nochmal zum Thema "langes s/Häkchen √"

wk.c@gmx.de
Mitglied seit
06.03.2018

67 Beiträge

So ganz einleuchtend ist mir die Antwort für visionpoints neulich nicht. Ich stehe vor der selben Frage - und die Antwort paßt da nicht:
http://www.archion.de/p/e3077b5b05/
Wieso ist die Kindesmutter da noch Dorothea Elisabeth Schultz s... Schirak genannt, obwohl sie längst den Familiennamen ihres Mannes trug? In anderen - besser lesbaren Fällen würde ich das lange s als "sonst" interpretieren. Bei ihrem Bruder, dem Paten Gottfried Schultz ist auch wieder dieser Hinweis "s Schirak"
wie soll ich das deuten? Ist das der Familienname mütterlicherseits?
Kann das jemand erklären?

Maywen
Mitglied seit
06.09.2020

123 Beiträge

Aus dem Heiratseintrag geht hervor, daß Dorothea Elisabeth eine geborene Schultz(in) v.[on]Schirak(in) ist:

http://www.archion.de/p/8c743068d5/

wk.c@gmx.de
Mitglied seit
06.03.2018

67 Beiträge

Danke erstmal. Gegen diese Interpretation spricht allerdings folgendes Beispiel:
http://www.archion.de/p/1928348ffd/
Sowohl Hanß George Schultze √ Brodak aus Leesko als auch Dorothea Elisabeth Schultzin √. Krügerin aus Ullersdorff sprechen nicht unbedingt für eine Ortsbezeichnung nach dem √. Ein Adels-von ist absolut auszuschließen. Also was kann das bedeuten?
Den Eintrag darunter kann man auch sehen, wie ich auf ein eventuelles "sonst" komme.

vnagel2004
Mitglied seit
18.12.2014

3137 Beiträge

In dem ursprünglich genannten Eintrag steht das

s. ("langes s"

für sonst

Sehen Sie sich bitte die gesamte KB-Seite an, dort wird diese Abkürzung vielfach in dieser Form genutzt.

Im anschließend zitierten Heiratseintrag ist ebenfalls ein s. enthalten und kein v.

Seaotter
Mitglied seit
02.07.2021

499 Beiträge

Das "s" kenne ich oft als Abkürzung für "sive" -
mag sein, dass es von Region zu Region verschieden war.

VG

Seaotter
Mitglied seit
02.07.2021

499 Beiträge

Von mir übersehen: wenn "v" - aber nur wiederum aus meinen "eigenen" Kirchenbüchern in anderer Region - dann Abkürzung für "vulgo".
VG.

wk.c@gmx.de
Mitglied seit
06.03.2018

67 Beiträge

Aber welche tatsächliche Bedeutung hat nun dieses lange s mit anschließender Namensbezeichnung? Da es mir zunächst im Zusammenhang mit dem Namen Schultze auffiel, dachte ich erst, mit Schultze wäre eher die Funktion als "Dorfschulze" gemeint, anschließend dann des Vaters tatsächlicher Nachname, doch kann das so nicht stimmen, da es in diesem Kirchenbuch bei einer Vielzahl weiterer Namenskombinationen auftritt. Könnte dieser Eintrag:
http://www.archion.de/p/ca8778b9a8/
eine Erklärung sein und damit den Hof kennzeichnen, auf dem derjenige wohnte bzw. arbeitete?

eggi
Mitglied seit
02.06.2015

1744 Beiträge

Vermutlich handelt es sich um einen "Genanntnamen":

https://de.wikipedia.org/wiki/Genanntname

Es ist vielleicht so zu deuten, dass der Herr Schultze irgendwann den Schirack-Hof übernommen hat und sich fortan "Schultze sonst Schirack (genannt)" nannte. Seine Kinder haben dann diesen Namen geerbt. Später nannten sie sich dann vielleicht nur noch Schirack. Schauen Sie sich auch das Beispiel bei Wikipedia an.

Ich kenne das allerdings vor allem aus Westfalen so. Ob das in der Lausitz genauso gehandhabt wurde, kann ich Ihnen nicht sagen. Suchen Sie am besten die Geburt der Mutter und die Heirat derer Eltern. Vielleicht findet man dabei eindeutige Hinweise.

Hiroki
Mitglied seit
01.05.2018

185 Beiträge

Was mir ganz spontan an Möglichkeiten noch in den Sinn kommt, da m. E. nach dem "Häkchen" o. "s" Namen stehen :
1. Könnten die Genannten eventuell unehelich Gebohrene sein, die zwar
den Nachnamen des leiblichen Vaters erhielten,der Nachname der
leiblichen Mutter dann aber hintenangestellt wurde?
2. Könnten die Genannten Halbwaisen geworden sein und die Mutter hat
nach dem Tode des leiblichen Vaters wieder geheiratet, insofern
dann der Name des Stiefvaters mit aufgeführt wurde?
3. Sind es ggf. angenommene Kinder?
4. Oder könnten Bedienstete auf Höfen, von Handwerkern o. ä. sein, bei
denen dann der Name des Dienstherrn/Meisters mit aufgeführt wurde.

Ich würde einfach mal im entsprechenden Kirchenarchiv nachfragen. Vielleicht wissen die Mitarbeiter oder dort vor Ort Forschende mehr.

Gruß
Hilli

vnagel2004
Mitglied seit
18.12.2014

3137 Beiträge

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Genanntname

Das wird in Ihrem Fall Anwendung finden! (siehe auch mehrfache vorherige Hinweise: sonst, sive, vulgo etc.)

Und nochmals: ein v. ist es in keinem hier bislang diskutierten Fall.

Wenn Ihnen diese Erklärungen zu „dünn“ sind, sollten Sie sich bitte direkt mit besonders sach- und ortskundigen Heimatkundlern vor Ort in Verbindung setzen.

Weiterhin viel Erfolg!