Adam, Eva und der Osterhase?

Thematisch eignet sich die hier gezeigte Darstellung hervorragend als Aufmacher eines Eheregisters, in diesem Fall ein Eheregister aus der Gemeinde Neckartailfingen von 1635. Zu sehen sind Adam und Eva, die ersten Menschen in Gottes Schöpfung und das erste humane Ehepaar auf Erden. Daher verwundet es nicht, dass der Künstler hinter diesem Werk, möglicherweise der zu diesem Zeitpunkt neu in Neckartalfingen eingetroffene junge Pfarrer Samuel Gmelin (1611-1676), das Eheregister mit dieser Darstellung beginnt.

Landeskirchliches Archiv Stuttgart > Dekanat Nürtingen > Neckartailfingen > Eheregister 1635-1808 Band 7 (Bild 4) www.archion.de/p/4f9cb26461/

Der in der Bibel durch den ungehorsamen Griff zum Baum erzählte Sündenfall zeichnet sich hier im Bild bereits ab. Zum einen drückt sich das herannahende Unglück durch die Schlange und der Pflückung eines Apfels durch Eva aus, zum anderen weist Adam mit der Bedeckung seiner Scham durch einen Zweig schon auf den weiteren Verlauf der Geschichte hin (obwohl er sich zum dargestellten Zeitpunkt der Geschichte seiner Nacktheit noch gar nicht hätte bewusst sein können). Möglicherweise galt das Bild als Mahnung für die frisch vermählten Ehepaare, die Gebote Gottes auch in der Ehe zu achten, oder sollte die Vorstellung, Sexualität und Sünde hingen zusammen, ausdrücken.

Durch diesen Detailreichtum verliert sich der Betrachter so sehr in der Bildanalyse, dass ihm möglicherweise ein kleines Detail am unteren rechten Bildrand entgeht: Im Grasbüschel zu Evas Füßen versteckt sich ein Hase, der die ganze Szene verschmitzt lächelnd beobachtet. Von einem Hasen ist in der Erzählung vom Garten in Eden allerdings nicht die Rede, den hat der Zeichner in die Szene eingefügt. Was könnte er damit bezweckt haben? Handelt es dabei um ein Symbol für Fruchtbarkeit, das auf den ersten Schöpfungsbericht, genauer auf Genesis 1, 28 verweist, wo geschrieben steht: „Seid fruchtbar und mehret euch“?

Oder handelt es sich hier vielleicht sogar um den Osterhasen ;-) Immerhin datiert sich der erste Eintrag in diesem Trauregister auf den 12. April 1635 und entstand dementsprechend in der Woche nach Ostern.

Die Bedeutung des Hasen bleibt Spekulation und mit seinem verschmitzten Lächeln zeigt uns der Vierbeiner, dass nur er die Wahrheit hinter seiner Existenz kennt.

Vielen Dank

Vielen Dank an Archionforscher Michael Siegle für das Fundstück und vielen Dank für die Idee zu Text und Bild.

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