Aufzeichnungen verstehen

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goancestry
Mitglied seit
05.07.2018

50 Beiträge

Ich versuche, die Sitten zu verstehen, die in der Zeit vor 1800 normal waren. Vielleicht gibt es keine Standardmethode, die passiert ist, aber ich glaube, ich sehe einige Trends und frage mich, ob sie sinnvoll sind.

Ehen:
Es scheint, dass der Mann, wenn ein Paar verheiratet ist, in das Dorf der Braut zieht und in ihrer Stadt ein Eheleben beginnt. Ist das normal?

Wenn eine Witwe oder ein Witwer mit Kindern lebt, bleibt die neue Ehe im Haus des älteren Paares und die neue Person zieht nach der Hochzeit ein. Ja?

Taufen:
Es scheint, dass die Zeugen oder Paten normalerweise dem Geschlecht des Kindes angepasst sind. Wenn ein Mädchen, 2 Frauen sind Teil der Taufe und nur 1 Mann, wenn ein Junge, 2 Männer und 1 Frau.

Es scheint, dass der Name des Kindes oft von den Zeugen oder Paten stammt, die bei der Taufe sind.

Um Pate oder Zeuge zu sein, wie alt sollte das sein? Sollten diese Personen bereits bestätigt sein? Sind sie mindestens 18 Jahre alt?

Bestätigung:
Scheint im Alter zwischen 12 und 15 Jahren zu sein. Ist das normal?

Können wir auf ein Alter schließen, in dem die Aufzeichnung Wörter verwendet:

Kindt
Sohnlein
Jungst
Sohn
Tochterlein
Tochter

Ehelige sohn / tochter?

mismid
Mitglied seit
08.01.2015

70 Beiträge

Zitiert von: goancestry

Ehen:
Es scheint, dass der Mann, wenn ein Paar verheiratet ist, in das Dorf der Braut zieht und in ihrer Stadt ein Eheleben beginnt. Ist das normal? Nein

Wenn eine Witwe oder ein Witwer mit Kindern lebt, bleibt die neue Ehe im Haus des älteren Paares und die neue Person zieht nach der Hochzeit ein. Ja? Wahrscheinlich, aber keine Regel

Taufen:
Es scheint, dass die Zeugen oder Paten normalerweise dem Geschlecht des Kindes angepasst sind. Wenn ein Mädchen, 2 Frauen sind Teil der Taufe und nur 1 Mann, wenn ein Junge, 2 Männer und 1 Frau.
Nein, das ist Zufall, bei Paten gibt es starke örtliche Unterschiede. In mnachen Orten sind es bei allen Kindern die gleichen Paten, in anderen immer unterschiedliche. Oft die Geschwister der Ehepartner.

Es scheint, dass der Name des Kindes oft von den Zeugen oder Paten stammt, die bei der Taufe sind. Ja, häufig. Nicht immer. Oft der Zweitname. Kann aber auch von den Urgroßeltern sein oder völlig frei.

Um Pate oder Zeuge zu sein, wie alt sollte das sein? Sollten diese Personen bereits bestätigt sein? Sind sie mindestens 18 Jahre alt?
[i][b]Sie müssen volljährig sein. Paten hatten ja die Aufgabe bei Tod der Eltern für die Kinder zu sorgen.
[/b][/i]

Bestätigung:
Scheint im Alter zwischen 12 und 15 Jahren zu sein. Ist das normal?
ja, je nachdem wieviele in einem Jahr in einem Ort zusammengekommen sind. Wegen einem einzigen Kind wurde es nicht durchgeführt. Normal bei Eintritt ins Erwachsenenalter am Ende der Schule.

Können wir auf ein Alter schließen, in dem die Aufzeichnung Wörter verwendet:

Kindt : Nicht volljährig
Söhnlein: bei Geburt bis Ende Kindesalter
Jungst:was heißt das?
Sohn: jedes Alter
Tochterlein: Geburt bis Ende Kindesalter
Tochter: [i][b]jedes Alter
[/b][/i]
Ehelige sohn / tochter?: jedes Alter, auch nach der Heirat bis zum Tod

goancestry
Mitglied seit
05.07.2018

50 Beiträge

Wie alt sollte das sein, um Pate oder Zeuge zu sein? Sollten diese Leute bereits bestätigt sein? Bist du mindestens 18 Jahre alt?

[i][b]Sie müssen volljährig sein. Paten hatten die Aufgabe, für die Kinder den Tod der Eltern zu gewährleisten.
[/bi]

      Was ist ein "gesetzliches Alter"?

      Wann war die Schule beendet, 13?

Tonx
Mitglied seit
30.04.2018

153 Beiträge

Mit "Bestätigung" ist sicherlich das Fest der "Konfirmation" gemeint. In allen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden wird dieses Fest gefeiert, nachdem die konfirmierten Kinder im Konfirmationsunterricht ein bis zwei Jahre über ihre christliche Religion unterrichtet wurden.

Das ist in Deutschland auch heute noch so. Die Feier der Konfirmation erfolgt meist im Alter von 14, 15 oder 16 Jahren.

In katholischen Kirchengemeinden gibt es dieses Fest nicht.

Mit der erfolgten Konfirmation galt das Kind im christlichen Sinne als erwachsen und konnte theoretisch auch selbst Pate (häufig als Gevatter bezeichnet) werden. In vielen Regionen konnte man erst nach erfolgter Konfirmation eine Arbeit annehmen oder eine Lehre in einem Handwerksberuf antreten.

Wie schon richtig erwähnt, war die Aufgabe der Paten unter anderem auch, bei verstorbenen Eltern die zu Waisen gewordenen Kinder aufzuziehen und zu versorgen. Heute ist das Theorie, vor 1800 war das eine häufige Aufgabe. Also hat man als Paten meist Personen gewählt, die dazu bereit und in der Lage sein konnten. Also waren sie nicht zu jung, nicht zu alt, häufig Onkel oder Tante oder Nachbar des getauften Kindes, und auch ein eigener landwirtschaftlicher Betrieb oder eine eigene Werkstatt in einem Handwerk waren bei den Paten meist schon vorhanden.

Das hilft umgekehrt häufig bei der Forschung, weil man aus den Paten Rückschlüsse auf die Familie der Eltern des Kindes schließen kann.

Natürlich gibt es überall Ausnahmen und Sonderfälle.

Gruß, Tonx

G_Brose
Mitglied seit
12.08.2016

111 Beiträge

Mit der Konfirmation wird man vollwertiges Gemeindemitglied. Bei uns in der Gemeinde wird das auch dadurch deutlich gemacht, daß bei dem auf die Konfirmation folgenden Abendmahl einer der neu Konfirmierten mit dem Pfarrer zusammen das Abendmahl austeilt.

Viele Grüße,
Gerhard

goancestry
Mitglied seit
05.07.2018

50 Beiträge

Tolle Informationen und sehr hilfreich. Vielen Dank.

mickimicki
Mitglied seit
21.03.2019

60 Beiträge

Ich würde gerne noch anfügen, daß es in manchen Gegenden schon ziemlich normal war, daß der Bräutigam nach der Hochzeit in den Wohnort der Braut zog.
Das kam z.B. vor, wenn in einer Familie kein Sohn da war oder das Heiratsalter erreicht hatte. Der Schwiegersohn hat dann den Hof der Familie übernommen.
In meiner Familie in Hessen (Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel) habe ich das nun schon mehrmals im 18. und 19. Jahrhundert so vorgefunden und beim Durcharbeiten der Kirchenbücher auch vielfach in anderen Familien gesehen.

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