Taufen in Enger, Herford 1679 - 1761

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Mapuka
Mitglied seit
27.02.2018

6 Beiträge

Was bedeutet damahl nach dem Namen des Vaters?
z.B.
"Cordt Henrich Moeller damahl Herman Nolte in Enger huesset toechterl. Anna Magdalena genandt word"

Freezard
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30.05.2018

114 Beiträge

damals

hauste er bei Hermann Nolte (zur Zeit der Taufe). Als Mieter oder Knecht war man in der Regel nicht auf Dauer in einem Haus.
Um es genau entscheiden zu können, wäre ein Permalink oder Bezeichnung der Seite eines Eintrags hilfreich, da man so etwaige Verlesungen ausschließen kann. So deute ich das huessete als hauste ohne die Lesart kontrollieren zu können.
Gruß,
Rainer

Mapuka
Mitglied seit
27.02.2018

6 Beiträge

Hallo Rainer
vielen Dank, dass Sie sich Gedanken gemacht haben, Diese Anordnung "damahl"nach dem Vaternamen und ''hüsste" mit . weiterer Namensnennung oder Ortsangabe kommt im Taufregister Enger ab ± 1700 häufig vor, "hüsste"habe ich als wohnhaft gedeutet aber "damahl" kann ja nicht ,. ehemals" heißen".Es scheint eine Formel zu sein , die in unserem heutigen Sprachgebrauch keinen Sinn ergibt.
Ich werde mal weiter forschen .
Mapuka

Leibniziana2014
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20.03.2015

188 Beiträge

Doch, ich bin mir sicher "damahl" bedeutet lediglich nur ... wo früher der XXX wohnte. Also "ehemals" ist korrekt.
Gruß !

vnagel2004
Mitglied seit
18.12.2014

1227 Beiträge

Zitiert von: Mapuka
..."hüsste" habe ich als wohnhaft gedeutet...

Das ist so korrekt.
Anstelle von "hüsste" findet sich gleichbedeutend z.B. auch "hußend"

Zitiert von: Mapuka
...aber "damahl" kann ja nicht, "ehemals" heißen".
Es scheint eine Formel zu sein, die in unserem heutigen Sprachgebrauch keinen Sinn ergibt.

siehe hierzu z.B.
http://www.woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=Adelung&lemid=DD00072

"damahls" oder auch "damahl" oder auch "damahlen" bedeutet: zu dieser Zeit oder auch zur Zeit und bezieht sich zeitlich auf das Ereigniss / den Umstand etc. auf das es sich bezieht - hier: die Taufe.

Möge es nutzen, Vera

Mapuka
Mitglied seit
27.02.2018

6 Beiträge

Hallo Vera, Vielen Dank Insgesamt könnte man für "damahl hußend" das heute gebräuchliche ,, Wohnort" übersetzen •

Mapuka

vnagel2004
Mitglied seit
18.12.2014

1227 Beiträge

Hallo Marlies,

das können Sie selbstverständlich machen, jedoch werden Sie damit den kleinen aber feinen Unterschieden hinsichtlich gesellschaftlichem Status resp. Wohnsituation der infragestehenden Person, die der Kirchenbuchführer mit diesen Zusätzen zum Ausdruck bringt, nicht gerecht. Tut mir sehr leid.

Diejenigen Personen, bei denen das Wort "hüsset / hußend" (und das waren ja bei Weitem nicht alle Personen in diesem KB!) -egal ob nun in Verbindung mit "damahl / damahlen" oder nicht- gebraucht wurde, waren ***Mieter / Untermieter auf Zeit*** und eben dieser Umstand geht mit einer bloßen "modernen Übersetzung" als "Wohnort" bedauerlicherweise verloren.

BG, Vera

Bernd
Mitglied seit
15.12.2014

234 Beiträge

vnagel2004 dürfte recht haben, daß "damals" in der KB-Eintragung hier tatsächlich "zur Zeit" heißt.
Das kommt uns heute seltsam vor, weil das Wort heute einen anderen Sinn hat, aber je weiter man in die Vergangenheit kommt, um so häufiger kommt so etwas vor und kann zu bösen Mißverständnissen führen.
Die Eintragung ist übrigens ungewöhnlich, viel lieber gebrauchten die Pastoren um diese Zeit die lateinischen Ausdrücke.
"Hüssend" ist dagegen klar definiert: Cord Henrich hatte für sich und seine Famile von Hermann Nolte in Enger (wohl Nr.30) ein eigens für solche Zwecke erbautes Haus zur Verfügung gestellt bekommen.
Solche Häuser nannte man "Kotten", die Bewohner "Hüssende" oder später "Heuerlinge". Der Vertrag war befristet (5-7 Jahre waren üblich)und natürlich mußte Cord Henrich jedes Jahr eine Pacht bezahlen, evtl. auch in der Ernte für wenig Lohn zur Verfügung stehen.
Heuerling unterschieden sich von den Knechten dadurch, dass sie selbständig wirtschaften und auch nicht zum Haushalt ihres Hauswirts gehörten.
Grundbesitz hat er nicht. Wenn sein Vertrag ausläuft, muß er sehen, dass dieser erneuert wird (manche lebten mehrere Generationen im gleichen Kotten) oder er muß sich einen neuen Hauswirt suchen.
Die Klasse der Heuerlinge ist in Ravensberg in Anfängen schon im 16. Jahrhundert feststellbar und nach dem dreißigjährigen Krieg förmlich explodiert. Um 1700 oder kurz danach dürften sie in Enger schon zahlenmäßig die Mehrheit gewesen sein.
Hier hat man übrigens Glück gehabt, dass Cord Henrich mit seinem Familiennamen genannt wird. Üblich ist das vor 1720 nicht, meist steht bei der Taufe nur der Vater-Vorname, und weil es viele Cord Henrichs gibt, ist die Familie dann nicht bestimmbar.

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