ARCHION auf Tauchstation?

dpannhorst
Mitglied seit
22.12.2014

132 Beiträge

Fakt ist, dass sich hier einige überhaupt nicht bewusst sind, wie komplex ein derartiges Projekt überhaupt ist, denen ist überhaupt nicht klar, wie viel Rechenleistung das Einspielen in Anspruch nimmt. Wir reden hier nicht über ein paar Bücher sondern über gewaltige Datenmengen.

dpannhorst
Mitglied seit
22.12.2014

132 Beiträge

Hier waren sich nicht nur einige Anwender, sondern vor allem die ARCHION-Macher nicht bewusst, um welche Datenmengen es geht. Bei einer ordentlichen Recherche vor Beginn des Projekts hätte es klar sein müssen, welche Arbeit da auf einen zukommt. Die ganze Vorgehensweise bei ARCHION ist absolut unprofessionell und nicht den Kunden vorzuwerfen. Für eine zu bezahlende Leistung kann man auch gute Arbeit erwarten.

Detlef Pannhorst

Bernd
Mitglied seit
15.12.2014

267 Beiträge

Die Datenmengen sind tatsächlich riesig, aber doch noch zu bewältigen. Ich habe Herrn Günther vom Landeskirchenarchiv Westfalen bei einen seiner Vorträge über das ARCHION-Projekt gefragt, wie man den Datentransport technisch abgewickelt hat.
Es sagte, man hätte die Daten auf mehrere 1-Terrabyte-Festsplatten
(die Rede war nach meiner Erinnerung von zwei oder drei) überspielt und diese Festplatten dann ARCHION zukommen hassen.
Wie lange braucht man, um eine Festplatte mit USB 3.0 auszulesen und zu überspielen? Einige Stunden? Einen Tag? Dann den in Bielefeld benutzten Viewer installiert und los geht's..
So ist es nicht gekommen und der Grund liegt eindeutig daran, dass man die Digitalisate eben nicht so einfach eingestellt, sondern nach Angaben von ARCHION noch einmal umgerechnet und umformatiert hat und das dauert natürlich und zwar bedeutend länger als man sich ursprünglich vorgestellt hat.
Ob das denn nun unbedingt so sein musste, ist eine andere Frage, die nur die ARCHION-Verantwortlichen beantworten können. Wir als Nutzer müssen das akzeptieren und es ist im Grunde ja auch gar nicht so schlimm. In einem halben Jahr sind zumindest für den süddeutschen Raum, Rheinland-Pfalz und Westfalen die Dateien eingespielt, das Problem gelöst. Insoweit gebe ich den Kritikern der Kritiker recht. Hier wird auf einem zu hohen Niveau gejammert, etwas mehr Geduld ist angesagt (und eine etwas deutlichere Ansage von ARCHION: "Lieber Nutzer, das System ist noch im Aufbau. BevorDu ein Abo abschließt, überzeuge Dich bitte, ob die gewünschten KB auch verfügbar sind".
Was mich stört, sind ganz andere Dinge. Hier schon tausend Mal angesprochen, deshalb nur in Kurzfassung in Stichworten:
1. Der unkomfortable Viewer. Fehlendes Vollbild, begrenzter Download, immer wieder weiße Fehlstellen und ab und an ein ungewolltes "automatisches" Umschalten auf eine ungewünschte Vergrößerungsstufe. Das Arbeiten mit diesem Viewer macht alles andere als reine Freude.
2. Digitalisate an der Grenze zur Unlesbarkeit (insbesonders vom EZAB)oder mit riesigen Wasserzeichen quer über das Bild. Hier sollen offenbar Eigentumsrechte an den Bildern gewahrt werden ohne Rücksicht auf die Wünsche und Ansprüche der zahlenden Nutzer.
3.Befürchtung, dass große Gebiete der eigentlich teilnehmenden EKD-Kirchen erst in vielen Jahren online sind (was ist eigentlich mit Hamburg oder Schleswig-Holstein?), ganz zu schweigen von den "Verweigern" wie Thüringen und Sachsen.
Bei diesen Kritikpunkten (insbesonders 2. und 3., ich nehme aber an, dass auch bei 1. die beteiligten Archive Vorgaben gemacht haben) muss klar sein, das die Verantwortung nicht allein bei ARCHION liegt. Was wir hier haben, ist ein Kompromiss eines ganzen Dutzends unabhängiger Einrichtungen, gebündelt an einer Stelle (ARCHION), die letztlich wieder von diesen Einrichtungen abhängig ist. Da kommt immer nur der kleinste gemeinsame Nenner heraus und ARCHION wird wegen dieser Abhängigkeit ungern Mails veröffentlichen mit dem Inhalt "Liebe Nutzer, das sehen wir auch so, aber das Archiv XY zieht da nicht mit".
Ob man aus diesem Grund und wegen einer vermutlichen Arbeitsüberlastung (man hat mir mal geschrieben, das eine Mail, die mich kurz vor 24 Uhr erreicht hat, tatsächlich von einem Mitarbeiter versendet wurde), nun gut beraten ist, fast vollständig auf "Tauchstation" zu gehen, ist eine andere Sache. Ich sehe dieses Vorhalten kritisch. Da ich aber keine Ahnung habe, was zur Zeit in Stuttgart los ist, halte ich mich mit einem wertenden Urteil zurück und hoffe zumindest mittelfristig auf Besserung.

Mit freundlichen Grüßen
Bernd

b0118
Mitglied seit
24.09.2014

61 Beiträge

ARCHION auf Tauchstation? lautet der Titel des Startbeitrags.
Das Fragezeichen kann mittlerweile getrost durch drei Ausrufezeichen ersetzt werden.
Wenn selbst direkt an die Verantwortlichen gerichtete Fragen, Kommentare, Appelle, sich doch bitte durch Rückmeldung zumindest beteiligt zu zeigen, ignoriert werden, dann ist es nach meiner Meinung nicht mehr opportun, sich hier im Forum in Mutmaßungen darüber zu ergehen, weshalb ARCHION jetzt die Tauchstation zum Dauerzustand macht.

Ich habe im Netz einen Artikel von Herrn Müller-Baur in der Zeitschrift "Archivar" Heft 01 Februar 2015 gefunden. Darin wird das Portal in einer Weise umfassend dargestellt, wie es bis heute im Portal nicht zu finden ist.

Zitate aus dem Artikel:

"Es geht aber nicht nur um die Präsentation der Kirchenbücher:
Nutzer haben auch die Möglichkeit, sich am Portal zu beteiligen.
Sie können sich in einem Forum austauschen, eigene Auswertungen
der erforschten Daten in das Portal hochladen und Anderen
zugänglich machen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Kirchenbücher
zu transkribieren und zu indexieren. Über eine beliebige
Stelle des Digitalisats kann ein Rahmen gezogen werden und der
dort stehende Text – einzelne Einträge oder auch ganze Seiten –
sowohl transkribiert als auch Personen mit ihren Lebensdaten
strukturiert erfasst werden. Dies kann dann über die Recherchefunktion
durchsucht und mit dem Original verglichen werden.
Ebenso gibt es die Möglichkeit, Einträge von Personen, die
miteinander verwandt sind, zu verlinken."

"Mit Archion wird damit in zweierlei Hinsicht Neuland betreten:
Die Finanzierung eines archivischen Projekts erfolgt über einen
betriebswirtschaftlichen Ansatz, außerdem wird die Einbindung
des Nutzers konsequent weitergeführt.
Betrachtet man sich den klassischen Informationsfluss im Archiv,
so ist die Verwaltung der Produzent von Schriftgut, das die Archive
übernehmen, bearbeiten und dem Nutzer präsentieren. Mit
den Möglichkeiten, die ein Internetportal wie Archion bietet, das
Elemente des Web 2.0 integriert, verändert sich dieser Informationsfluss
deutlich. Der Nutzer als Konsument wird gleichzeitig
zum Produzenten, da er Transkriptionen und Auswertungen der
Archivalien anfertigt, die dem Original beigefügt werden."

"Das Portal bietet also mehr als nur Kirchenbücher. Die Nutzer
werden stark eingebunden."

Ein persönlicher Kommentar hierzu:
Die von Herrn Müller-Baur gegebenen Absichtserklärungen treffen den Nerv. Ich erwarte als Nutzer genau das, was hier steht. Nur den letzten Satz "Die Nutzer werden stark eingebunden", den kann ich leider nicht unterschreiben.
Ich mache hier andere Erfahrungen und viele Nutzer im Forum offensichtlich auch.

Kurt Waßmann

vnagel2004
Mitglied seit
18.12.2014

2755 Beiträge

Zitiert von: b0118
ARCHION auf Tauchstation? lautet der Titel des Startbeitrags.
Das Fragezeichen kann mittlerweile getrost durch drei Ausrufezeichen ersetzt werden.
Wenn selbst direkt an die Verantwortlichen gerichtete Fragen, Kommentare, Appelle, sich doch bitte durch Rückmeldung zumindest beteiligt zu zeigen, ignoriert werden, dann ist es nach meiner Meinung nicht mehr opportun, sich hier im Forum in Mutmaßungen darüber zu ergehen, weshalb ARCHION jetzt die Tauchstation zum Dauerzustand macht.

Hallo Herr Waßmann,

dem kann ich nur vollumfänglich zustimmen. Vielen Dank.

Und an die Kritiker der Kritiker noch ein Hinweis: in diesem Thema ging es ursprünglich nur um Servicequalität von Archion und nicht um das in etlichen Bereichen noch recht "dünne" Digitalisate-Angebot von Archion.
Bzgl. Letzterem können die Archion-Nutzer nur abwarten, bzgl. des Ersteren stimmt die Servicequalität oder sie stimmt nicht - da gibt es Nichts abzuwarten oder zu beschönigen.
Jüngstes Indiz für den letzten Punkt ist der bereits seit 2 Tagen hier im Forum gemeldete Fehler beim Erwerb neuer Pässe - Reaktion Archion im Forum bis jetzt: NULL.

Vera Nagel

Bernd
Mitglied seit
15.12.2014

267 Beiträge

So ganz allmächlich fällt es tatsächlich auf, dass da gar nicht mehr mehr kommt. Selbst der sonst zuverlässige Herr Metz-Martini scheint seinen Support eingesellt zu haben (letzter Beitrag am 22.5., also vor sechs Tagen, übrigens abends um 12.00 Uhr).
Samstag in einer Woche hält Herr Günther von westfälischen Landeskirchenamt mal wieder einen Vortrag über ARCHION http://www.osfa.de/termine/termine_os.php.
Wenn sich bis dahin hier nichts tut werde ich ihn mal fragen was da los ist.
Es kann nur besser werden

Bernd

Bernd
Mitglied seit
15.12.2014

267 Beiträge

Schreibfehlerberichtigung: Herr Metz-Martini postete abends um 21.00 Uhr.

baukuthi
Mitglied seit
16.01.2015

650 Beiträge

Zitiert von: Bernd
...Samstag in einer Woche hält Herr Günther von westfälischen Landeskirchenamt mal wieder einen Vortrag über ARCHION ...

Am 6.6. auf dem 10. Regionaltreffen Brandenburg hält Herr Buchholz vom ELAB Berlin einen Vortrag, über Digitalisierung und auch Archion....

http://regionaltreffen.bggroteradler.de/index.php/Programm_2015

Das wird lustig.

Herr Müller-Baur ist Geschäftsführer der Kirchenbuchportal GmbH, er hat weitreichende repräsentative Verpflichtungen. Forumsbetreuung gehört da nicht dazu. Diesen Posten hat man anscheinend nicht vergeben im 1 Mann Betrieb.

Martina

b0118
Mitglied seit
24.09.2014

61 Beiträge

Liebe Martina,

niemand verlangt von Herrn Müller-Baur, dass er persönlich dieses Forum betreut. Aber gerade als Geschäftsführer hat er dafür Sorge zu tragen, dass das Forum, von ARCHION ins Leben gerufen, eben von ARCHION auch angemessen betreut wird.

Kurt Waßmann

vnagel2004
Mitglied seit
18.12.2014

2755 Beiträge

Zitiert von: baukuthi

Herr Müller-Baur ist Geschäftsführer der Kirchenbuchportal GmbH, er hat weitreichende repräsentative Verpflichtungen. Forumsbetreuung gehört da nicht dazu. Diesen Posten hat man anscheinend nicht vergeben im 1 Mann Betrieb.

Zitiert von:
Herr Müller-Baur ist Geschäftsführer, er hat hauptsächlich repräsentative Aufgaben, für alles Andere hat er Dienstleister die das Technische erledigen. Da wurde an die inhaltliche Forumsbetreuung wohl nicht gedacht.

Hallo Martina,

der Verantwortliche eines Unternehmens (in der Rechtsform der GmbH "Geschäftsführer" genannt) muß ganz einfach im wahrsten Sinne des Wortes in verantwortlicher Art und Weise die Geschäfte (und zwar sämtliche!) des von ihm geführten Unternehmens führen.
Nicht mehr und nicht weniger.

Wie er das im Detail macht und wie die unternehmensintern zu regelnde Aufgabenverteilung ist, ist letztlich Sache des jeweiligen Unternehmens. Nur funktionieren muss es eben. [Punkt]

Alles Andere ist, tut mir leid, "graue Theorie", oder frag' doch mal den Geschäftsführer eines in der Rechtsform einer GmbH geführten "5-Mann-Handwerksbetriebes", ob dieser seinen Tagesablauf auch "mit Repräsentieren" verbringen kann???

Besten Gruß, Vera