Von Kunstbegeisterung und architektonischer Leidenschaft

Erben von großen Vermögen wird gerne nachgesagt, sie würden sich auf dem Erfolg ihrer Vorfahren ausruhen. Wer in eine reiche Familie geboren wird, hat und hatte insbesondere im 19. Jahrhundert Privilegien, von denen andere Bevölkerungsschichten nicht zu träumen gewagt hätten. Große Vermögen boten und bieten aber auch die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung. Im Falle des Hageners Karl Ernst Osthaus führte die Selbstverwirklichung zu einer nachhaltigen Förderung der zeitgenössischen Kunst und Architektur, die heute noch als „Hagener Impuls" bekannt ist.

Geboren am 15. April 1874, zeigte Osthaus schon früh Begeisterung für die schönen Künste. Sein Vater, Bankier der Essener Credit-Anstalt, hatte allerdings einen anderen Lebensweg für ihn vorgesehen. Erst nach einem Nervenzusammenbruch erlaubte er Karl, seine kaufmännische Lehre abzubrechen. Es folgte ein Studium der Philosophie und Kunstgeschichte in mehreren Städten, u.a. Wien, Straßburg, München und Berlin. Er sammelte Berufserfahrung bei bekannten Vertretern der Museums- und Kunstszene, bevor er 1896 das Vermögen seiner Großeltern mütterlicherseits erbte. Er kehrte nach Beendigung des Studiums 1898 in seine Heimatstadt Hagen zurück und verwirklichte dort sein Projekt der Errichtung eines eigenen Museums, das Museum Folkwang, heute das Osthaus Museum Hagen, das erste Museum für zeitgenössische Kunst seiner Zeit. Er prägte die kulturelle Entwicklung der Stadt Hagen entscheidend, gründete und förderte Künstlerkolonien, Werkstätten und Lehranstalten. Als Mitglied des Deutschen Werkbunds regte er die Gründung des „Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe" an.

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Vor allem durch herausragende Bauwerke inspirierte Osthaus seine Zeitgenossen zu modernem Bauen. Er war ein Vordenker, der das künstlerische Potenzial seiner Zeit erkannte und sich unermüdlich dafür einsetzte. Durch seinen Einzug in den Kriegsdienst begrenzt sich sein Wirken auf eine eher geringe Zeitspanne. In Folge eines schweren Leidens starb er am 27. März 1921 in Meran, Italien. Heute zu seinem 100sten Todestag erinnern wir an sein Wirken. Der größte Teil seiner umfangreichen Kunstsammlung wurde nach seinem Tod an die Stadt Essen verkauft, wo das Museum Folkwang neu eingerichtet wurde und bis heute zahlreichen Besuchern Kunst und Freude bereitet.

 

(In einer früheren Version wurde sein Todestag mit dem 25. März 2021 angegeben.)