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Jakob Friedrich Kammerer entdecken:

Ein Demokrat und seine zündende Idee

Jakob Friedrich Kammerer, geboren am 24. Mai 1796 in Ehningen (Württemberg), würde diesen Monat 220 Jahre alt werden. Ohne ihn würden wir ab und an im Dunkeln tappen, denn er hat 1832 das Phosphorreibestreichholz erfunden.

Kammerer hatte zunächst das Siebmachergeschäft seines Vaters fortgeführt. Da dies aber zu wenig einbrachte, wurde er Hutmacher. Auch andere Dinge produzierte er im Laufe der Zeit, darunter sollen auch wasserdichte Stiefel und Musikinstrumente gewesen sein. Bekannt wurde er durch die Erfindung des Phosphorstreichholzes.

Noch Anfang des 19. Jahrhunderts war das Entfachen eines Feuers eine mühselige Angelegenheit. Zwar waren schon Feuerzeuge und Zündhölzer erfunden - doch zur Benutzung musste mit gefährlichen Chemikalien hantiert werden, die zu Hautverletzungen führen konnten. Erst das Phosphorstreichholz, das an einer Reibefläche entzündet wurde, erleichterte den Alltag der Menschen ungemein. Es lässt sich zwar nicht ganz sicher feststellen, wer der Erfinder war, Kammerer gehörte auf jeden Fall zu den Pionieren. Ab 1832 produzierte er seine Streichhölzer in Ludwigsburg.

Jakob Friedrich Kammerer war nicht nur ein Erfinder und Unternehmer, er war auch ein überzeugter Demokrat. Er brachte von einer Reise eine französische Revolutionsverfassung von 1793 aus Straßburg mit und war Teilnehmer des Hambacher Festes 1832. Im Zuge einer Verhaftungswelle kam er 1833 in Untersuchungshaft, wurde jedoch nach drei Monaten gegen Kaution freigelassen. Schließlich wurde er 1838 wegen seiner demokratischen Aktivitäten zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er wurde 1840 unter der Bedingung begnadigt, innerhalb von vier Wochen nach Nordamerika auszuwandern.

Er floh daraufhin nach Riesbach bei Zürich, wo er wieder eine Zündholzfabrik aufbaute. Sein Haus wurde zum Zufluchtsort für politische Flüchtlinge der 1848er Revolution in Deutschland. So nahm er etwa den Pädagogen Friedrich Fröbel, den Revolutionsführer Friedrich Hecker und den Dichter Georg Herwegh auf.

Kammerer war dreimal verheiratet, seine Tochter Emilie aus zweiter Ehe war die Mutter des Dichters Frank Wedekind. Kammerer selbst konnte später wieder in seine alte Heimat zurückkehren, wo er am 23. Oktober 1857 starb.