Philipp Jakob Siebenpfeiffer und das Hambacher Fest

Vor 190 Jahren fand das Hambacher Fest statt. Es gilt bis heute als Höhepunkt der politisch-oppositionellen Bewegung des frühen 19. Jahrhunderts, die liberale und demokratische Forderungen erhob und neben mehr nationaler Einheit auch freie Meinungsäußerung sowie eine Gleichberechtigung der Frau verlangte. Es waren nicht nur junge Akademiker, die diese Bewegung trugen, sondern auch breite Kreise des Kleinbürgertums und des Handwerks. Es wird geschätzt, dass etwa 20.000 bis 30.000 Menschen aus verschiedenen deutschen Bundesstaaten, aber auch aus dem Ausland auf dem Hambacher Fest zusammenkamen, um ihrer politischen Gesinnung Ausdruck zu verleihen und für ein gemeinsames Europa einzustehen. Konservative Kreise standen dem Hambacher Fest ablehnend gegenüber, zumal einige der Teilnehmer des Festes auch einen gewaltsamen Umsturz nicht ablehnten. So reagierte der Deutsche Bund mit vermehrter Repression: die Versammlungs- und Pressefreiheit wurde eingeschränkt, die Universitäten wurden überwacht und die Organisatoren und Redner des Hambacher Festes wurden staatsanwaltschaftlich verfolgt und vor Gericht gestellt. Viele zogen sich daraufhin vom politischen Leben zurück.

Einer dieser Angeklagten war der Mitinitiator Philipp Jakob Siebenpfeiffer. Geboren wurde dieser am 12. November 1789 in Lahr, einer Stadt im Südwesten Baden-Württembergs. Siebenpfeiffer, der an der Universität Freiburg ein Jurastudium absolviert hatte, arbeitete zunächst als Verwaltungsbeamter, wo er für soziale Missstände sensibel wurde. Er wandte sich mit Verbesserungsvorschlägen an seine Regierung, die jedoch nicht reagierte, sodass Siebenpfeiffer journalistisch und publizistisch tätig wurde und auch einen Verein für kritische Publizisten und Politiker gründete, um bestimmte Reformen vorzustellen und einzuleiten. In dieser Tätigkeit machte Siebenpfeiffer in direkter Linie Bekanntschaft mit Zensur und Berufsverbot. In Folge des Hambacher Festes wurde Siebenpfeiffer zusammen mit anderen Mitinitiatoren und Beteiligten in Haft genommen, doch am Ende des Gerichtsprozesses erfolgte der Freispruch durch das Geschworenengericht. Eine Gefängnisstrafe aufgrund Beamtenbeleidigung wurde dennoch festgelegt, der Siebenpfeiffer aber im Jahr 1833 durch Gefängnisflucht in die Schweiz entgehen konnte. Dort erhielt Siebenpfeiffer neben Asyl und auch eine Anstellung als Professor für Straf- und Staatsrecht an der Universität Bern. Am 14. Mai 1845 starb Siebenpfeiffer in Bümpliz.

Baden: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe > Lahr > Taufen 1786 - 1795, Bild 75

Sp. 1 | den 12ten Nov. Morgens 3. Uhr gebohren und den 15ten getauft Phlilipp Jacob
Sp. 2 | Philipp Jacob Siebenpfeiffer, Bürger und Schneider dahier. Dorothea, geborene Bittenbringin.
Sp. 3 | Carl Fried. Diener, Schumacher. Georg Schaller, Glaser. Ernestina Böcklerin, Fried. Schöller, Säcklers Ehefrau. Maria Magd. Buchererin, hl. Jacob Christoph Mielius, Knopfmachers Ehefrau.