EIN LEBEN IM STÄNDIGEN KAMPF

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Der ständige Kampf mit dem Leben, der Gesellschaft und dem Tod bestimmten das Dasein des letzten Deutschen Kaisers des 1871 proklamierten Deutschen Kaiserreichs. Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen kam am 27. Januar 1859 im Kronprinzenpalais in Berlin zur Welt. Der Screenshots aus Archion zeigen seinen Tauf- sowie seinen Konfirmationseintrag. Während der Geburt traten Komplikationen auf, die zu einer Unterversorgung und anschließenden Lähmung des linken Arms des Prinzen führte. Der Arm blieb Zeit seines Lebens unterentwickelt. Seine Mutter Victoria (1840 – 1901), Tochter der britischen Königin Victoria, sah das als persönliches Versagen an und versuchte, durch teils skurrile Kuren die Behinderung ihres Sohnes zu lindern.  Diese Torturen ließen Wilhelm mit Unbehagen an seine Kindheit zurückdenken. 

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Dreißig Jahre lang regierte Wilhelm das Deutsche Reich, weshalb die Zeitspanne von 1888 bis 1918 auch als „Wilhelminische Epoche“ bezeichnet wird. Von strenger Hand erzogen, sich nach Anerkennung sehnend und immer in dem Wissen, körperlich nicht den Ansprüchen des Amts zu genügen, wuchs Wilhelm zu einem misstrauischen Menschen heran, der sofort das Schlechte in seinen Mitmenschen sah. In einem Brief aus den 1890er warnte ihn seine Mutter davor, dem Stolz und der Überheblichkeit anheim zu fallen, die hohe Machtpositionen mit sich bringen: „Du bist jetzt jung, gesund und erfolgreich, und arrogant & überheblich im Stolze Deiner neugewonnenen Macht, (...) ein egoistisches Missachten der Gefühle & Wünsche anderer immer, früher oder später, die egoistische Person selbst schwer straft & Mangel an kindlicher Demut bleibt nie ungerächt."

Seine nationalistische, konservative und unerbittliche militärische Haltung wird vor allem in seinen Reden deutlich, aus denen uns bis heute Zitate geläufig sind, wie beispielsweise aus der berühmten „Hunnenrede“ zur Niederschlagung des Boxeraufstands in China: „Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, (...) so möge der Name Deutscher in China auf tausend Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, dass es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!" 

Trotz seiner Bemühungen, durch soziale Reformen, die unter anderem das Verbot der Sonntagsarbeit, der Nachtarbeit für Frauen und Kinder, der Frauenarbeit während der letzten Schwangerschaftsmonate sowie Einschränkungen der Arbeit von Kindern unter vierzehn Jahren vorsahen, die Not der Deutschen zu lindern, wurde in der Presse Zeit seines Lebens Kritik an der Politik des Kaisers laut. Nach Ende des Ersten Weltkriegs und großen politischen Veränderungen wurde ihm die freiwillige Abdankung nahegelegt. Auch, wenn Überlegungen zu einer militärischen Offensive gegen die vorangeschrittene Revolution im Raum standen, blieb dem Kaiser keine andere Wahl, als abzudanken. Die Revolution hatte Berlin erreicht, Max von Baden hatte bereits die Abdankung Wilhelms als Kaiser und König bekannt gegeben und Friedrich Ebert das Amt des Reichskanzlers übertragen. Zeitgleich hatten Philipp Scheidemann und Karl Liebknecht die Republik ausgerufen. Wilhelm dankte offiziell am 28. November 1918 ab, 19 Tage nach diesen Ereignissen. Doch sein Wunsch, auf den Thron zurückzukehren, blieb. So veranlasste er auch, nachdem er sich ins Exil in die Niederlande zurückgezogen hatte, dass seine Gebeine nach seinem Tod erst auf deutschen Boden überführt werden sollten, wenn die Monarchie wieder eingerichtet worden wäre. Er verstarb am vierten Juni 1941 im Haus Doorn.