Bitte Lesehilfe

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Friedrich34
Mitglied seit
01.11.2020

61 Beiträge

Hallo Forum,
kann diesen Sterbeeintrag von Michael Muf, welcher auf der linken Seite unten beginnt leider nur schlecht lesen.
"d. 8. Septembris ist zu Mittag zwischen 11. u. 12 Uhr verschieden Michael Muff LeinWeber, der etl. Wochen zuvor seiner gesunden Vernunfft beraubt worden weswegen man Ihn nicht nur omschließen, ... auch in einen sonderbahr hier... ... in die ... Schulstuben verwahren müßen, dann zwar auf Bässerung gehoffet, allein es hat die Raserei ... je mehr u mehr Überhand genommen, bis endlich derselbe in Abwesenheit seiner Frauen in das von ihm mit d Händn geöfnete tiefe Loch gestürzet u. also ... worden. Ist Ihm meine des Pfarrers beyseyte ...
http://www.archion.de/p/078e0b6084/

Bezug ist der Traueintrag (1716) seines Sohnes J. Friedrich
"M. Johann Friderich Muff LeinenWeber weiland M. Michael Muffs Leinen Webers zu Scheuerfeld hinterlassener einiger Sohn mit Jf ... "
In Scheuerfeld fand ich jedoch außer den o.g. BG Eintrag nichts weiter mit diesem Namen. Kann mir bitte jemand helfen diesen Eintrag zu lesen?
Vielen Dank!!

user722
Mitglied seit
26.05.2016

1313 Beiträge

… noch etwas angestückelt:

d. 8. Septembris ist zu Mittag zwischen 11. u. 12 Uhr
verschieden Mr. Michael Muff LeinenWeber, der etl. Wochen
zuvor seiner gesunden Vernunfft beraubt worden.
weswegen man Ihn nicht nur anschließen, sondern auch in
einen sonderbahr hierzu erbauten Schroot in den unteren
Schulstuben verwahren müßen, dann zwar auf Bäs-
serung gehoffet, allein es hat die Raserei ___ je mehr
u mehr überhand genommen, bis endlich derselbe in Abwesenheit seiner Frauen in das von ihm mit den Händen geöfnete tiefe
Loch gestürzet, u. also halbtod von ders.⟨elben⟩ angetroffen worden.
Ist auch in meinem des Pfarrers Beyseyn nach vorhergeschehenem
Sta___ ___ ___ etl. ___ geringe Anzeigung
eines Lebens von sich gegeben, an obgemeldem Tag verschieden, u. Sontags
darauf mit einer LeichenPredigt, bei volkreicher Versammlung zur
Erden bestätiget worden. Sein Leichen__, den er in seinem ver-
wirrten Zustand sehr oft wiederhohlet u. gegen mich gedach(?)
daß solche_ _ kein anderer Ihm solte ___ werden. War
genommen ex _ Epist ad Corinth. 2. Ich hielt mich nicht
dafür etc.(*) Gott habe ihn selig.

Korinther 2:2
"Denn ich hielt mich nicht dafür, daß ich etwas wüßte unter euch, als allein Jesum Christum, den Gekreuzigten."

Franz_Ridler
Mitglied seit
03.04.2015

2255 Beiträge

... nach vorher geschehenen
starcken zuruffen, dieweil Er et(liche) wiewohl sehr geringe Anzeigung
...

wohl: LeichenText

Oberfranke
Mitglied seit
21.08.2015

46 Beiträge

Folgendes lese ich:
den 8 Septembris ist zu Mittag zwischen 11 u 12 Uhren verschieden Mr Michael Muff Leinweber der etl Wochen zuvor seiner gesunden Vernunfft beraubt worden weswegen man Ihn nicht nur anschließen, sondern auch in einem sonderbahren hierzu erbauten Schroot in der untern Schulstuben verwahren müßen, darauff zwar auf Bässerung gehoffet, allein es hat die Raserei uffer mehr u mehr überhand genommen, bis endlich derselbe in Abwesnheit seiner Frauen in das von ihm mit den Händen geöffenete tiefe Loch gestürzet u also halbtod von ders. angetroffen worden. Ist auch in meinen des Pfarrers beysein, nach vorher geschehenen starcken Zurufen, dieweil Er etl wiewohl sehr geringe Anzeigung eines Lebens von sich gegeben, an obgemelden Tag verschieden u Sonntags darauf mit einer Leichpredigt, bei volckreicher Versammlung zur Erden bestätiget worden. Ein Leichtext, den er in seinen verwirrten Zustand sehr offt wiederholet u gegen mich gedacht, daß solches kein anderer Ihm sollte erkläret werden, war genommen ex T Epist ad Corinth 2 Ich hielt mich nicht dafür. Gott habe ihn selig

Übrigens:
Michael Muff
* 10.07.1659 Wiesenfeld
getraut 24.01.1687 Seidmannsdorf mit Margarethe Escher aus Steinach am Wald (diese erneut getraut 08.02.1706 in Oberlind mit Hans Meder aus Oberlind)

Grüße
Oberfranke

Man muss Gott für Alles Danken, - selbst für einen Oberfranken :-)

VHecker
Mitglied seit
19.12.2018

259 Beiträge

Raserei immer je mehr u. mehr

daß solcher u. kein anderer Ihm solte erkläret(?) werden(?)

Franz_Ridler
Mitglied seit
03.04.2015

2255 Beiträge

Versteht jemand diese Beschreibung der Todesumstände?

Was ist "Schroot"?
Das Grimm-Wörterbuch hat unter dem Stichwort "schrot" einen langen Artikel;
eine der zahlreichen Bedeutungen scheint eine (eher grobe) Zimmermannsarbeit zu sein, hier vielleicht ein Verschlag oder eine Art Käfig? Das Eis ist aber da schon sehr dünn.
Oder kennt jemand Schroot als Dialektbegriff?

Und was ist das für ein tiefes Loch, das man mit den Händen öffnen kann?
Hat er sich durch den Fußboden gekratzt und ist in den Keller gefallen?
Alles nicht sehr überzeugend ...

eggi
Mitglied seit
02.06.2015

1744 Beiträge

Da kann man wirklich nur spekulieren.

niederländisch schroot = Holzlatte

oder

https://de.wikipedia.org/wiki/Schrotholz

Es könnte sich also tatsächlich um einen Verschlag aus grob behauenem Holz gehandelt haben, in den man ihn eingesperrt hat um zu verhindern, dass er flieht oder sich selbst verletzt.

Vielleicht hat er ja eine schon vorhandene Falltüre oder Luke zu einem Keller geöffnet und ist dann hineingestürzt. Wenn er ein tiefes Loch selbst gegraben hätte, wäre das sicher nicht unbemerkt geblieben und verhindert worden.

Oberfranke
Mitglied seit
21.08.2015

46 Beiträge

Hallo,

vielleicht zwei sachen zu bedenken:

Schroot ist in Franken ein alter Begriff für eine abgetrennte Zimmerecke. In der Regel mit Latten, so dass man durchsehen konnte. Wenn es Bretter waren, dann spricht man von Allkofen. Meist stand nur ein Bett in seinem Alkofen drinn
In den meisten fränkischen Bauernhäusern bestand der Fußboden noch bis zu Beginn des 19 Jahrhunderts lediglich aus gestampften Lehm.
Daher ist es schon vorstellbar, dass da jemand ein Loch gräbt, ob mit Händen, Löffel oder Eßschüssel.

Gruß
Oberfranke

Franz_Ridler
Mitglied seit
03.04.2015

2255 Beiträge

Damit ist bzgl. Schroot unsere Vermutung ja in den Grundzügen durch einen "Einheimischen" bestätigt.

Danke, Franke!

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