Kirchenbücher

Kirchenbücher - im amtlichen Sprachgebrauch als Amtshandlungsverzeichnisse bezeichnet - sind die Bücher, in denen kirchliche Amtshandlungen beurkundet werden. Allgemein bekannt und auch heute noch in den einzelnen Pfarreien geführt werden Tauf-, Konfirmations-, Ehe- und Totenregister. Zu den Kirchenbüchern werden im landläufigen Sprachgebrauch auch die im 19. Jahrhundert in Südwestdeutschland aufkommenden Familienregister gezählt, auch wenn in ihnen keine Beurkundung einer kirchlichen Amtshandlung erfolgt.

Zur Gruppe der heute nicht mehr gebräuchlichen Kirchenbücher gehören die Verlobungsbücher (Proklamationen), die Kommunikantenregister, in denen die Abendmahlsteilnehmer verzeichnet wurden, sowie die Seelenregister, seit ungefähr Mitte des 18. Jahrhunderts geführte Vorläufer der Familienregister.

Die Vorschriften Tauf- und Ehe- und Totenregister zu führen, wurden in Deutschland in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erlassen. Das staatliche Interesse an den Kirchenbüchern begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Für den Staat hatten die Kirchenbücher den Stellenwert von amtlichen Registern für Personenstandsfälle (öffentliche Personenstandsurkunden). Sie wurden z.B. für die Belange des Einwohnermelde-, Militär-, Finanz- und Gesundheitswesens oder für statistische Zwecke herangezogen. Im Jahre 1876 wurden mit dem Personenstandsgesetz die Standesamtsregister deutschlandweit eingeführt. Die Kirchenbücher verloren ab diesem Zeitpunkt ihre Bedeutung für den Staat, sie wurden (wieder) ausschließlich für die Belange der kirchlichen Verwaltung und die seelsorgerische Betreuung der Gemeindeglieder verwendet.

Inhaltlich wurde eine Trennung in die drei Hauptregister Tauf-, Ehe- und Totenregister praktiziert. In der Regel wurden diese drei Bücher parallel geführt, anfänglich als sogenannte Mischbücher. Normalerweise wurden die Register von den Pfarrern oder den Diakonen geschrieben.

Die Einträge erfolgten in chronologischer Reihenfolge. Manchmal wurden die Register schon früh recht schematisch angelegt, was den Überblick erleichtert. Bei den Taufregistern wurde der Name des Kindes, der Name der Eltern, meistens auch der Paten (Gevattern), und das Taufdatum angegeben. Bei den Ehen wurden die Namen der Eheleute und deren Väter und der Herkunftsort angegeben sowie der Tag der Eheschließung. In den Totenregistern trug man gewöhnlich den Namen des oder der Verstorbenen ein und den Tag des Begräbnisses. Oft vermerkte man auch das erreichte Lebensalter und die Todesursache.

Bei der Anlage der Kirchenregister wurde anfangs oft bei der Frau nur der Vorname und nicht der Mädchenname angegeben. Lange Zeit wurde auch nur der Tauftag und nicht auch der Geburtstag eingetragen.

Da die Kirchenbücher neben ihrer primären Funktion als Amtshandlungsverzeichnisse bis zur Einführung staatlicher Register in den 1870er Jahren auch Personenstandsregister waren, bilden sie heute eine wichtige historische (z.B. historische Demografie, Sozialgeschichte) und die wichtigste genealogische Quelle.