Fundstücke (makabres, trauriges, erheiterndes)

KrisK
Mitglied seit
17.07.2015

261 Beiträge

Gerade diese Fundstücke füllen die Daten mit Leben.

Sogar auf griechisch:
http://www.archion.de/p/a3accc499b/

Linde
Mitglied seit
13.01.2015

1134 Beiträge

> Dauernörgler < : Ob das vielleicht paßt ?

" Die Kritiker der Elche waren selber welche" ?

> ... Fundstücke füllen ... mit Leben < :

Das ist Geschmackssache; eigene Familiengeschichten ja.

Fremdes Leid liest jeder Familienforscher in den Kirchenbüchern zuhauf.

Wenn die Veröffentlichung dessen "wissenschaftlichen" Untersuchungen - oder "Ermahnung" heute Lebender dienen soll, würde das auch anonymisiert möglich sein. Mit Datenschutz meinte ich eben das.

Freundliche Grüße

Scherfer
Mitglied seit
21.02.2016

90 Beiträge

Streit um einen Toten:

Eine historisch interessante Begebenheit, die den Konflikt zwischen den deutschen Klein- und Kleinststaaten verdeutlicht, hier zwischen Nassau-Oranien und Nassau-Weilburg:

http://www.archion.de/p/6a11380c78/

Am 27. Mai 1758 ist der auf der linken Seite aufgeführte Ernestus Christophorus Thies, Hüttenverwalter der Löhnberger Hütte, auf dieser Hütte gestorben.

Welechem Staat gehörten nun die Bewohner dieser Hütte zu? Die Grenze zwischen den Staaten Nassau-Oranien und Nassau-Weilburg verlief etwa fünf Minuten entfernt von der Hütte. Deshalb beanspruchte auch Nassau-Weilburg die Herrschaft über die Hütte.
Sollte die Hütte zum Amt Löhnberg (Nassau-Weilburg) gehören, dann wäre auch die Pfarrei Löhnberg zuständig. Falls die Hütte aber zum Amt Beilstein (Nassau-Dillenburg) gehörte, dann müssten die Hüttenbwohner in der Kirchengemeinde Niedershausen eingegliedert sein.

Nassau-Weilburg bestimmte nun also, dass die Beerdigung in Löhnberg durchgeführt werden sollte und Nassau-Oranien wünschte die Beerdigung in Niedershausen.Die Angehörigen des Ernestus Christophorus Thies waren stets in Löhnberg zur Kirche gegangen und wünschten daher auch dort die Beerdigung.

Die Löhnberger vertrieben die zur Beerdigung herangeschrittenen Niedershausener mit Steinwürfen von der Hütte und beerdigten den Toten in Löhnberg. Beim nun ausbrechenden wahrhaften Kampf um die Leiche wurde ein Bewohner von Niedershausen getötet und mehrere verletzt.
Nassau-Oranien schickte einen Leutnant mit 200 Mann nach Löhnberg, um die Leiche wieder auszugraben und nach Niedershausen zu bringen, was auch so geschah. Der Tote blieb an der Kirche in Niedershausen beerdigt, aber der Konflikt zwischen den beiden Staaten war noch lange nicht zu Ende. Die lutherischen Löhnberger beschimpften die reformierten Niedershausener noch lange als "calvinische Teufel".

Man beachte, dass der Bericht im Niedershausener Kirchenbuch natürlich sehr parteiisch die Niedershausener als die schuldlosen Opfer darstellt, was die Löhnberger ganz anders sahen.

msiegle
Mitglied seit
10.01.2015

612 Beiträge

Ein Jahr mit nur wenigen Sterbefällen ist zu Ende:
Haubersbronn, Dek. Schorndorf, 1679

Dankbare Schlussbemerkung des Pfarrers:

"Seinds also Dises Jahr nit mehr alß
2 Seelen auß Diser gemein ge=
scheiden. Welches
Wohl zu merkhen[?] Gott für gsund=
lu[Klecks..?] zu Dankh."

http://www.archion.de/p/56a889e7d0/

KrisK
Mitglied seit
17.07.2015

261 Beiträge

Inzest 1702 - ganz nüchtern im Kirchenbuch vermerkt:

"Vatter dieser war auch Vatter des Kindes"

http://www.archion.de/p/e2f7fffe5b/

shl1974
Mitglied seit
26.02.2017

104 Beiträge

Der Vater der Verstorbenen sei "105 Jar alt gewesen". Und das im Jahre 1630!

http://www.archion.de/p/72e8f68c03/

KrisK
Mitglied seit
17.07.2015

261 Beiträge

Entscheidungsfreudiges Ehepaar 1780:

"Diese Eheleute hatten sich scheiden laßen, und nachdem sie gleich nach der Scheidung wieder zusam(m)men wolten, mußten sie auf allergnadigst Befehl wiederum 3mahl proclamiert werden."

http://www.archion.de/p/b43c6a2a28/

swanahilt
Mitglied seit
22.03.2015

277 Beiträge

Das fand ich heute sehr traurig:
http://www.archion.de/p/9d4021a275/

"Starb den 6. Juli nachmittag um 4 Uhr, Johann
Phelip Schmidt, SchneiderMeisters daselbsten neu geb. Töchterlein. [...]
Nur einige Minuten gelebt, und jagd
tauft worden. Nata in forma monstrosa mit 2 Köpfen.
Wurde darauf den 8. begraben."

Ob es sich um "siamesische Zwillinge" handelte?

Bartho
Mitglied seit
25.03.2015

9 Beiträge

Etwas Erheiterndes aus dem Kirchenbuch Ramholz 1700 - 1735, Kirchenkreis Schlüchtern, Kurhessen-Waldeck.
Diese Hochzeit im Jahr 1726 hat den Pfarrer wohl sehr beschäftigt.
Die unterschiedlichen Konfessionen hat er in seiner schmalen Kladde groß und ausladend geschrieben und unterstrichen.
1726
5. Febr: ist Joh. Weining zu
Vollmerz mit Ann: Mar:
Jägerin von Neuen
Cronau copulieret
worden, dabey curios
daß d. Bräutigamb
Catholisch, die Brauth
Reformirt u. der Copulator
Lutherisch, die Hochzeitgäste
Crethi undt Plethi. .. ist
allerhand Sorden unterein
ander.
Kurz vorher hab auch
ein paar frembde
Leuth copulieret.

Möglicherweise hatte der Pfarrer ausgiebig mitgefeiert.

KrisK
Mitglied seit
17.07.2015

261 Beiträge

Ehescheidung 1686: http://www.archion.de/p/2710dddbbe/
Grund: boshaftiges ehebrecherisches Weib

Dass es schon so früh Scheidungen gab - beim "normalen" Volk - war mir absolut neu.