Lesehilfe und Bedeutung - Nürnberg 16. Jahrhundert

Hallo,

ich benötige ein wenig Hilfe bei zwei Einträgen aus den Kirchenbüchern Nürnbergs (16. Jahrhundert).

1. Wie heißt die Braut?

Es geht um den Eintrag am 31.06.1556! :-D Tolles Datum! Also ich lese "Georg Koczel Margareta Dürrigin"?
https://www.archion.de/p/8562560d7d/
Ich würde hier dann auf Düring/Döring tippen, zumindest gab es 1535 eine Taufe einer Margaretha Döring/Düring.

2. Bezeichnung "fa:" bzw. "famula"

"Christina fa: Praunskron
https://www.archion.de/p/8562560d7d/

Dazu die Karteikarte:
https://www.archion.de/p/8562560d7d/

"Famula" wäre eigentlich eine Magd/Dienerin. Es gab wohl vor 1535 einen Benedict Praunskorn, der 1534 auswärts (in Coburg) verstorben ist. Er war Goldschmied von Beruf. War sie dann eine Magd des Goldschmieds oder meinte man damit, dass sie eigentlich eine geborene Praunskorn war.

Wer kann mir bei den beiden Punkten weiterhelfen? Vielen lieben Dank.

Martin
 
Guten Tag,

den Bräutigam im ersten Link würde ich eher als Porzel lesen. Der Name kommt in Nürnberg (auch als Portzel oder Purtzel meine ich) vor. In der Verkartung habe ich die Verbindung auf Anhieb nicht gefunden, aber das kann manchmal etwas dauern.

Ich hätte fa. als filia gelesen! Anderswo, als die Angaben schon ausführlicher sind, steht freilich mitunter dabei, wo die Brautleute derzeit im Dienst stehen (dann aber idR auch unter Angabe des Vaters). Bei diesen Minimalnotizen aber macht filia schon mehr Sinn.

Leider kann ich Moment zum Namen der Braut im ersten Link wenig sagen. Ich hätte ohne lokale Vorbelastung auch Dürrig(in) bzw. Dürrip(in) gelesen. Möglich, dass sich der Name als Düring auflöst, aber ich kenne die Namensvielfalt und -variationen in der Ecke nicht gut genug.

Beste Grüße
Daniel
 
Guten Tag,

ja, ich hätte auch eher auf filia getippt Die Bezeichnung famula ist mir ansonsten in den Nürnberger Kirchenbüchern nicht vorgekommen. Ein paar Einträge weiter oben im Buch wieder ein "fa:" - auf der Karteikarte wird wieder "famula" geschrieben:
https://www.archion.de/p/81dd6a9246/

Vermutlich eher eine "filia" aus der oberen Bürgerschicht, aber eben keine Patrizierfamilie, da dieses "fa:" nicht bei jedem Heiratseintrag erscheint.

Das muss aber ein "K" sein, wenn man den ersten Link aus meinem ersten Beitrag aufruft und drei bzw. sechs Einträge hochgeht, dann sieht man dort jeweils einen Familiennamen mit "P".

Grüße
Martin
 
Guten Tag,

Sie haben recht! Es wäre kein sehr schönes K, aber es sieht in der Tat etwas wie das K von Kunigunde usw. aus.

Als Koczel löst es ja auch die Verkartung auf. Im Rahmen könnte es freilich eine Variation von Kotzel oder Kötzler usw. sein. Tatsächlich halte ich das vermeintliche c vor dem z nun für ein kleines t. An sich wäre es also als Kotzel zu lesen.

Beim Mädchennamen der Frau kann ich im Moment nicht weiterhelfen. Vielleicht finde ich am Wochenende Gelegenheit, da mal näher reinzusehen.

Beste Grüße
Daniel
 
Das K ist schon richtig gelesen, vgl. die vielen Katharinas: https://www.archion.de/p/52ed875b5a/. Das c vor dem z auch (auch wenn das t dieses Schreibers vor einem z manchmal sehr klein ausfällt, aber die Schreibweise mit "cz" war ja durchaus auch üblich (Beispiel: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00027065?page=172&q=lorencz)). Durrig[in] und Düring/Döring halte ich für problemlos vereinbar.

Zum "famula-Problem": es tauchen in diesem Buch, auch ausgeschrieben, nicht nur "famulas", sondern auch "filias" auf. Das ist natürlich insofern inkonsistent, als die vielen auf "-in" endenden Bräute ja nicht alles Wittwen, sondern wohl in der Mehrzahl ebenfalls Töchter sind. Ob man aus der Verwendung von "filia" auf ihre gesellschaftliche Stellung rückschließen kann? Das wäre mir "zu heiß". Aufgefallen ist mir an diesen Stellen: ein Schmied als Bräutigam, ein Kammmacher, ein Schuster. Und die entsprechenden Einträge sind vergleichsweise selten. Und ob der Schreiber (in diesem Fall handelt es sich ja ohnehin um einen "Abschreiber", da es sich hier um die alphabetisch geordnete KB-Version handelt) die Nürnberger Bürger dahingehend einschätzen konnte, würde ich auch eher bezweifeln, bzw. ebenso, dass der/die Verfasser der Originaleinträge die hierfür über sehr viele Einträge hinweg erforderliche, entsprechende Disziplin einer konsequenten Handhabung aufgebracht hat/haben. Die nächste Frage wäre, ob man gesichert davon ausgehen kann, dass der Schreiber, wenn er sich auf eine famula bezieht, dies konsequent mit "fam/fma/fmla" abgekürzt hat, und wenn er eine filia meint, mit "fa"? Ich glaube, auch darauf würde mich nicht hundertprozentig verlassen. Leider ist aus dieser Zeit offenbar kein "chronologisches" Buch mehr vorhanden, welches man zu Rate ziehen könnte: https://www.archion.de/p/96e2d7e215/
 
Vielen lieben Dank für die Ausführungen.

Der Benedikt Braunskorn ist mir nur bei den Nürnberger Gerichtsbüchern aufgefallen, der in der Zeit vor 1537 erwähnt wird. Die Einträge kann man zum Glück bei familysearch abrufen.

Grüße
Martin
 
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