Allgemeines

Die deutsche Schrift gab es seit dem 16. Jahrhundert in zwei Typen: in der durch Regelmäßigkeit gekennzeichneten, etwas gedrungen und „gezähmt“ wirkenden Kanzleischrift und in der flüssigen, schwung­volleren Kurrentschrift, die aus der gotischen Kursive entstand (kurrent = schnell dahinfließend).

Die Gebrauchsschrift (Kurrentschrift) differenziert sich seit der Wende zum 16. Jahrhundert aus. Nach dem Verwendungszweck treten folgende Ausführungsarten auf: kalligraphisch gestaltete Reinschriften von Ausfertigungen (z. B. Urkunden, Reskripte, Schreiben an Dritte); flüchtigere Schriften aus der Kanzleipraxis (Berichte, Protokolle, Abschriften, Rechnungen); äußerst flüchtige Konzeptschriften und individuelle Handschriften im privaten Gebrauch.

Es gibt eine Mischung von lateinischer Schrift und gotischer Kursive: Lateinische und französische Worte werden lateinisch geschrieben (Antiquakursive); Namen erscheinen mitunter in einer hervorgehobenen (Auszeichnungs-) Schrift.  Die Groß- und Kleinschreibung ist uneindeutig.

Im 17. Jahrhundert sind Schwünge, Schnörkel, Bögen, „rüsselförmige“ Aufschwünge bei den Großbuchstaben und bei v und w charakteristisch, maßgeblich befördert durch die Verwendung des Gänsekiels als Schreibwerkzeug. Im 18. Jahrhundert werden die Buchstaben stärker miteinander verbunden als noch im 17. Jh., das Schriftbild ist oft schrägrechts geneigt.

Rechtschreibung

Achten Sie auf für heutige Augen „falsche“ Schreibweise:

  • ck statt k: kranckheit statt krankheit (und: Klein- statt Großschreibung!)
  • Doppelkonsonant statt einfachem Konsonant: auff statt auf
  • Groß- und Kleinschreibung: unregelmäßig in einem Text
  • Großschreibung im Wort: StattKirche statt Stadtkirche
  • Bindestriche: Löchels-gaß statt Löchelsgaß

Abkürzungen

Es ist mit vielen Abkürzungen zu rechnen, bei deren Auflösung Spezialhandbücher unverzichtbar sind.

Sprache

Viele Wendungen der Sprache früherer Jahrhunderte erscheinen auf den ersten Blick unverständlich. Häufig werden lateinische Wendungen benutzt. Hier helfen Wörterbücher (Grimms Deutsches Wörterbuch, regionale Dialektwörterbücher) bei der Erschließung des Textes. Manche Wörter hatten früher eine andere Bedeutung.

Auch die langen Sätze sind nach heutigem Verständnis zunächst rätselhaft. Bisweilen ist der Satzbau auf den ersten Blick überhaupt nicht verständlich.