwohl der Großteil der Digitalisate längst bereitsteht.

Ein weiterer, oft übersehener Punkt:

Das Dresdner Archiv erklärt auf seiner Website ausdrücklich, daß

das Lesen der alten deutschen Schrift zwingend erforderlich ist
und das Archivpersonal
nur in Ausnahmefällen kleinere Lesehilfen geben kann.

Mit anderen Worten:

Wer die Schrift nicht sicher beherrscht, steht im Lesesaal weitgehend allein.

Gleichzeitig wissen wir alle, daß genau diese Hilfe – also Transkription, gemeinsames Lesen, Entziffern – in genealogischen Internetforen täglich kompetent, schnell und kostenlos geleistet wird.
Nicht zuletzt hier im Archion-Forum.

Aber dafür müssen die Digitalisate online verfügbar sein.

Deshalb geht es hier nicht um „Geduld“ oder „noch ein paar Monate warten“, sondern um eine strukturelle Frage:

Warum bleiben bereits vorhandene Digitalisate in Sachsen offline, während sie anderswo längst im Netz sind?

Und vor allem:

• Wer von Euch wartet konkret auf sächsische Kirchenbücher bei Archion?

• Welche Orte oder Kirchenbezirke fehlen Euch aktuell?

• Welche Auswirkungen hat diese Nichtverfügbarkeit auf Eure Forschung?

Vielleicht können wir hier einmal sichtbar machen,
wie groß das tatsächliche Interesse an sächsischen Kirchenbüchern ist – und was diese Blockade in der Praxis bedeutet.

Ich freue mich auf Eure Erfahrungen.
Max Uwe (maxkli)
 
Ich warte sehnsüchtig auf Borna und Umgebung. Während ich meine mütterliche Seite (fast alles in der ehem. preußische Provinz Sachsen) teils bis ins 16. Jahrhundert zurück allein mit den digitalisierten KB erforschen und belegen kann, trete ich auf meiner väterlichen Seite seit Jahren auf der Stelle …

Ich würde mir so sehr wünschen, dass die EVLKS sich endlich aufraffen würde, ihre Kirchenbücher in solchem Umfang an Archion zu liefern wie es etwa das Archiv in Magdeburg schon seit Jahren hinbekommt.

Marcel
 
Ich warte (für einen Freund) auf Stützengrün, Schönheide (Kirchenbezirk Bezirk Aue) und daraus die Verbreitung.
...Stillstand ist die Folge, Problem löst sich wahrscheinlich biologisch!
Friedrich, Auerbach
 
Mein Forschungsgebiet erstreckt sich auf Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und ja leider, zum Großteil auf Sachsen. Ich warte sehnsüchtig auf die Kirchenkreise Annaberg, Marienberg und Leipzig. Eigentlich auch auf Bautzen, aber das ist ja noch nicht einmal verfilmt. Es ist schon sehr ärgerlich, denn es betrifft sowohl die väterliche als auch die mütterliche Linie. Und dabei nicht irgenwelche Nebenlinien, sondern direkt die Namenslinie meines Vaters und die meiner Mutter. Ich war schon in manchen Pfarrämtern unterwegs und habe dort schon so manchen Fund gemacht. Aber der Vorteil von Archion ist ja, dass man zu jeder Zeit forschen kann. Oft ist es mir schon passiert, dass ich beim nochmaligen Lesen des Kirchenbucheintrages noch etwas entdeckt habe. Bei Archion kann man seine Entdeckungen ganz einfach und jederzeit überprüfen und weiter verfolgen. Ins Pfarramt fährt man nicht gleich noch einmal, denn die liegen nicht unbedingt immer gleich um die Ecke. Also kurz gesagt, die fehlenden sächsischen Kirchenbücher sind eine enorme Behinderung für meine Forschungstätigkeit. Wenn man sieht, wie es bei anderen Landeskirchen läuft, kann man da schon sehr neidisch werden.
 
Archivmaterial zu digitalisieren bringt den riesigen Vorteil, dass man es weltweit zu jeder Zeit zur Verfügung stellen kann.
Digitalisate sind von Natur aus nicht zeit- oder ortsgebunden.
Wenn diese Digitalisate dann aber nur an einem einzigen Ort zu bestimmten Öffnungszeiten einsehbar sind, hat man eigentlich gar nichts erreicht. (außer dass die Originale geschont werden)

Ich warte auf Marienberg, Pirna, Großenhain, Oberlausitz, Riesa, Leipziger Land, ... ein Teil davon ist schon seit Jahren digitalisiert. Ich kann zwar in Landeskirchenarchiv fahren aber das Forschen dort am Rechner ist sehr umständlich, gerade wenn man in der Tiefe forscht mit allen Nebenlinien usw. ist das extrem unpraktikabel.
Und gerade zu Feierabend oder am Wochenende wo man am meisten Zeit hat, hat der Lesesaal natürlich zu.

Zur Situation in Sachsen kann ich auf die Karten verweisen
Sachsenkarte
Archionkarte 2.0
Gerade auf der Archionkarte sieht man für Sachsen im Gegensatz zu anderen Bundesländern ein riesiges Loch :confused:
 
Meine Vorfahren väterlicherseits kommen alle aus Sachsen, bzw. Mittelsachsen, kleine Orte wie Crossen, Arnsdorf,
Terpitzsch, Colditz ...
Ich warte auf Leipzig usw.
Die Sachsenlöcher sind genauso so zahlreich wie die aus dem Rheinland. :cry:
 
Ich freue mich sehr, dass das Problem Sächsische Landeskirche wieder in den Fokus gerückt wird.

Ich forsche überwiegend im sächsischen Raum. Mit zunehmendem Alter wird es immer weniger wahrscheinlich, mehrmals im Jahr den weiten Weg vom Niederrhein nach Dresden anzutreten. Und dies nur, um im Archiv einige wenige Ergebnisse zu erzielen. Die Bedingungen im Lesesaal sind zwar um Längen besser sind als auf der Kreuzstraße. Aber um die Forschungen effektiv zu betreiben, braucht man viel Zeit und ein komfortables Umfeld ohne Zeitdruck. Daher ist ARCHION die beste Lösung für die Familienforschung!!

Warum sich die Sächsische Landeskirche trotz diverser Interventionen weiterhin sperrt, erschließt sich mir nicht. Andere Kirchen sind da wesentlich kooperativer. Landeskirche Magdeburg, Ev.-luth. Kirche in Bayern, Bistumsarchiv Trier, um nur einige wenige Beispiele der jüngsten Zeit zu nennen.

Ich persönlich warte dringend auf die Kirchenbezirke Löbau-Zittau, Annaberg und Großenhain. Ich hoffe, dass in diesem Jahr nicht nur der relativ kleine Kirchenbezirk Auerbach den Weg zu ARCHION findet.
 
Ein neuer Thread zur Agitation gegen die viel zu langsame Landeskirche? Die Dinge sind doch schon vor etlichen Wochen ausführlich genannt worden und wollen (zumindest von mir) nicht schon wieder in epischer Breite und ähnlicher Polemik im Archion-Forum gelesen werden. Um Goethe zu zitieren: "Getretener Quark wird breit, nicht stark."

Wie wäre es mit eine Gruppe (Mail, WhatsApp oder was auch immer) außerhalb des Archion-Forums, um sich spezifisch dazu auszutauschen? Archion hat, soweit mir bekannt, immer noch keinen Einfluss auf die Lieferung von Digitalisaten..
 
Ein neuer Thread zur Agitation gegen die viel zu langsame Landeskirche? Die Dinge sind doch schon vor etlichen Wochen ausführlich genannt worden und wollen (zumindest von mir) nicht schon wieder in epischer Breite und ähnlicher Polemik im Archion-Forum gelesen werden. Um Goethe zu zitieren: "Getretener Quark wird breit, nicht stark."

Wie wäre es mit eine Gruppe (Mail, WhatsApp oder was auch immer) außerhalb des Archion-Forums, um sich spezifisch dazu auszutauschen? Archion hat, soweit mir bekannt, immer noch keinen Einfluss auf die Lieferung von Digitalisaten..

Danke an @Wolfgang_F für den klaren Beitrag!

Ich möchte hier kurz sachlich ergänzen:

Wer jemals im Landeskirchenarchiv Dresden vor Ort gearbeitet oder Digitalisate im Lesesaal genutzt hat, weiß: Die vollständigen Digitalisate liegen vor (#DigitalisierungVorhanden), inklusive aller Schutzfristen-Prüfungen (#SchutzfristenPrüfung).

Der Punkt ist:
Es gibt keine technischen oder rechtlichen Hindernisse, diese Digitalisate über Archion öffentlich bereitzustellen.

Daß manche Threads im Forum geschlossen werden, zeigt die Vorsicht bei Diskussionen über Abläufe und Verzögerungen, nicht die Abwesenheit von Fakten.
Es geht um strukturierte Vorenthaltung von Informationen (#Zugangsblockade) – nicht um falsche Angaben.

Wer Erfahrungen vor Ort hat (Lesesaal, Pfarramt, Schutzfristen), kann gern kurz schildern, welche Prozesse transparent funktionieren und wo es noch Verzögerungen gibt.

So bleiben wir im Forum, konzentriert auf Fakten, ohne epische Wiederholung oder Polemik, und halten die Diskussion konstruktiv.

maxkli
 
Ich möchte hier kurz sachlich ergänzen: [...]
Wurde alles schon in irgendeiner Form im Forum geschrieben und ist somit bekannt. Kann für Interessierte m. E. auch gerne in einer Mailingliste weiter besprochen werden - dort können auch gerne Absprachen bzgl. der Auseinandersetzung mit der Landeskirche erfolgen. Das hat nichts mit Archion zu tun und bietet auch keine interessanten Informationen zu Familienforschung.
 
Wurde alles schon in irgendeiner Form im Forum geschrieben und ist somit bekannt. Kann für Interessierte m. E. auch gerne in einer Mailingliste weiter besprochen werden - dort können auch gerne Absprachen bzgl. der Auseinandersetzung mit der Landeskirche erfolgen. Das hat nichts mit Archion zu tun und bietet auch keine interessanten Informationen zu Familienforschung.

Danke für die Einordnung.

Ich sehe das etwas anders: Die Frage, welche Kirchenbücher bereits digitalisiert sind und welche davon über Archion zugänglich sind, betrifft unmittelbar die praktische Familienforschung – also genau das, wofür viele hier das Forum nutzen.

Gerade die Unterscheidung zwischen „Digitalisat liegt vor“ und „online verfügbar“ ist für Forscher entscheidend, weil sie darüber bestimmt, ob man planen, warten oder andere Wege suchen muß.

Deshalb halte ich es für sinnvoll, diese Informationen hier im Forum sachlich zu bündeln, unabhängig davon, wo oder wie darüber hinaus mit der Landeskirche gesprochen wird.
 
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