Rätselhaftes Namen-Chaos

FelixBrumm
Mitglied seit
12.05.2015

9 Beiträge

Liebe Mitforscher,

ich stehe vor einem merkwürdigen Problem, denn ich suche den Mädchennamen meiner Vorfahrin Dorothea Meidowski (+09.06.1809 in Steegen mit 29 Jahren an Epilepsie | Nr. 142/1809 Sterberegister Steegen). Ich habe
zahlreiche Quellen zum Vergleichen, doch leider widersprechen sich alle. Es gibt folgende Optionen:

geb. Witzowsky (laut eigenem Sterbeeintrag 1809)
geb. Aßowski (laut eigenem Traueintrag und Taufeintrag ihrer Tochter 1802)
geb. Witkowski (laut Geburtseintrag ihres Sohnes Johann 1804)
geb. Konowski (laut Geburtseintrag ihres Sohnes Martin 1807)
geb. Dezowski (laut Traueintrag ihrer Tochter Cordula 1825)
geb. Schablinski (laut Heiratseintrag ihres Sohnes Johann 1837)

Welcher Quelle soll ich trauen?
Stand schon mal jemand vor einem ähnlichen Problem?

Spätburgunderrakete
Mitglied seit
20.03.2015

148 Beiträge

Hallo Felix,

was ist denn mit ihrem eigenen Taufeintrag ca. 1780?

Viele Grüße,
Frank

FelixBrumm
Mitglied seit
12.05.2015

9 Beiträge

Sie scheint leider "aus dem Nichts" zu kommen. Es gibt um 1780 eine Familie Aßowski, aber unter allen Kindern keine Dorothea. Und auch alle anderen Namenskombinationen kann ich in der Danziger Nieder nirgends finden.

Bei Namen mit -owski lande ich immer wieder in katholischen Milieus. Vielleicht kann ich sie deshalb nicht finden.

Trotzdem: Wie kann es sein, dass von 7 Pfarrern jeder einen anderen Namen notiert?

Spätburgunderrakete
Mitglied seit
20.03.2015

148 Beiträge

Hallo Felix,

da die Trauung der Dorothea in Käsemark stattfand,
vermute ich einmal, dass sie auch dort getauft wurde.
Bei der Trauung wird sie ja ASSOWSKI genannt und ihr Ehemann MIDONSKI!!!
Aber man weiß ja, das oft nur nach Gehör geschrieben wurde.
Ich habe leider im Moment kein Zugriff auf die Bücher, sonst hätte ich mal geschaut.

Viele Grüße,
Frank

baukuthi
Mitglied seit
16.01.2015

498 Beiträge

>ihr Ehemann MIDONSKI<

ich lese bei der Trauung Medowski, bei der Taufe der Tochter Cordula Constantia auch

Spätburgunderrakete
Mitglied seit
20.03.2015

148 Beiträge

Sorry,
hatte nur den Index bei Ancestry gelesen. Dort steht MIDONSKI.
Bei der Mutter: ASSOWSKI.

FelixBrumm
Mitglied seit
12.05.2015

9 Beiträge

Wow, schon mal vielen Dank für eure Mühe!

Assowski fand ich auch erst am plausibelsten, allein weil der Name bei zwei Gelegenheiten erwähnt wird. Aber Witzowsky und Witkowski sind auch ähnlich und man sollte ja annehmen, dass am Lebensende (zumal mit 29 Jahren) die Hinterbliebenen richtig resümieren können, wie ihre Mutter mit Mädchennamen hieß....

Na, vielleicht tun sich neue Spuren auf, wenn endlich mal die kompletten Kirchenbücher der Danziger Niederung digitalisiert vorliegen...

Mit diesen polnisch-stämmigen Namen ist es aber auch nicht einfach. MEIDOWSKI ist zum Glück sehr selten, da gehören alle zur gleichen Familie. Aber Tagelöhner, zumal solche mit polnischen Wurzeln, waren damals offenbar extrem mobil - ist echt schwierig, ihre vielen Umzüge nachzuvollziehen...

Weiß vielleicht jemand, warum das so war?
Mit 5-10 Kindern umzuziehen, muss doch wahnsinnig schwierig gewesen sein. Gab ja nicht in jedem Kleckerdorf freie Wohnblocks mit 5-Zimmer-Wohnungen...

MarcGerhards
Mitglied seit
26.04.2017

1 Beiträge

Hallo Felix, wegen des ständigen Umziehens von einem Ort in den nächsten habe ich auch so meine Probleme. Ich kämpfe gerade mit dem FN Sylvester/Silvester, die teilweise bei jedem Kind in einem neuen Ort waren, der dann (natürlich) auch ein neuer Landkreis/neues Kirchspiel war. Also munterer Wechsel zwischen Löbau (Marienwerder)/Carthaus/Berent/Neustadt i.W./Lauenburg (Pommern). Und mir fehlt der "Missing Link", um diese meinen Ahnen zuzuordnen.
Aber ich denke man darf so einen Umzug nicht mit heute vergleichen. Gerade als Tagelöhner werden die nicht viel mehr besessen haben als einen Kochtopf, bisschen Geschirr, etwas Bettzeug und einen Bollerwagen. Die Kinder schliefen normalerweise zu mehreren in einem Bett und die komplette Familie in einem Zimmer. 5-Zimmer-Wohnungen gab's nicht (außer für Höhergestellte/Adlige). So ein Umzug war dann innerhalb von Stunden zu schaffen.

FelixBrumm
Mitglied seit
12.05.2015

9 Beiträge

Aber warum die ständigen Umzüge? Arbeit gab es doch überall genug...

Ich versuche da auch Muster Muster zu erkennen. Oft finden ja Heiraten im Heimatdorf der Frau statt. Da wird meist noch das erste Kind geboren, dann geht es 5-10 Jahre in einen nächsten Ort. Wenn "Einwohner" dort nicht zu "Eigengärtnern" aufsteigen, tun sie dies häufig im Nachbardorf. Und wenn sie dort nicht allzu früh sterben, findet man sie im Seniorenalter manchmal bei den Kindern zwei Dörfer weiter.

Leibniziana2014
Mitglied seit
20.03.2015

300 Beiträge

Tagelöhner und Tagelöhnerinnen (Knechte und Mägde) waren ja immer abhängig von deren "Auftraggeber" (Hofbesitzer, Gutsherren etc) - und besonders auch von deren wirtschaftlichen Lage (gute Ernten, schlechte Ernten, Seuchen, Krankheiten, persönlichen Gefallen und Wertschätzungen), und wenn dann die Lage eben nicht gegeben war, mußten die Leute mit Familie, wenn vorhanden und den Habseligkeiten weiterziehen (heute wie Lohnarbeiter).
Ich kenne aus Erzählungen aus Hessen, daß diese auch Jahrzehnte auf den Höfen bleiben konnten und auch geblieben sind.
Mit Grüßen !