VON DER DOPPELDEUTIGKEIT DES SEINS

Als Dichter für seine „komische Lyrik“ bekannt, war das Leben des Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern nicht immer heiter und komisch. Er kam am sechsten Mai 1871 in München als Nachkomme des berühmten Malers Christian Morgenstern (1805 – 1867) zur Welt, nach welchem er auch benannt wurde. Der Screenshot aus Archion zeigt seinen Taufeintrag. Auch seine Eltern waren in der Malerei zu Hause. Die Familie zog im Sommer in der ländlichen Umgebung umher, da sich sein Vater Carl Ernst Morgenstern (1847 – 1928) als Naturmaler verdingte. Das machte das Schulleben für Christian nicht einfach, der permanent zwischen Stadt- und Dorfschulen wechseln musste. Es eröffnete ihm aber auch die Möglichkeit, Eindrücke zu erfahren, die ihn für sein ganzes Leben prägen sollten. Diese finden sich in seiner Naturlyrik wieder. Als er neun Jahre alt war, verstarb seine Mutter Charlotte, Tochter des Landschaftsmalers Josef Schertel und ebenfalls in der Malerei beheimatet, an Tuberkulose. Vermutlich bereits bei der Mutter angesteckt, prägte diese Krankheit auch Christians späteres Leben. Nach vielen weiteren Stationen an unterschiedlichen Lehranstalten, u.a. in Hamburg, wo er bei seinem Paten, dem Kunsthändler Arnold Otto Meyer untergekommen war besuchte er ab 1884 das Gymnasium Maria Magdalena in Breslau. Sein Vater war dort an der königlichen Kunstschule zum Leiter der Landschaftsklasse und der Klasse für graphische Künste berufen worden. Weitere Schulwechsel prägten bis zu seinem Abitur 1892 seinen Werdegang. Er schrieb bereits früh Essays und Gedichte für Schülerzeitungen. Über sich selbst sagte er: „Ich bin ein Maler bis in den letzten Blutstropfen hinein. – Und das will nun heraus ins Reich des Wortes, des Klanges; eine seltsame Metamorphose.“

Klicken Sie auf die Bilder, um zum Kirchenbucheintrag zu kommen.

Er studierte Jura u.a. in Breslau und München, als ihn das erste Mal die Tuberkulose heimsuchte. Seitdem kam es immer wieder zu Bettlägerigkeit und Kuraufenthalte wurden nötig. Er beschäftigte sich viel mit Nietzsche und Kulturkritik, mit Theosophie und Anthroposophie und vor allem dem literarischen Werk bekannter Autoren. Ab 1894 versuchte er in Berlin sein Glück als freier Schriftsteller. Er veröffentlichte Kulturberichte und Literaturkritiken. Auch als Übersetzer wurde Christian Morgenstern tätig. Sein erster Lyrikband erschien 1894/95. Da sein Vater dieses Leben für ihn ablehnte, kam es zum Bruch und jahrelangem Stillschweigen zwischen den beiden. Morgenstern arbeitete weiter viel für Verlage und Redaktionen. Erst 1908 lernte er seine spätere Frau Margareta Gosebruch von Liechtenstern kennen, die er 1910 heiratete. Bereits vier Jahre später, am 31. März 1914, verstarb Christian Morgenstern nachdem sich sein gesundheitlicher Zustand immer weiter verschlechtert hatte, in Meran-Obermais in Tirol. 

Sein literarisches Werk ist geprägt von Doppeldeutigkeiten, ernster und humoristischer Poesie, von seiner Beeinflussung durch Theologie, Philosophie und den Geist seiner Zeit. Anfang des 20. Jahrhunderts treffen verschiedene Strömungen aufeinander, entwickeln sich neu und entwickeln sich weiter: Naturalismus und Expressionismus, Impressionismus, Jugendstil, Symbolismus, Neuromantik und viele weitere. Morgenstern ist aufgeschlossen, nimmt künstlerische, philosophische und theologische Strömungen an und lässt sie in sich wirken. Vor allem die Vorträge des Antroposophen Rudolf Steiner (1861 – 1925) prägen und begeistern ihn. Zu seinen charakteristischsten Werken zählen die Lyrikbände „Melancholie“ (1906) und „Galgenlieder“ (1905).