Commatres und Compatres: frühes Gendern?

Geschlechtergerechte Sprache ist eine aktuelle Thematik und entspricht dem Zeitgeist. So die gängige Meinung heute. Doch ist eine geschlechtergerechte Sprache wirklich neu? Ein Eintrag ins Kirchenbuch von Holzheim zeigt ganz deutlich, dass sich der damalige Pfarrer schon im Jahr 1668 Gedanken um eine gleichberechtigte Sprache gemacht hat.

Paten, patrini, susceptores, testes, levans und viele mehr. Bezeichnungen für Taufpaten und Taufpatinnen in historischen Kirchenbüchern sind vielfältig und größtenteils im generischen Maskulin verwendet. Ein ungewöhnlicher Eintrag im Kirchenbuch von Holzheim zeigt jedoch, dass sich der damalige Pfarrer, anders als es in einer patriarchalen Gesellschaft üblich war, schon vor 350 Jahren Gedanken um eine gleichberechtigte Sprache von Frauen und Männern gemacht hat. Was man heute mit einem Binnen-I, einem Gendersternchen oder einem Doppelpunkt darstellt, wurde hier anders gelöst.

Landeskirchliches Archiv Stuttgart > Dekanat Göppingen > Holzheim > Taufregister 1642-1678 Band 2, Bild 43

Vielen Dank

Vielen Dank an Archionforscher Michael Siegle für das Fundstück und vielen Dank für die Idee zu Text und Bild.

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