Kirchenbücher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Tonx
Mitglied seit
30.04.2018

185 Beiträge

Bei einem Forschungsbesuch in einer Kirchengemeinde traf ich einen gestressten Pfarrer an, der mir mitteilte, leider könne ich die Kirchenbücher nicht wie geplant durchsehen, denn es wäre ein großer Kindergottesdiensttag dazwischengekommen und er und alle anderen tätigen Helfer müssten nunmehr den Gemeindesaal entsprechend neu "umstuhlen" etc. und er hätte leider niemand für die Aufsicht frei.

Ich habe kurzerhand die komplette Umstuhlung gleich selbst nach seinen Vorstellungen in die Hand genommen, bevor die tätigen Helfer überhaupt da waren. Die konnten dann was anderes machen. Der Pfarrer war begeistert.

Danach durfte ich den ganzen Tag forschen soviel ich wollte. Aufsicht entfiel. Von den Kindern bekam ich sogar noch erst Erbsensuppe und später selbst gemachten Kuchen und Kaffee hereingebracht. Meine Forschungsarbeit wurde durch fröhlichen kirchlichen Kindergesang aus dem benachbarten Gemeindesaal, nun sagen wir, unterstützt und motiviert, und war auch recht erfolgreich.

Eine schöne Erinnerung für mich, jedesmal, wenn ich die angefertigten Auszüge dieses Vorfahrenzweigs anschaue. Das wird nicht immer so funktionieren, Archion war zu dieser Zeit auch noch nicht Thema.

Man sollte sich weniger ärgern und ein Kirchenaustritt bringt auch keine Einsicht in Kirchenbücher. Stattdessen könnte man sich selbst als Kirchenvorstand einer Gemeinde einbringen und richtige und sinnvolle Entscheidungen treffen.

Oder man könnte beim Helfen beim Krippenspiel den Kirchenvorstandsmitgliedern gute Gedanken einflüstern. Wir haben doch gute Argumente: Praktisch nur durch unsere Forschungen lassen sich traurige oder vielleicht auch mal glücklich verlaufene Schicksale im Dritten Reich aufklären. Wir finden heraus, wie es Müttern unehelicher Kinder ergangen ist. Wir können etwas über die Kindersterblichkeit erzählen, über Seuchen und wie die früheren Kirchengemeindeglieder damit umgegangen sind. Und was passierte im 30jährigen Krieg und welche Truppen zogen mit Napoleon durch die Gemeinde? Aber dazu brauchen wir eben die Kirchenbücher, am besten in Archion.

Viel Erfolg!

okhaine
Mitglied seit
16.01.2015

302 Beiträge

Es gibt bei allerdings immer noch (oder immer wieder?) einzelne "Verantwortliche", denen es sehr großes Unbehagen bereitet nur daran zu denken, dass Familienforscher alte, und ich meine wirklich alte, Familienzusammenhänge "offenlegen" (z.B. Familienbücher oder Online Stammbäume) oder gar der Meinung sind, dass Ahnenforschung etwas grundlegend schlechtes sei und ... näher ausführen möchte ich es nicht.
Dass ich auch einmal ohne Aufsicht in die Original Kirchenbücher schauen konnte und durfte ist auch schon eine halbe Ewigkeit her.
Es ist ja auch richtig, dass die Originale allesamt in einem klimatisierten Archiv lagern, als in irgendwelchen Stahlschränken.
Das soll erst mal reichen ... ;-)

Gruss, Oliver

Breckenheim
Mitglied seit
22.02.2019

2 Beiträge

Zitiert von: Tonx

Man sollte sich weniger ärgern und ein Kirchenaustritt bringt auch keine Einsicht in Kirchenbücher. Stattdessen könnte man sich selbst als Kirchenvorstand einer Gemeinde einbringen und richtige und sinnvolle Entscheidungen treffen.

Oder man könnte beim Helfen beim Krippenspiel den Kirchenvorstandsmitgliedern gute Gedanken einflüstern. Wir haben doch gute Argumente: Praktisch nur durch unsere Forschungen lassen sich traurige oder vielleicht auch mal glücklich verlaufene Schicksale im Dritten Reich aufklären. Wir finden heraus, wie es Müttern unehelicher Kinder ergangen ist. Wir können etwas über die Kindersterblichkeit erzählen, über Seuchen und wie die früheren Kirchengemeindeglieder damit umgegangen sind. Und was passierte im 30jährigen Krieg und welche Truppen zogen mit Napoleon durch die Gemeinde? Aber dazu brauchen wir eben die Kirchenbücher, am besten in Archion.

Viel Erfolg!

wenn das so einfach wäre, wären die Kirchenbücher meiner Heimatgemeinde schon lange online. Immerhin habe ich einen Bildband über die Kirche herausgegeben um die Sanierung der Kirchenorgel finanziell zu unterstützen.

Leider ist es nicht möglich, vor Ort in den Kirchenbüchern zu blättern, der Kirchenvorstand möchte das nicht. Die meisten Gemeinden haben sehr schlechte Erfahrungen gemacht und lassen die Bücher im Safe

Meine Anfrage und Bitte, die Bücher doch online zu stellen, damit ich nicht immer nach Darmstadt fahren muss, wurde von drei Gemeinden noch nicht beantwortet, ich hoffe, dass sich hier bald was tut, so dass ich die Winterabende von zu Hause aus sinnvoll nutzen kann

Tonx
Mitglied seit
30.04.2018

185 Beiträge

Zitiert von: Breckenheim

Meine Anfrage und Bitte, die Bücher doch online zu stellen, damit ich nicht immer nach Darmstadt fahren muss, wurde von drei Gemeinden noch nicht beantwortet, ich hoffe, dass sich hier bald was tut, so dass ich die Winterabende von zu Hause aus sinnvoll nutzen kann

Wenn es derzeit möglich ist, die Bücher (oder Mikrofiches oder was auch immer) ständig und häufig einzusehen, ist es riskant, eine Umstellung auf Online zu forcieren.

Der Grund: Geschieht das tatsächlich, kommt man als Forscher für zwei bis drei Jahre nicht mehr an die Quellen heran. Diese werden nämlich gesammelt, vorbereitet, katalogisiert, verplant, verfilmt, dann digitalisiert, an Archion geschickt usw.

Das dauert für ein Kirchenbuch natürlich nicht drei Jahre, aber es wird ja aus Kostengründen der komplette Kirchenkreis oder sonstige Teilbestand auf einmal der Benutzung entzogen und hinterher üblicherweise nicht wieder zugänglich gemacht. Man muss dann warten, bis alles fertig und online ist, vorher ist ein Forschen weder vor Ort noch online möglich. In Thüringen wird gerade angeregt, seine eigenen Forschungen so zu planen und auf das Fehlen der Kirchenbücher bestimmter Kirchenkreise für mindestens zwei Jahre auszurichten.

Mag sein, dass das irgendwo auch geschickter durchgeführt wird, aber erfahrungsgemäß zieht man selbst immer das kürzeste Streichholz.

Zitiert von: Breckenheim

Die meisten Gemeinden haben sehr schlechte Erfahrungen gemacht und

Das wird viel zur Abschreckung erzählt. Es ist wenig glaubwürdig. Bohrt man nach, so sind tatsächliche Verluste auf Schäden im 2. Weltkrieg oder auf englische oder russische Soldaten zurückzuführen, die ein ganzes Kirchenbuch mitgenommen haben. Unterstrichene Eintragungen sind in den 1920ern beim Anfertigen alphabetischer Register erfolgt. Tintenkleckse stammen aus vergangenen Jahrhunderten. Mäusefraß kommt nicht von früheren Benutzern. Und natürlich tritt durch intensive Benutzung über die Jahrhunderte ein erheblicher Abnutzungseffekt ein. Wer in Kirchenbüchern gearbeitet hat, stößt nicht auf herausgerissene Seiten. Natürlich muss ein weiterer Verfall vermieden werden. Das wussten schon frühere Forschergenerationen.

Ich bin skeptisch, was schriftliche Anfragen betrifft. Wenn sich ein Kirchenvorstand nicht interessiert, wird er nicht antworten (man hat ja auch anderes zu tun) oder nahezu unbegründet absagen. Wenn er sich interessiert, ist es schon gemacht oder diese Gemeinde ist noch nicht dran.

Dem Bildband für die Kirchenorgel hätte ich schon mehr Durchschlagskraft zugeordnet. Schade. Im Gemeindeheft unserer Nachbargemeinde gibt es regelmäßig historische Kurzgeschichten rund um die Kirche oder die Gemeinde in früheren Zeiten, die ein genealogisch sehr interessiertes Gemeindemitglied verfasst. Natürlich hat er auch durchgesetzt, dass die Kirchenbücher alle schon lange in Archion stehen.

Viel Erfolg auch Ihnen!
Gruß, Tonx

aeiouxyz
Mitglied seit
17.06.2017

19 Beiträge

Hallo zusammen,
vor etwa 2 Jahren wurde in unserer Kirchengemeinde der Beschluss gefasst, dass die Kirchenbücher online gestellt werden können. Bei meiner Nachfrage in Darmstadt habe ich erfahren, dass der Beschluss dort nicht vorliegt. Bei meiner Kirchengemeinde erfuhr ich, dass sie vergessen hatten, diesen Beschluss weiterzureichen, was jetzt hoffentlich bald geschehen wird, so dass die Chance besteht, dass die Kirchenbücher von Freirachdorf und Roßbach irgendwann bei archion eingestellt werden. Mein Tipp - Bei Jeder Kirchengemeinde nachhaken.