Kirchenbücher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Tonx
Mitglied seit
30.04.2018

149 Beiträge

Bei einem Forschungsbesuch in einer Kirchengemeinde traf ich einen gestressten Pfarrer an, der mir mitteilte, leider könne ich die Kirchenbücher nicht wie geplant durchsehen, denn es wäre ein großer Kindergottesdiensttag dazwischengekommen und er und alle anderen tätigen Helfer müssten nunmehr den Gemeindesaal entsprechend neu "umstuhlen" etc. und er hätte leider niemand für die Aufsicht frei.

Ich habe kurzerhand die komplette Umstuhlung gleich selbst nach seinen Vorstellungen in die Hand genommen, bevor die tätigen Helfer überhaupt da waren. Die konnten dann was anderes machen. Der Pfarrer war begeistert.

Danach durfte ich den ganzen Tag forschen soviel ich wollte. Aufsicht entfiel. Von den Kindern bekam ich sogar noch erst Erbsensuppe und später selbst gemachten Kuchen und Kaffee hereingebracht. Meine Forschungsarbeit wurde durch fröhlichen kirchlichen Kindergesang aus dem benachbarten Gemeindesaal, nun sagen wir, unterstützt und motiviert, und war auch recht erfolgreich.

Eine schöne Erinnerung für mich, jedesmal, wenn ich die angefertigten Auszüge dieses Vorfahrenzweigs anschaue. Das wird nicht immer so funktionieren, Archion war zu dieser Zeit auch noch nicht Thema.

Man sollte sich weniger ärgern und ein Kirchenaustritt bringt auch keine Einsicht in Kirchenbücher. Stattdessen könnte man sich selbst als Kirchenvorstand einer Gemeinde einbringen und richtige und sinnvolle Entscheidungen treffen.

Oder man könnte beim Helfen beim Krippenspiel den Kirchenvorstandsmitgliedern gute Gedanken einflüstern. Wir haben doch gute Argumente: Praktisch nur durch unsere Forschungen lassen sich traurige oder vielleicht auch mal glücklich verlaufene Schicksale im Dritten Reich aufklären. Wir finden heraus, wie es Müttern unehelicher Kinder ergangen ist. Wir können etwas über die Kindersterblichkeit erzählen, über Seuchen und wie die früheren Kirchengemeindeglieder damit umgegangen sind. Und was passierte im 30jährigen Krieg und welche Truppen zogen mit Napoleon durch die Gemeinde? Aber dazu brauchen wir eben die Kirchenbücher, am besten in Archion.

Viel Erfolg!

okhaine
Mitglied seit
16.01.2015

277 Beiträge

Es gibt bei allerdings immer noch (oder immer wieder?) einzelne "Verantwortliche", denen es sehr großes Unbehagen bereitet nur daran zu denken, dass Familienforscher alte, und ich meine wirklich alte, Familienzusammenhänge "offenlegen" (z.B. Familienbücher oder Online Stammbäume) oder gar der Meinung sind, dass Ahnenforschung etwas grundlegend schlechtes sei und ... näher ausführen möchte ich es nicht.
Dass ich auch einmal ohne Aufsicht in die Original Kirchenbücher schauen konnte und durfte ist auch schon eine halbe Ewigkeit her.
Es ist ja auch richtig, dass die Originale allesamt in einem klimatisierten Archiv lagern, als in irgendwelchen Stahlschränken.
Das soll erst mal reichen ... ;-)

Gruss, Oliver